Neil Gaimans poetische Reise in eine Parallelwelt wird diese Woche noch als E-Book für Kindle und andere Reader reduziert für 4,99 € angeboten. Lesering hat getestet, ob sich "Der Ozean am Ende der Strasse" lohnt.
Neil Gaimans schickt den Leser in "Der Ozean am Ende der Straße" auf die Reise mit einem siebenjährigen Jungen, der keine Freunde hat und in seinen Büchern lebt. Zu seinem Geburtstag erscheint niemand, und er zieht sich in seine Welt zurück. Doch plötzlich geschehen merkwürdige Dinge. Menschen sterben auf mysteriöse Weise, die Erwachsenen benehmen sich zunehmend seltsam und über allem scheint sich etwas Unheilvolles zusammenzubrauen.
Doch eines Tages trifft er auf die elfjährige Lettie Hempstock, die auf einem Gehöft am Ende der Straße mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter lebt.
Die beiden freunden sich an, und schnell wird klar, dass weder Lettie noch ihre Familie normale Menschen sind. Sie können nicht nur Gedanken lesen, geheimnisvolle Tinkturen mischen und andere Menschen beeinflussen, sondern sie scheinen über einen Ententeich hinter dem Haus einen Zugang zu einer Paralleldimension zu hüten. Möglicherweise ist Lettie und ihre Familie der Schlüssel dazu, das sich abzeichnende Unheil abzuwenden.
Die Freundschaft zu Lettie nimmt eine verhängnisvolle Wendung, als sie den Jungen mit in die Paralleldimension nimmt und ihm die bizarren Wesen und Ungeheuer dieser versteckten Welt zeigt. Doch während die beiden ein Ungeheuer bannen, nistet sich ein Wurm im Fuß des Jungen ein: Eines der Monster gelangt so in die reale Welt, um ohne Umschweife sofort daran zu gehen, Angst und Schrecken zu verbreiten.
Der Dämon erscheint in Form eines neuen Kindermädchens, das die Eltern des Jungen für ihn und seine Schwester einstellen. Die bandelt zunächst einmal mit dem Vater an und manipuliert seine Eltern derart, dass sie sich gegen ihn stellen. Doch natürlich steckt hinter all dem ein furchtbarer Plan, der die ganze Welt bedroht. Und nur Lettie und die Hempstocks können sie retten.
Fazit: "Der Ozean am Ende der Straße" ist ein ungewöhnlicher Roman von Neil Gaiman. Hier springen keine Hexen und Kobolde durchs Unterholz, sondern es handelt sich um eine poetische Geschichte von Freundschaft und dem Erwachsenwerden. Obwohl es um eine andere Handlung und ein anderes Setting geht, erinnert die gesamte Tonalität an Romane wie Stephen Kings "Stand by me".
Es ist gar nicht so leicht "Der Ozean am Ende der Straße" aus der Hand zu legen, obwohl das Buch überhaupt nicht der Spannungsliteratur zuzuordnen ist. Neil Gaiman treibt den Leser nicht, er lockt ihn durch die Seiten. Dazu bedarf es nicht der augenzwinkernden Erzählweise, die Gaiman etwa in seinem Terry-Pratchett-Gemeinschaftwerk "Ein gutes Omen" perfekt spielt. Auch fehlt das Potpourri an grotesken Charakteren, die "Niemalsland" so beliebt gemacht haben. Dafür bietet "Der Orean am Ende der Straße" eine faszinierende, poetische Geschichte, die fast ganz ohne Knallekkefte auskommt.
Für wen eignet sich´s? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschrieben: Nicht für den typischen Pratchett-Gaiman-Ulk-Fantasy-Fan. Sie werden den typischen Humor vermissen. Aber versuchen Sie es auf jeden Fall, wenn Ihnen "Die Leiche" von Stephen King gefallen hat. Es handelt sich nicht um eine Gruselgeschichte, aber die Tonalität trifft den Roman recht genau. Und wenn Neil Gaiman etwas kann, dann ist es das Erzählen von Geschichten.
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