Amateur - Aufzeichnungen aus einer anderen Welt Teil 3

M.R.Wasilewski

Wir tranken wortlos. Innerhalb kurzer Zeit füllte sich das Lokal, unterschiedlichste Leute tauchten wie aus dem Nichts auf. Die Musik wurde lauter, man musste schon lauter reden um ein Gespräch zu führen. Ich sah L. an und meinte wir könnten ja tanzen falls sie wollte. Sie nahm mich bei der Hand und wir gingen auf die Tanzfläche. Der Typ vom Hochstand spielte etwas langsames, L. legte einen Arm auf meine Schulter mit der anderen zog sie meine Hand auf ihre Hüfte. Ein zwei Lieder tanzten wir so fast leise und abartig wartend. Neben uns bewegten sich andere zur Musik, allein. In dem Dunkel kam mir L. fast expressionistisch vor. Ich drehte meinen Kopf nach links und sah zur Bar rüber, dabei spürte ich wie ihre Wange meine berührte, sie küsste mich auf den Mund. Ihre Lippen waren schmal und weich, halbgeöffnet. Die Musik wurde schneller und wir kehrten zu unserem Tisch zurück, wo wir dann noch ein paar Biere tranken. Wir redeten über die Songs die kamen, ob wir die Interpreten kannten, ganz schön so und beobachten gemeinsam die tanzenden Leute dort. L. erzählte auch von ihrer Wohnung, und wie weit sie eigentlich von ihrer Arbeit war. Sie fragte mich ob ich auch eine eigene Wohnung hätte. Ich antwortete nein, ich wohne in einem privaten Heim und habe dort ein Zimmer. Interessiert blickte sie mich an und gab mir zu verstehen, sie würde es gern sehen. Wir tranken noch ein Bier und ich schlug ihr vor doch mitzukommen. Bestimmt, meinte sie, müsste sie dann bei mir übernachten, da ja kein Bus mehr fahren würde. Ich sagte gut, aber gab ihr auch zu verstehen, in meinem schmalen Bett schlief es sich nicht besonders erholend zu zweit. Sie schien das nicht zu stören und wir zahlten unsere Getränke und gingen durch tanzende Mengen Richtung Ausgang. Während der Fahrt sprachen wir kaum, nur belangloses, L. sah immer wieder durch das Fenster ins Dunkel hinaus. Wir gingen durch das große Tor über den Innenhof, da, wo mein Zimmer war. Das einzige was uns leitete war das voller Fliegen beklebte Licht beim Eingang zur „Stiege 2“. Ich öffnete die Tür zu meinem Zimmer und machte Licht. Es roch noch immer süßlich und nach der Zigarette die ich am Morgen geraucht hatte. L. sagte, sie würde gerne Rauchen. Ja mach, meinte ich. Ich setzte mich auf die Bettkante und fing an mich auszuziehen, nur mit der Unterhose schlüpfte ich unter die Decke. L. stand noch am Fenster und rauchte. Sie fragte mich, ob die Leute die gegenüber wohnten hier reinsehen könnten? Ich sagte, ich wüsste es nicht. L. dämpfte ihre Zigarette aus und blies eine Rauchwolke auf die Fensterscheibe das sie beschlug, danach rollte sie die Metall-Jalousie runter und löschte das Licht aus.


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