Literaturpreis Preis der Leipziger Buchmesse 2021: Die Finalisten der Kategorie Belletristik

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Der Preis der Leipziger Buchmesse wird auch in diesem Jahr in den Kategorien Sachbuch/Essayistik, Übersetzung und Belletristik vergeben. Wir stellen hier die Nominierungen der letzten Kategorie noch einmal ausführlicher vor.

Das sind die Nominierten in der Kategorie Belletristik für den Preis der Leipziger Buchmesse 2021. Bild: Leipziger Buchmesse

Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2005 vergeben und ehrt herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Der Preis, der zu den wichtigsten im deutschsprachigen Buchmarkt gehört, wird auch in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie digital verliehen. Die Preisverleihung beginnt am 28. Mai um 16 Uhr, und kann auf der Website Leipzig liest extra live mitverfolgt werden. Wir gehen im folgenden noch einmal ausführlicher auf die Nominierungen in der Kategorie Belletristik ein.

Iris Hanika: "Echos Kammern"

Iris Hanika bezeichnet ihr Buch selbst als einen "schrägen Roman". Im Mittelpunkt steht eine 50-jährige Dichterin, die sich auf die Suche einer Sprache begibt, mit der sich die Gegenwart umreißen, abtasten lässt. Was in New York beginnt, wird bald schon in Berlin weitergeführt - beides Städte, die, so heißt es im Klappentext, Gefahr laufen, "vom Geld plattgewalzt" zu werden. Hinzu kommt ein später Liebeswahn, der "die letzte Hürde vor der Befreiung von den Zumutungen des Triebs ist", bevor man sich den Vergnügungen des Alters hingeben kann. Ein Reiseroman mit Actionreichen Passagen, zugleich ein Lebensratgeber und die Buchgewordene Fragestellung nach den Möglichkeiten der Dichtkunst.

Christina Kracht: "Eurotrash"

Christian Krachts "Eurotrash" wurde bereites so ausführlich in Zeitung und Fernsehen besprochen, dass es kaum noch weitere Ausführungen bedarf. Wir treffen hier auf einen namenlosen Ich-Erzähler, der uns bereits in Krachts erfolgreichem Debüt "Faserland" vorgestellt wurde. So beginnt der Roman auch mit einer Erinnerung. Damals reise dieses Ich durch ein verlassenes Deutschland, "von Sylt bis über die Schweizer Grenze nach Zürich." In "Eurotrash" wiederholt er seine Reise. Dieses Mals jedoch, geht es ins innere der Person selbst, in die Abgründe der eigenen Familie, deren Geschichte sich immer wieder mit der dieses Landes kreuzt.

Judith Hermann: "Daheim"

Von Sehnsüchten und Wendepunkten, von einem ungeheuerlichen Drang nach Aufbruch erzählt dieser Roman von Judith Hermann. Die Ich-Erzählerin in diesem Buch hat sich von ihrem Mann getrennt, ist in den Norden gezogen und schreib von dort aus ihrem Ex kleine Briefchen, in denen sie erzählt, wie es ihr geht. Sie wagt kurze Affären, fragt sich, ob sie angekommen ist oder weiterziehen sollte. Seite um Seite werden die Leser dieses Buches Zeugen einer Veränderung, einer Absplitterung. Es sind Momente, in denen ein alten Leben die Haut abwirft, und etwas Neues beginnt.

Friederike Mayröcker: "da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete"

Friederike Mayröckers Prosa lebt von der Montage, von den textlichen Verflechtungen einzelner Versatzstücke und von der Poesie der damit entstehenden Leerstellen. Ähnlich wie es in Iris Hanikas "Echos Kammern" der Fall ist, wird hier nach einer Sprache, nach einer Dichtung gesucht, die der Welt etwas abgewinnen kann. Mayröcker aber, arbeitet im Text selbst, ihre Geschichte erzählt sich über die möglichen und unmöglichen Variationen. Immer wieder gibt es Stellen, Aussagen und Passagen, die den Lesenden eine Schnur an die Hand geben: "meine Texte entstehen durch sich fortpflanzende Augen", sagt Mayröcker.

Helga Schubert: "Vom Aufstehen"

Mit ihrem Text "Vom Aufstehen" gewann Helga Schubert als älteste Teilnehmerin den "Ingeborg Bachmannpreis" 2020. Ihr Text ist zum Titel eines Buches geworden, welches "ein Leben in Geschichten" - so der Untertitel - erzählt. In kurzen Episoden wird dabei ein deutsches Jahrhundertleben umschrieben, eine Geschichte, die Wahrheit und Fiktion zugleich ist. Schubert wird als Kind zwischen zwei Heimaten groß, steht als Erwachsene zehnt Jahre lang unter Beobachtung der Stasi und ist, als sie zum ersten Mal frei wählen darf, fünfzig Jahre alt. Durch all diese Geschichten hindurch aber scheint ein tiefgreifendes und existenzielles Mutter-Tochter-Verhältnis.

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