College-Romance lebt von einem einfachen Versprechen: Zwei Menschen begegnen sich, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und müssen herausfinden, ob Anziehung stärker ist als ihre Unterschiede. Das klingt vertraut. Vielleicht sogar vorhersehbar. Doch genau hier zeigt sich, warum Elle Kennedy seit Jahren zu den erfolgreichsten Autorinnen des Genres gehört.
The Chase – Gegensätze ziehen sich an von Elle Kennedy: Warum dieser New-Adult-Roman mehr ist als eine klassische Campus-Romanze
Mit The Chase – Gegensätze ziehen sich an eröffnet sie die Briar-U-Reihe, die an ihre erfolgreiche Off-Campus-Serie anschließt und viele Leser zurück in die Welt von College-Partys, Hockeyspielern und komplizierten Gefühlen führt.
Wer allerdings nur eine leichte Liebesgeschichte erwartet, unterschätzt den Roman. Hinter der charmanten Oberfläche steckt eine Geschichte über Selbstbestimmung, Vorurteile und die Frage, warum wir Menschen oft vorschnell in Schubladen stecken.
Gerade deshalb funktioniert The Chase nicht nur als Romance, sondern auch als überraschend kluge Geschichte über Identität und erste Eindrücke.
Worum geht es in „The Chase – Gegensätze ziehen sich an“?
Im Mittelpunkt stehen Summer Di Laurentis und Colin Fitzgerald.
Fans der Off-Campus-Reihe kennen Summer bereits. Sie ist die Schwester von Dean Di Laurentis aus The Score und bringt alles mit, was andere schnell zu Urteilen verleitet: Sie ist attraktiv, modebewusst, selbstbewusst und stammt aus wohlhabenden Verhältnissen.
Colin Fitzgerald ist das genaue Gegenteil. Der ehrgeizige Hockeyspieler lebt zurückgezogen, konzentriert sich auf sein Studium und hält wenig von oberflächlichen Begegnungen. Als Summer in die WG einzieht, in der Fitz lebt, entsteht sofort Spannung – allerdings keine romantische.
Fitz hält Summer zunächst für verwöhnt und anstrengend. Summer wiederum merkt schnell, dass Fitz sie längst bewertet hat, bevor er sie überhaupt kennengelernt hat.
Genau daraus entwickelt sich die Dynamik des Romans.
Während andere New-Adult-Bücher oft stark auf körperliche Anziehung setzen, nimmt sich The Chase ungewöhnlich viel Zeit für die Entwicklung seiner Figuren. Summer muss sich ständig gegen Vorurteile behaupten. Fitz wiederum erkennt nach und nach, dass sein Bild von ihr falsch war.
Die Geschichte lebt von dieser langsamen Annäherung. Nicht, weil sich zwei Menschen plötzlich verlieben, sondern weil sie lernen, hinter die Rollen zu schauen, die andere ihnen zugeschrieben haben.
Summer Di Laurentis: Mehr als die typische College-Prinzessin
Warum Summer die stärkere Figur des Romans ist
Eine der größten Überraschungen des Buches ist Summer selbst.
Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine klassische New-Adult-Heldin: beliebt, attraktiv und scheinbar sorgenfrei. Doch Elle Kennedy nutzt genau dieses Klischee, um es aufzubrechen.
Summer kämpft mit Lernschwierigkeiten und ADHS. Sie muss deutlich härter arbeiten als viele ihrer Kommilitonen, um akademisch mithalten zu können. Gleichzeitig wird sie ständig unterschätzt.
Der Roman zeigt sehr eindrücklich, wie belastend es sein kann, wenn Menschen nur die Oberfläche sehen.
Summer entwickelt sich dadurch zu einer der interessantesten weiblichen Figuren in Kennedys Universum. Sie ist verletzlich, aber nicht schwach. Unsicher, aber niemals passiv.
Gerade diese Mischung macht sie so glaubwürdig.
