„Literatur ist kein Luxus“, schreibt Jagoda Marinic im Vorwort zur diesjährigen feeLit. Und Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, ergänzt: „Kultur fördert kritisches Denken, Empathie und Kreativität. Dies sind Fähigkeiten, die für eine funktionierende demokratische Gesellschaft entscheidend sind.“ Zwei Sätze, zwei Haltungen – und gemeinsam das Fundament für ein Festival, das nicht bloß kulturelle Inhalte zeigt, sondern kulturelle Bedingungen thematisiert.
Die feeLit 2025 in Heidelberg versteht sich als Antwort auf eine Zeit, in der künstlerische Räume selbst in demokratischen Gesellschaften unter Druck geraten. Sie öffnet – im doppelten Sinn – den Raum: für Autorinnen und Autoren, für Begegnungen, für Reibung. Und das mit einem Programm, das nicht nach Konsens sucht, sondern nach Gespräch.
Das Motto der diesjährigen feeLit, „That’s how the light gets in“, wirkt wie eine literarische Flaschenpost aus stürmischer See. Inspiriert von Leonard Cohens Versen verspricht das Festival keine glatte Weltdeutung, sondern einen Blick durch die Brüche – auf das, was Sprache, Kunst und Denken heute leisten können. Kuratiert von Jagoda Marinic, setzt die feeLit 2025 auf Reibung, Resonanz und Überraschung.
Eröffnung mit Cornelia Funke: Fantasie trifft Festivalpublikum
Cornelia Funke, eine der bekanntesten Stimmen der Kinder- und Jugendliteratur, eröffnete die diesjährige feeLit. Nach ihrer digitalen Lesung 2024 folgt nun die persönliche Begegnung: Am 29. Juni wurde die halle02 zum Treffpunkt für Familien, Kinderbuchfans und Literaturfreundinnen aller Altersstufen. Wer meinte, Fantasie sei Eskapismus, konnte hier eines Besseren belehrt werden.
Didier Eribon und Édouard Louis: Klassenfragen auf der Festivalbühne
Wenn zwei der schärfsten sozialen Chronisten Frankreichs nach Heidelberg kommen, wird es politisch – und persönlich. Didier Eribon und Édouard Louis sprechen über Herkunft, Identität und die Fallstricke des Aufstiegs. Begleitet von Übersetzerin Sonja Finck und Journalistin Vanessa Vu verspricht dieser Abend kein versöhnliches Narrativ, sondern kluge Provokation.
Martina Hefter und Francesca Melandri: Alltagsfragen und Europa im Fokus
Die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises, Martina Hefter, bringt mit ihrem Buch „Hey guten Morgen, wie geht es dir“ eine irritierend klare Poesie auf die Bühne – freundlich im Ton, scharf in der Beobachtung. Francesca Melandri erweitert den Rahmen um europäische Perspektiven: Ihr Roman „Kalte Füße“ zeigt die Gegenwart als fragile Konstruktion mit politischer Tiefenschärfe.
Jonathan Meese beim Finale: Kunstdiktatur als Liebeserklärung
Der Schlusspunkt gehört Jonathan Meese – und wie immer wird es kein leiser. Mit seiner „Diktatur der Kunst“ bricht Meese mit Erwartungen und feiert die Überforderung als Form der Erkenntnis. „Die Liebe“ lautet der Titel seines Auftritts – gemeint ist vermutlich alles, nur kein sentimentales Ausklingen. Wer bleibt, geht verändert.
feeLit 2025 als literarisches Experimentierfeld
Die feeLit 2025 zeigt, wie Literatur in die gesellschaftlichen Risse hineinsprechen kann, ohne sich an Wohlfühlformeln zu verlieren. Statt eines geschlossenen Narrativs erwartet das Publikum eine offene Dramaturgie – mit Raum für Kontroverse, Poesie und die ein oder andere Überraschung. Der Riss ist hier nicht Störung, sondern Einladung: zum Denken, Hören, Lesen.
Samstag, 5. Juli 2025
- 16:00 Uhr: Xiaolu Guo – My Battle of Hastings und Call me Ishmaelle
- 18:00 Uhr: Pippa Goldschmidt & Zoe Beck – Deutschstunde
- 20:00 Uhr: Martina Hefter – Hey guten Morgen, wie geht es dir?
