S.A.Riten – Ausgewählte Texte

Vorlesen

7. Gott nimmt Gott gibt

Der Wind kam von hinten, trug flirrenden Glanz,
wie Versprechen aus Fernen, im taumelnden Tanz.
Er wirbelte Scheine, als riefen sie leis,
es griff meine Hand – und griff doch ins Eis.
Ein Reichtum so nah, doch aus Luft nur gemacht,
ein Trugbild, das lockt – und im Winde lacht.

Ich lief mit dem Sturm, das Ziel stets vor Augen,
doch immer entrückt, wie flüchtiges Glauben.
Die Hände gespannt, doch der Griff blieb leer,
der Wind ein Tänzer, mein Glück blieb mir fern.
Je mehr ich mich mühte, je ferner das Ziel –
ein Jagen nach Schatten, ein endloses Spiel.

Erschöpft blieb ich stehen, der Atem war schwer,
kein Hoffen, kein Rennen, das Herz und die Hände einfach leer.
Ich wandte mich um, ließ das Streben vergeh’n,
da spürte ich plötzlich das Schimmern gescheh’n.
Wie Blätter, die sanft an den Körper sich schmieg’n –
was ich suchte im Außen, begann mich zu wieg’n.
Kein Ringen, kein Drängen, der Wind wurde Gnade,
und staunend fand ich Ruh.

28. Der Mönch

Er suchte das Licht,
doch fand er nur Flammen.
Der Affe,
an dem man nicht denken soll,
fraß sich in sein Herz.
und die Gedanken kamen –
wie Staub auf stillem Wasser.

Je mehr er wollte,
desto weiter wich das Ziel.
Ein paar Sekunden Wahrheit –
ein Blick durchs Schlüsselloch,
zu groß für Worte,
zu flüchtig für Besitz.

Dann griff der Kopf zu,
warf ihn zurück
in die alte Welt.
Und er lächelte bitter:
„Vielleicht kommt die Tür,
wenn nichts mehr bleibt,
was sie öffnen will.“

30. Die Ballade vom Traumhändler

Es kam ein Mann mit Aktenmappe,
der sprach charmant, ganz ohne Klappe:
„Ich bringe Freiheit, Glück und Sinn –
man muss nur kaufen, das bringt Gewinn!“

Er zeigte Bilder, bunt und glatt,
ein Leben das kein Warten hat.
Ein Ring, ein Sofa, ein Gerät,
das die Arbeit für dich tät’.

„Die Waschmaschine denkt für dich –
du zahlst … Und alles ordnet sich.“
Du liest die Rechnung, klein gedruckt,
und merkst nicht wie man Freiheit schluckt.

Doch plötzlich – ach, du spürst im Nacken,
die Liste wächst mit neuen Sachen.
Du hetzt von A nach B nach C
und fragst dich: „War diese Zeit denn je okay?“

Der Händler lächelt, schiebt dich fort,
ein neues Teil, ein neuer Ort.
„Ein Bildschirm mehr, dann bist du frei!“
Du nickst und denkst dir nichts dabei.

Die Werbung zeigt dir neue Träume,
Fernweh, Licht und hohe Bäume.
Du kaufst erneut, mit Seelenstöhnen,
lässt dir vom Glanz die Sicht verschönen.
Und jeder Euro, der dir fehlt,
ist einer, der dem Händler zählt.

So gehst du weiter, Jahr um Jahr,
der Wagen rollt, der Händler war
schon fort mit deinem guten Geld –
doch du, du träumst noch von der Welt.

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