Vorurteile als zentrales Thema
Ein zentrales Motiv des Romans ist die Diskrepanz zwischen Fremdwahrnehmung und Realität.
Fast jeder Charakter glaubt zunächst zu wissen, wer Summer ist. Fast jeder liegt falsch.
Das macht The Chase zu mehr als einer Liebesgeschichte. Der Roman beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Erwartungen, Rollenbildern und den schnellen Urteilen, die wir über andere Menschen fällen.
Gerade in einer Zeit sozialer Medien wirkt dieses Thema erstaunlich aktuell.
Colin Fitzgerald: Der stille Gegenpol
Warum Fitz nicht der klassische Book-Boyfriend ist
Fitz unterscheidet sich deutlich von vielen männlichen Hauptfiguren im New-Adult-Genre.
Er ist nicht der lauteste Hockeyspieler. Nicht der charmanteste Verführer. Nicht der Typ, der jeden Raum beherrscht.
Stattdessen ist er introvertiert, analytisch und manchmal sozial unbeholfen.
Das macht ihn interessant – aber auch herausfordernd.
Denn Fitz ist nicht immer sympathisch. Gerade zu Beginn urteilt er vorschnell über Summer. Seine Entwicklung besteht deshalb nicht darin, sich zu verlieben, sondern darin, seine eigenen Vorurteile zu hinterfragen.
Dieser Prozess verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe.
Warum „The Chase“ so gut funktioniert
Die Chemie entsteht nicht nur durch Romantik
Viele erfolgreiche Liebesromane leben von körperlicher Anziehung. The Chase setzt stärker auf emotionale Entwicklung.
Die Beziehung wächst über Gespräche, gemeinsame Erfahrungen und gegenseitiges Verständnis.
Dadurch wirkt die Liebesgeschichte glaubwürdiger als in vielen vergleichbaren Romanen.
Das College-Setting bleibt lebendig
Elle Kennedy versteht es seit Jahren, Campus-Leben unterhaltsam darzustellen.
Partys, Vorlesungen, Wohngemeinschaften und Hockeyspiele schaffen eine Atmosphäre, die vertraut wirkt, ohne überladen zu sein.
Gerade Fans der Off-Campus-Reihe werden sich sofort wieder zuhause fühlen.
Humor als unterschätzte Stärke
Was viele Rezensionen übersehen: The Chase ist oft sehr witzig.
Vor allem Summers Schlagfertigkeit sorgt dafür, dass der Roman trotz ernster Themen leicht lesbar bleibt.
Die Dialoge gehören zu den stärksten Elementen des Buches.
Die Briar-U-Reihe: Die richtige Reihenfolge und warum sich das Weiterlesen lohnt
The Chase – Gegensätze ziehen sich an ist der Auftakt der Briar-U-Reihe, die direkt an Elle Kennedys Off-Campus-Serie anschließt.
Die Bücher können grundsätzlich unabhängig gelesen werden, entfalten aber deutlich mehr Wirkung, wenn man die Figurenwelt kennt.
Zur Briar-U-Reihe gehören:
- The Chase – Gegensätze ziehen sich an
- The Risk – Wer wagt, gewinnt
- The Play – Spiel mit dem Feuer
- The Dare – Liebe mich, wenn du dich traust
Jeder Band erzählt die Geschichte eines anderen Paares. Gleichzeitig tauchen bekannte Figuren immer wieder auf, wodurch ein zusammenhängendes Universum entsteht.
Für Leser bietet das einen großen Vorteil: Wer Summer und Fitz mag, wird viele vertraute Gesichter wiedersehen.
Die größten Stärken des Buches
Summer als außergewöhnliche Hauptfigur
Sie gehört zu den differenziertesten weiblichen Figuren, die Elle Kennedy geschrieben hat.
Das Thema Vorurteile
Der Roman behandelt gesellschaftliche Zuschreibungen überraschend klug und glaubwürdig.