Sonntag, 6. Juli 2025
- 11:00 Uhr: Langer Morgen der kurzen Texte
- 14:00 Uhr: Ralph Caspers – Milla und die sehr gefräßige Schule und Lumpi
- 16:00 Uhr: Elena Fischer – Paradise Garden
- 18:00 Uhr: Dana von Suffrin – Nochmal von vorne
- 20:00 Uhr: Francesca Melandri – Kalte Füße
Montag, 7. Juli 2025
- 09:30 Uhr: Eva Rottmann – Fucking fucking schön
- 11:00 Uhr: Marina Weisband – Die neue Schule der Demokratie
- 20:00 Uhr: Robert Habeck – Den Bach rauf
Dienstag, 8. Juli 2025
- 09:00 Uhr: Hannes Huß & Philipp Neumayr – Journalistisches Schreiben
- 09:30 Uhr: Mehrnousch Zaeri-Esfahani – Verschwörungen – Wenn mit deinen Gefühlen gespielt wird
- 20:00 Uhr: Michel Friedman & Robert Menasse – Europa, deine Zukunft!
Mittwoch, 9. Juli 2025
- 09:00 Uhr: Toni-L & Bryan Vit – Rap bewegt die Welt!
- 09:30 Uhr: Isabel Pin – Ada Blackjack
- 18:00 Uhr: Stella Nyanzi – Im Mundexil
- 19:30 Uhr: Kevin Chen – Geisterdämmerung
- 20:00 Uhr: Marlene Streeruwitz – Auflösungen.
Donnerstag, 10. Juli 2025
- 09:00 Uhr: Hannes Huß & Philipp Neumayr – Journalistisches Schreiben
- 11:00 Uhr: Anke Kuhl & Moni Port – Mukkekukke. Comic zu Musik.
- 19:00 Uhr: Jovana Reisinger – Pleasure
- 20:30 Uhr: Maja Göpel – Werte. Ein Kompass für die Zukunft
Freitag, 11. Juli 2025
- 09:30 Uhr: Michèle Fischels – Outline
- 11:00 Uhr: Mehrnousch Zaeri-Esfahani – Erzählstunde – Gesucht: Identität und Freiheit
- 18:00 Uhr: Tanja Kinkel – Im Wind der Freiheit
- 20:00 Uhr: Édouard Louis & Didier Eribon
Samstag, 12. Juli 2025
- 15:00 Uhr: Katharina von der Gathen – Radieschen von unten
- 17:00 Uhr: Hoda Barakat – Entwurzelte Stimmen
- 20:00 Uhr: Jonathan Meese – Gesamtkunstwerk Deutschland! (Herrschaft der Liebe!)
Alle Veranstaltungen finden in der halle02, Zollhofgarten 2, 69115 Heidelberg statt.
Tickets sind online erhältlich oder vor Ort bei Zigarren Grimm, Sofienstraße 11, Heidelberg. feelit.de
Topnews
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
100 Jahre „Der Zauberberg“ - Was Leser heute daraus mitnehmen können
Oschmann: Der Osten: Eine westdeutsche Erfindung“ – Umstrittene russische Übersetzung
Überraschung: Autorin Han Kang hat den Literaturnobelpreis 2024 gewonnen
PEN Berlin: Große Gesprächsreihe vor den Landtagswahlen im Osten
„Freiheitsschock“ von Ilko-Sascha Kowalczuk
Aktuelles
Karen W. – Eine Resonanz des Alltags
Über Tatsuzō Ishikawas „Die letzte Utopie“
Jack London lesen: Vier Bücher und der Ursprung eines amerikanischen Erzählens
Manfred Rath: Der letzte Morgen des Universums
Zum Tod von Erich von Däniken (1935–2026)
Die Geduld der Zukunft – warum das Warten die unterschätzte Tugend unserer Zeit ist
Tamás Fajta: Leseprobe
Paweł Markiewicz: Die besinnliche Veilchenblume
Drei Nominierungen für den Deutschen Drehbuchpreis 2026 bekanntgegeben
Funny Story von Emily Henry - „Falsche“ Mitbewohner, echter Sommer, echte Gefühle
Beautiful Disaster von Jamie McGuire – College, Kampfring, Knistern: Warum dieser Roman klebt
Verlorene Paradiese von Manfred Rath
Das Buch der verlorenen Stunden von Hayley Gelfuso – Erinnerungen als Schicksalsmacht