Der Selfpublisher-Verband e.V. hat die ersten Ergebnisse seiner Selfpublisher-Umfrage 2026 veröffentlicht. An der im Februar durchgeführten Befragung nahmen insgesamt 1.389 Personen teil. Davon gaben 1.247 an, bereits aktiv im Selfpublishing tätig zu sein. Die Auswertung basiert ausschließlich auf den Antworten dieser Gruppe.
Selfpublisher-Umfrage 2026: Neue Einblicke in die Entwicklung des Selfpublishings
„Auch im dritten Jahr liefert die Umfrage wieder wichtige Erkenntnisse zur Realität des Selfpublishings“, erklärt Melissa Ratsch, Selfpublisherin und Initiatorin der Umfrage. „Außerdem lassen sich Trends im Selfpublishing ausmachen, zum Beispiel in den beliebtesten Genres oder bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz.“
Die diesjährige Befragung untersucht unter anderem Umsatzentwicklung, Preisgestaltung, Marketingstrategien, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz sowie die Zusammenarbeit mit Dienstleistern. Neu aufgenommen wurden Fragen zu eigenen Newslettern und den aus Sicht der Befragten erfolgreichsten Marketingmaßnahmen.
Selfpublishing bleibt für viele ein Nebenerwerb
Die wirtschaftlichen Ergebnisse der Umfrage fallen erneut verhalten aus. Die große Mehrheit der Befragten erzielt mit dem Selfpublishing nur geringe Einnahmen. Rund 78 Prozent der Autorinnen und Autoren erreichten im Jahr 2025 einen durchschnittlichen monatlichen Bruttoumsatz von weniger als 200 Euro. Mehr als die Hälfte der Befragten lag sogar bei weniger als 50 Euro Umsatz pro Monat.
Elf Prozent der Teilnehmenden erzielten monatliche Umsätze zwischen 200 und 999 Euro. Vierstellige Monatsumsätze ab 1.000 Euro erreichten lediglich sieben bis acht Prozent der Befragten. Besonders auffällig: Der Anteil jener Selfpublisherinnen und Selfpublisher, die monatlich 2.000 Euro oder mehr umsetzen, sank gegenüber dem Vorjahr von sieben auf knapp vier Prozent.
Auch die neue Frage zur Künstlersozialkasse liefert Hinweise auf die wirtschaftliche Situation vieler Autorinnen und Autoren. Lediglich zehn Prozent der Befragten erhalten Leistungen der KSK. Nach Einschätzung der Auswertung deutet dies darauf hin, dass die Mehrheit ihren Lebensunterhalt nicht überwiegend durch das Schreiben finanziert.
Sachbücher vor Fantasy und Liebesromanen
Bei den Hauptgenres zeigt sich ein weitgehend stabiles Bild. Das Sach- und Fachbuch liegt mit 18 Prozent an der Spitze. Dahinter folgen Fantasy mit 13 Prozent und Liebesromane mit elf Prozent. Krimis erreichen acht Prozent, Biografien und Autobiografien 5,5 Prozent sowie Ratgeber 5,3 Prozent.
Die Mehrheit der Autorinnen und Autoren konzentriert sich dabei auf wenige Genres. Rund zwei Drittel veröffentlichen in maximal zwei Genrebereichen. Knapp 20 Prozent bedienen drei Genres, während elf Prozent in vier oder mehr Genres aktiv sind.
Die Auswertung zeigt zudem, dass mehr als die Hälfte der Befragten zwischen 2015 und 2023 mit dem Selfpublishing begonnen hat. Rund ein Drittel veröffentlichte erst seit 2024 oder 2025 im Selbstverlag. Das spricht für einen weiterhin anhaltenden Zustrom neuer Autorinnen und Autoren.
Taschenbuch und E-Book bleiben die wichtigsten Formate
Das Taschenbuch bleibt das dominierende Veröffentlichungsformat im deutschsprachigen Selfpublishing. 85 Prozent der Befragten veröffentlichen ihre Bücher regelmäßig als Taschenbuch. E-Books folgen mit 72 Prozent. Hardcover spielen für 37 Prozent eine Rolle, Hörbücher dagegen nur für sechs Prozent.
Auch wirtschaftlich bleibt das Taschenbuch das wichtigste Format. 46 Prozent der Befragten erzielten damit ihre höchsten Umsätze. E-Books folgen mit 25 Prozent, Hardcover mit zwölf Prozent. Hörbücher bleiben ein Nischenmarkt.
Beim Vertrieb digitaler Bücher dominiert weiterhin Amazon KDP. 42 Prozent der Befragten nutzen die Plattform für ihre E-Books. Dahinter folgen tredition mit 35 Prozent sowie BoD und tolino media mit jeweils rund 13 Prozent.
Marketing wird genutzt – aber oft mit wenig Zeitaufwand
Die Umfrage zeigt, dass die meisten Selfpublisher aktiv versuchen, ihre Bücher sichtbar zu machen. Zu den häufigsten Marketinginstrumenten gehören die eigene Website (64 Prozent), Mundpropaganda (62 Prozent) und Social Media (59 Prozent).