Die Dialoge
Humor, Schlagfertigkeit und emotionale Entwicklung greifen hervorragend ineinander.
Die Verbindung zur Off-Campus-Reihe
Fans erhalten zahlreiche Wiederbegegnungen mit bekannten Figuren.
Wo „The Chase“ Schwächen zeigt
Fitz bleibt teilweise blasser als Summer
Während Summer eine starke Entwicklung durchläuft, wirkt Fitz stellenweise etwas weniger komplex.
Einige Konflikte lösen sich recht bequem
Manche Spannungen werden schneller aufgelöst, als sie aufgebaut wurden.
Bekannte Genre-Muster bleiben erhalten
Wer viele New-Adult-Romane liest, wird einige Entwicklungen früh erkennen.
Für wen lohnt sich „The Chase“?
Der Roman eignet sich besonders für Leser, die:
- College-Romance mögen
- starke weibliche Hauptfiguren suchen
- die Off-Campus-Reihe lieben
- humorvolle Liebesgeschichten bevorzugen
- New Adult mit emotionaler Tiefe schätzen
Weniger geeignet ist das Buch für Leser, die besonders dramatische oder düstere Romance suchen.
Über Elle Kennedy
Elle Kennedy gehört zu den erfolgreichsten Autorinnen im Bereich New Adult und Sports Romance. Die kanadische Autorin wurde insbesondere durch ihre Off-Campus-Reihe international bekannt.
Ihre Bücher zeichnen sich durch humorvolle Dialoge, emotionale Beziehungen und sympathische Figuren aus. Gleichzeitig gelingt es ihr immer wieder, ernste Themen wie Trauma, Leistungsdruck oder psychische Gesundheit in ihre Geschichten einzubinden, ohne dass diese an Leichtigkeit verlieren.
Mit der Briar-U-Reihe erweitert Kennedy ihr erfolgreiches College-Universum und zeigt, dass auch nach mehreren Bestsellern noch genügend Raum für neue Figuren und Geschichten vorhanden ist.
Fazit: Eine Liebesgeschichte über zweite Chancen – und erste Eindrücke
The Chase – Gegensätze ziehen sich an ist weit mehr als eine klassische College-Romance. Elle Kennedy erzählt eine Geschichte über Vorurteile, Selbstwahrnehmung und die Gefahr, Menschen auf das zu reduzieren, was man auf den ersten Blick sieht.
Der Roman lebt von seiner starken Hauptfigur, humorvollen Dialogen und einer Liebesgeschichte, die sich Zeit nimmt.
Vielleicht liegt genau darin sein größter Reiz:
Nicht jede Begegnung beginnt mit Verständnis. Manchmal beginnt sie mit einem Missverständnis – und entwickelt sich gerade deshalb zu etwas Besonderem.
