Augsburg: Hier hatte man ihm 1987 die Nachfolge der Sendung "Wetten Das?" übertragen. Ein Ereignis, welches der derzeit wohl ranghöchste Fernsehunterhalter Thomas Gottschalk zu Beginn seiner neuen Sendung "Gottschalk liest?" nicht unerwähnt lässt. Denn eben aus diesem Grund sei Augsburg nun der Ort, an dem sich ein Kreis schließt: "Die Aussöhnung von Literatur und Unterhaltung"
Gäste der ersten Ausgabe von "Gottschalk liest", die viermal jährlich im Bayrischen Rundfunk zu sehen sein wird, sind Sarah Kuttner, Ferdinant von Schirach, Vea Kaiser und Daniel Biskup. Alle vier haben sie Neuerscheinungen im Gepäck, denen sich Gottschalk im Laufe der Sendung widmen wird. Das es sich bei Daniel Biskups Buch "nur" um einen Bildband handelt, ist dem Umstand geschuldet, dass Gottschalk, wie er zur Ankündigung seines letzten Gastes ironisch gesteht, nur drei Bücher zu lesen geschafft hätte. Gottschalk-Kenner wissen natürlich, was damit gemeint ist: "Ich hätte auch sechs geschafft."
Rasanter Einstieg, kritiklose Buchvorstellungen
"Als ich dieses Buch gelesen habe, hat mich so am Ende der Hälfte eine Vorahnung beschlichen: So kann das nicht weitergehen", steigt Gottschalk direkt in das erste Buch "Kurt" der ehemaligen TV-Moderatorin Sarah Kuttern ein. Sofort merkt man: Die 40 Minuten Sendezeit sitzen im Rücken, es bleiben weniger als 10 Minuten pro Gast. Die Bücher werden grob umrissen, kritsche Bemerkungen gibt es keine. Nach einem kurzen Einspieler zum jeweiligen Titel, ist Gottschalk sichtlich darum bemüht, literarische Tiefe mit unterhaltsamen Witzen zu vermengen, um das besagte und gewagte "Literatur / Unterhaltungs" Gemisch herbeizuzaubern. Die Witze gelingen auf halbem Wege, eher selten wird gelacht. Der Part "Literatur" wird allein dadurch erfüllt, dass es eben Autoren sind, die da auf der Couch sitzen.
"Gottschalk liest?" wird - auch das ist klar - gespaltene Meinungen hervorrufen. Da gibt es den nur allzubekannten "Das literarische Quartett" - Vergleich, der Gefühlt immer dann bemüht wird, wenn sich irgendein Sender vornimmt, im Fernsehen über Literatur zu sprechen. Dem entgegen steht die Gottschalk-Fanbase und Jene, die glücklich darüber sind, wenn Literatur überhaupt noch im Fernsehen vorkommt. Es scheinen 40 Minuten zu wenig Zeit- und vier Gäste zu viel Autoren zu sein, um aus "Gottschalk liest?" eine Literaturkritiksendung zu machen. Was wir miterleben, sind vier Plaudereien zu den Themen Buch und Bücher schreiben. Das Konzept der Sendung lässt allerdings auch nichts anderes zu.
Auch wenn man versucht ist, den besagten "Das Literarische Quartett" - Vergleich links liegen zu lassen, kommt man doch nicht ganz drum rum, an das legendäre Gottschalk - Ranicki Gespräch zu denken, welches damals anlässlich der Ablehnung des deutschen Fernsehpreises (von Seiten Reich Ranickis) gesendet wurde. Kurz nachdem der Literaturkritiker den Preis damals abgelehnt hatte, griff Gottschalk ein und versprach: "Wir setzen uns gemeinsam eine Stunde im Fernsehen hin....und reden über alles das, worüber man im Fernsehen nicht mehr redet...". "Gottschalk liest?" ist vielleicht solch ein Versuch. Literatur findet im Bayrischen Rundfunk statt, Literaturkritik nicht.
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