Texte veröffentlichen: Wie erreiche ich LeserInnen?

Die Möglichkeiten, eigene Texte zu veröffentlichen, haben sich in den vergangenen Jahren vervielfältigt. Längst schon sind es nicht mehr nur Literaturmagazine, die AutorInnen und Autoren die Chance bieten, Gedichte und Kurzprosa einzureichen. Mittlerweile haben sich eigens für Textveröffentlichungen geschaffene Foren wie Wattpad oder story.one gebildet, auf denen sich täglich mehrere Millionen User tummeln. Wer seine Texte in Buchform bringen will, kann sich darüber hinaus an Self Publisher-Plattformen wie BoD (Books on Demand) oder tredition wenden. Mit all diesen neugeschaffenen Alternativen aber, steigt auch die Wahrscheinlichkeit übersehen zu werden. Das Überangebot macht blind. Will man LeserInnen erreichen, empfiehlt es sich daher, bedacht vorzugehen.

Literaturzeitschriften, Blogs, Ausschreibungen und Self Publishing. Wer Geschichten und Gedichte veröffentlichen will, findet sich heut mit einem Überangebot konfrontiert. Wir haben einige Wege zusammengetragen. Bild: Pixabay (Symbolbild)

Wer schreibt, möchte früher oder später auch gelesen werden. Stellt sich nur die Frage, wie und vor allem wo man seine Texte veröffentlichen sollte. Denn in den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche Webseiten hervorgetan, die hierfür entsprechende Angebote bereitstellen. Zunächst fallen da die direkt auf Textveröffentlichungen spezialisierte Plattformen wie Wattpad oder Story.one ins Auge. Täglich tummeln sich hier Millionen von UserInnen, die ihre Geschichten und Gedichte präsentieren wollen. Da es für die Einreichungen im Grunde keinerlei Beschränkungen oder Hürden gibt, erscheinen auf den Plattformen täglich unzählige neue Texte. Ungewiss ist jedoch, ob diese in jedem Fall von mehr als hundert Usern gelesen werden. Hier ist gut aufgehoben, wer sich hobbymäßig an den Schreibtisch setzt.

Etwas herausfordernder sind da Literaturzeitschriften beziehungsweise Blogs, die es BesucherInnen ermöglichen, selbst verfasste Texte einzureichen. Auch bei Lesering haben wir mit der Rubrik Freitexte ein solches Angebot geschaffen. Texte an Literaturmagazine zu schicken ist empfehlenswert und mit Sicherheit die "textfreundliche" Alternativen zur schnellen Veröffentlichung auf überlaufenden Plattformen. Denn hinter den Magazinen und Blogs steht eine Redaktion, die sich mit den Einreichungen eingehend auseinandersetzt, abwägt und ihre Entscheidung oftmals auch begründet. Kurz: Hier beschäftigt man sich mit euren Texten tatsächlich; und eine Ablehnung nach ausführlicher Lektüre kann oftmals konstruktiver sein, als hundert schweigsame LeserInnen. Hinzu kommt, dass Literaturzeitschriften eine feste Leserschaft mitbringen. Texte, die hier gedruckt beziehungsweise veröffentlicht werden, treffen auf ein anspruchsvolles Publikum; und vielleicht auch auf den ein oder anderen Verlagsmitarbeiter.

Ein eigener Blog? Eine eigene Webseite?

Viele AutorInnen denken darüber nach, einen eignen Blog / eine eigene Website zu starten, um dort auf unabhängige Weise ihre Texte veröffentlichen zu können. Zunächst ein naheliegender Gedanke, denn insbesondere Blogs sind heute schnell erstellt. Plattformen wie WordPress, Livejournal oder Blogger ermöglichen es, innerhalb weniger Minuten eine eigene Seite einzurichten. So schnell man jedoch in der Erstellung des eigenen Blogs vorankommt, so langwidrig und mühselig ist es, sich eine aktive, wiederkehrende Leserschaft aufzubauen. Daher empfiehlt es sich, auf Social Media-Plattformen wie Instagram oder Twitter zurückzugreifen. Von hier aus kann auf die Blog-Inhalte verwiesen werden.

Schreibwettbewerbe

Unterschiedlichste Seiten im Netzt listen aktuelle und kommende Schreibwettbewerbe, Stipendien und Residenzen auf. Sehr zu empfehlen ist hier die Seite Literaturport, die vielfältige Informationen - vom Autorenlexikon über bevorstehende Veranstaltungen bis hin zu einem Literaturzeitschriften-Register - übersichtlich darstellt. An Schreibwettbewerben teilzunehmen ist sicher sinnvoll und empfehlenswert; allerdings auch ein Prozess, der über das bloße Verschicken eines bereits geschrieben Textes hinausgeht. Denn viele Ausschreibungen richten sich an Schreibende aus bestimmten Bundesländern, Altersgruppen, Hochschulen etc. Hinzu kommt, dass insbesondere Wettbewerbe häufig mit einer Themenvorgabe verbunden sind. Wer es schafft, kann sich allerdings einer interessierten Leserschaft sicher sein.

Self-Publishing: Endlich das eigene Buch in den Händen

Self-Publishing ist das wohl dynamischste Segment im Buchmarkt. Anbieter wie BoD oder tredition konnten in den vergangenen Jahren - insbesondere während der Corona-Lockdown-Phasen - einen signifikanten Anstieg verbuchen. Aber auch die Herausgabe des eigenen Romans im Selbstverlag sollte gut durchdacht sein. Die unerlässliche Lektorats-Arbeit, die eines der Herzstücke eines guten Verlags darstellt, liegt beim Selbstverlegen in den Händen des Autors oder der Autorin. Wendet man sich - was unbedingt zu empfehlen ist - an ein Privat-Lektorat, muss man tief in die Tasche greifen. Ein weiterer Punkt, der gar nicht überschätzt werden kann, ist das Marketing. Gerade etablierte Verlage initiieren zum Teil große Werbekampagnen um auf die Veröffentlichungen ihrer AutorInnen aufmerksam zu machen. Wer mit dem Gedanken spielt, ein Buch im Selbstverlag zu veröffentlichen, übernimmt auch diese Kosten allein. Daher empfiehlt es sich, zunächst über die bisher beschriebenen Wege Leserinnen und Leser (und somit potentielle Käufer) zu akquirieren. Wer mehr zu dem Thema erfahren will, dem sei Matthias Mattings "Selfpublisherbibel" ans Herz gelegt.

Fazit

Letztlich lassen sich aus den bis hier angeführten Veröffentlichungsmöglichkeiten zwei Wege ableiten: Wer seine Texte in sicheren Händen wissen will, sollte sich auf Ausschreibungen und von Literaturzeitschriften initiierte Angebote konzentrieren. Auch wenn dieser Pfad häufig mit Ablehnung und Zurückweisung verbunden ist, ist er doch der konstruktivere. Wem jedoch daran gelegen ist, möglichst schnell zu veröffentlichen, dem bieten sich heute mit Plattformen wie Story.one oder Wattpad mehr Möglichkeiten denn je. Allerdings sollte man dabei nicht vergessen, wo die eigenen Texte landen. In einem schier endlosen, unübersichtlichen Sammelbecken diverser Ansätze.


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