Darüber hinaus setzen viele Autorinnen und Autoren auf Lesungen (31 Prozent), Kooperationen mit Bloggerinnen und Bloggern (30 Prozent) sowie eigene Newsletter (29 Prozent). Klassische Werbeformen wie bezahlte Anzeigen werden dagegen deutlich seltener genutzt.
Gleichzeitig bleibt der zeitliche Aufwand für Marketing begrenzt. 62 Prozent investieren höchstens drei Stunden pro Woche in Vermarktungsmaßnahmen. Rund 21 Prozent geben an, überhaupt kein Marketing zu betreiben.
Interessant sind auch die Antworten auf die erstmals gestellte Frage nach den erfolgreichsten Werbemaßnahmen. Als besonders wirksam werden Buchmessen und Lesungen genannt, die jeweils rund zwölf Prozent der Nennungen erreichen. Dahinter folgen Social Media und Mundpropaganda mit jeweils etwa elf Prozent.
Künstliche Intelligenz etabliert sich im Arbeitsalltag
Die Nutzung von KI-Anwendungen nimmt im Selfpublishing weiter zu. 61 Prozent der Befragten geben an, bereits KI-Tools zur Unterstützung ihres Schreib- oder Veröffentlichungsprozesses eingesetzt zu haben.
Besonders häufig kommen KI-Anwendungen bei Recherchen, Grafikdesign, Übersetzungen und der Erstellung von Social-Media-Inhalten zum Einsatz. Die Nutzung als Schreibassistenz spielt dagegen eine geringere Rolle als noch im Vorjahr.
Trotz der zunehmenden Verbreitung bleibt das Thema umstritten. 61 Prozent der Befragten nennen ethische Fragen als zentrales Problem. 60 Prozent sorgen sich um die Qualität KI-generierter Inhalte, 58 Prozent sehen Risiken für die kreative Vielfalt. Gleichzeitig bewerten 26 Prozent den Einfluss von KI grundsätzlich positiv, während 41 Prozent ihn kritisch einschätzen.
Übersetzungen gewinnen an Bedeutung
Erstmals erhob die Umfrage auch Daten zu Übersetzungen. 27 Prozent der befragten Selfpublisher lassen ihre Bücher inzwischen in andere Sprachen übertragen.
Neun Prozent arbeiten dabei mit professionellen Übersetzerinnen und Übersetzern, acht Prozent setzen auf KI-gestützte Übersetzungen. Englisch ist mit 61,8 Prozent die wichtigste Zielsprache. Mit deutlichem Abstand folgen Französisch (10,4 Prozent), Spanisch (9,1 Prozent) und Italienisch (8,4 Prozent).
Die Mehrheit schreibt nebenberuflich
Die demografischen Daten der Umfrage verdeutlichen erneut den Charakter des Selfpublishings als Neben- oder Freizeitbeschäftigung. Mehr als die Hälfte der Befragten bezeichnet das Schreiben als Hobby. Ein Drittel sieht die Autorentätigkeit als Nebenberuf. Lediglich 14 Prozent geben an, hauptberuflich als Autorin oder Autor tätig zu sein.
Auffällig ist zudem die Altersstruktur. Die größten Gruppen liegen zwischen 51 und 60 Jahren sowie zwischen 61 und 70 Jahren. Autorinnen und Autoren unter 30 Jahren stellen lediglich einen kleinen Teil der Befragten.
Zweiter Teil der Auswertung angekündigt
Mit der nun veröffentlichten Gesamtauswertung ist die diesjährige Befragung noch nicht abgeschlossen. Der Selfpublisher-Verband kündigt einen weiteren Bericht an, der sich ausschließlich mit den wirtschaftlich erfolgreichsten Autorinnen und Autoren beschäftigen wird.
Im Fokus stehen dabei Selfpublisherinnen und Selfpublisher, die monatlich mehr als 2.500 Euro Umsatz erzielen. Untersucht werden ihre Strategien, Marketingansätze und Veröffentlichungsmodelle.
„Besonders die Ergebnisse der finanziell erfolgreichen Selfpublisher sind sehr interessant“, sagt Melissa Ratsch. „Zum Beispiel zeigt sich, dass man auch ohne Farbschnitt gut vom Selfpublishing leben kann. Die Ergebnisse der Umfrage liefern hier wichtige Hinweise und dennoch zeigt sich in diesem Jahr wieder, dass auch immer ein wenig Glück zum Erfolg dazu gehört.“
Die vollständigen Ergebnisse erscheinen in zwei Blogbeiträgen auf der Website des Selfpublisher-Verbandes: einer Gesamtauswertung aller Teilnehmenden sowie einer gesonderten Analyse der erfolgreichsten Selfpublisherinnen und Selfpublisher.
Quelle der Zahlen: Selfpublisher-Verband e.V., Selfpublisher-Umfrage 2026 – Auswertung Teil 1
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