Hier bestellen
Topnews
Erich Lejeune: „Lebe ehrlich, werde frei!“ – Ein Leben sucht seine Ordnung
H. G. Wells zum 160. Geburtstag: Mit der Zeitmaschine zurück zu ihrem Erfinder
Unser Geburtstagskind im August: Mary Shelley
Unser Geburtstagskind im Juli: Franz Kafka und die Kunst, sich nicht zurechtzufinden
Unser Geburtstagskind im Juni: Thomas Mann und die brüchige Ordnung der Welt
Unser Geburtstagskind im Mai: Novalis - Die Blaue Blume und die Wiederverzauberung der Welt
Unser Geburtstagskind im April: Samuel Beckett
Unser Geburtstagskind im März: Heinrich Mann
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Elle Kennedy: Das Phänomen ihres Erfolges – warum ihre Romane eine Generation erreichen
Frank Pulina: Insel der Babys – Die dunkle Seite des schönen Lebens
Eunike Grahofers „Wurzeln – Apotheke aus der Erde“
Giuliano Musio: „Aus anderem Holz“ – Der Mensch, der eine Puppe blieb
Karolyn Ciseau: „… to Kill a Monster. Dragonblood Academy“ – Wenn Vertrauen gefährlicher wird als ein Drache
Morgen, morgen und wieder morgen von Gabrielle Zevin: Eine außergewöhnliche Geschichte über Freundschaft, Kreativität und das Leben dazwischen
Von hier bis zum Anfang von Chris Whitaker: Ein Roman über Schuld, Hoffnung und die Menschen, die wir retten wollen
Käuzchenkuhle – Wenn Kinder das Schweigen der Erwachsenen durchbrechen
Kohei Saito: Am Ende des Fortschritts – Wenn Zukunft zur Gewissheit wird
Gusel Jachina: Eisen – Wie ein Roman die Filmgeschichte neu montiert
Lady Chatterleys Liebhaber: Der Roman, der nie nur ein Skandal war
Von hier bis zum Anfang von Chris Whitaker: Eine Rezension über Schuld, Freundschaft und die Hoffnung, dass selbst die dunkelste Vergangenheit nicht das letzte Wort haben muss
Die sieben Männer der Evelyn Hugo von Taylor Jenkins Reid: Eine Rezension über Ruhm, Liebe und die Geschichten, die hinter einer Legende verborgen bleiben
Schlafenszeit (Hidden Pictures) von Jason Rekulak: Ein Psychothriller, der Horror, Mystery und Familiendrama auf ungewöhnliche Weise verbindet
Die stumme Patientin (The Silent Patient) von Alex Michaelides: Ein Psychothriller, der mit jeder Seite an den eigenen Gewissheiten rüttelt
Aktuelles
Die Regenschwimmerin von Romy Fölck – Rezension: Drei Frauen, eine alte Freundschaft und der Mut, neu anzufangen
Jede Seite an dir von Jana Crämer – Zwischen Buchliebe, Social Media und der Angst, sichtbar zu werden
Druckfrisch: Denis Scheck spricht mit Andrea Wulf und Lutz Seiler über ihre neuen Bücher
Played by the Piper – Die Unbeugsame von Raven Kennedy: Rezension über eine Welt voller Plagen und eine Liebe, die zur Gefahr wird
Richard David Precht: „Auserzählt?“ – Über die Kultur und die Freiheit, selbst zu denken
Friedrich Nicolais „Sebaldus Nothanker“ – Was eine freie Überzeugung zum Leben braucht
Von Rahel Varnhagen bis heute: Wie die FrauenRouten die Salonkultur neu beleben
Altes Land von Dörte Hansen – Rezension: Von Heimat, Flucht und Menschen, die nirgendwo dazugehören
Die Kate-Linville-Reihe von Charlotte Link: Alle Bücher in der richtigen Reihenfolge – mit Rezensionen
Giuliano Musio im Interview: „Dabei ist mit ihm doch eigentlich alles in Ordnung“
Was, wenn alles gut wird? von Lia Morgenstern – Rezension: Über die Angst vor dem Glück
Aprikosenkind von Judith Merchant: Wenn Mutterliebe zur gefährlichen Gewissheit wird
Salzwind von Miriam Georg: Wenn Freiheit einen Preis bekommt
Sturmland von Miriam Georg: Eine Liebe zwischen Freiheit, Geheimnissen und der rauen Nordsee
lit.COLOGNE spezial 2026: Zwischen literarischer Weltläufigkeit und Kölner Heimatgefühl
Rezensionen
Alexander Puschkin: Eugen Onegin – Von der Liebe und der merkwürdigen Unfähigkeit, das Richtige zu tun
John Steinbeck: East of Eden – Wie viel Freiheit bleibt dem Menschen?
Herders „Fragmente“ zur deutschen Literatur – Eine Sprache sucht ihre eigene Bewegung
Hippels „Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber“ – Wenn Ausschluss sich Natur nennt