Leipzig, 18. November 2025 – Im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek versammeln sich heute Autorinnen und Autoren, Wissenschaftlerinnen, Lehrkräfte, Bibliothekarinnen sowie ein literarisch interessiertes Publikum zum Fachtag „Schreiben und Erinnern“. Die ganztägige Veranstaltung, ausgerichtet vom Sächsischen Literaturrat, widmet sich der Frage, wie Literatur Erinnerungen an die DDR und die Nachwendezeit aufgreift – und wer darüber eigentlich schreiben darf.
Bereits am Vormittag markierte ein Podiumsgespräch mit Patricia Holland Moritz, Matthias Jügler und Tina Pruschmann den Auftakt. Unter dem Titel „Wer spricht?“ ging es um Autorschaft, Deutungshoheit und den viel diskutierten Unterschied zwischen autobiografischer Erfahrung und literarischer Imagination. Die Debatte berührte auch die Kritik an jüngeren Autorinnen wie Charlotte Gneuß, deren Roman Gittersee – obwohl literarisch ambitioniert – auf Vorwürfe historischer Ungenauigkeit stieß.
Erinnerungsräume zwischen Literatur und Architektur
Anschließend stellte die Literaturwissenschaftlerin Marieluise Labry in einem Vortrag zwei exemplarische Werke vor: Lukas Rietzschels Raumfahrer und Judith Schalanskys Verzeichnis einiger Verluste. Sie analysierte, wie literarische Ruinenräume nicht nur als topografische Leerstellen, sondern als fragmentarische Erinnerungsräume funktionieren – als Orte zwischen Fakt und Fiktion, Gegenwart und Abwesenheit.
Stimmen für junge Leser: Kindheit Ost erzählen
Am Nachmittag teilt sich das Programm: Während in einem Panel Kinder- und Jugendbuchautorinnen wie Judith Burger, Johannes Herwig und Gerda Raidt über das Schreiben für junge Leserinnen diskutieren, widmet sich der parallel laufende Vortrag von Nicolas van Veen der Autofiktion in Wolfgang Hilbigs Werk – eine poetische Spurensuche im Zwischenraum von BRD, DDR und literarischer Selbstvergewisserung.
Zwischen Werkstatt und Archiv
Am späteren Nachmittag bietet Maike Beier in einem Workshop kreative Zugänge zur Vermittlung von Kinder- und Bilderbüchern im Kontext von Erinnerungskultur. Alternativ führt eine museale Erkundung unter dem Titel „Hidden Places“ durch die Archive des Buch- und Schriftmuseums – vorbei an verschwundenen Schriften und kulturellen Randnotizen, die nie Eingang in offizielle Geschichtsnarrative fanden.
Erinnern im Dialog: Generationen im Gespräch
Der öffentliche Abend bringt Generationen ins Gespräch: Angela Krauß, Carl-Christian Elze, Domenico Müllensiefen, Jan Kuhlbrodt, Marit Heuß und Andreas Reimann diskutieren über literarische Perspektiven auf ostdeutsche Biografien, über erinnerte Kindheiten, Sprachprägungen und die Frage, wie man über etwas schreibt, das verschwunden ist – aber nachwirkt.
Literatur im Übergang: Erinnerung als Arbeit am Text
Der Fachtag „Schreiben und Erinnern“ findet im 35. Jahr der deutschen Wiedervereinigung statt – und setzt einen Akzent in der aktuellen literarischen Debatte um DDR-Erbe, Autorschaft und Erinnerung als literarischer Form. Eintrittskarten sind vor Ort erhältlich, einzelne Programmpunkte sind öffentlich zugänglich.
Topnews
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
100 Jahre „Der Zauberberg“ - Was Leser heute daraus mitnehmen können
Oschmann: Der Osten: Eine westdeutsche Erfindung“ – Umstrittene russische Übersetzung
Überraschung: Autorin Han Kang hat den Literaturnobelpreis 2024 gewonnen
PEN Berlin: Große Gesprächsreihe vor den Landtagswahlen im Osten
„Freiheitsschock“ von Ilko-Sascha Kowalczuk
Precht: Das Jahrhundert der Toleranz
Briefwechsel zwischen Sarah Kirsch und Christa Wolf
Richard David Precht im Gespräch mit Ingo Schulze: Deutschland noch immer geteilt?
Mein Bücherregal entrümpeln – Eine literarische Reise durch 100 Jahre Deutschland
Wolf Biermann feiert mit Merkel, Scholz und Steinmeier
„Druckfrisch“ mit Denis Scheck: Benedict Wells und Helga Schubert zu Gast
MDR-Kultur: Jutta Hofmann liest Brigitte Reimann
Wie Kunst auf Politik und Gesellschaft blickt
Publizistin Rachel Salamander erhält Heine-Preis
Elke Erb erhält Georg-Büchner-Preis
Helga Schubert gewinnt Ingeborg-Bachmann-Preis
Schriftsteller Günter Kunert im Alter von 90 Jahren gestorben
Wird der Kulturbetrieb "entsifft"?
Der Leipziger Schriftsteller Werner Heiduczek ist gestorben
Die SWR Bestenliste als Resonanzraum – Zehn Texte über das, was bleibt
Archiv schreibender Arbeiterinnen und Arbeiter zieht nach Dortmund
Aktuelles
Elizabeth Shaw: Der kleine Angsthase
Gabriele Ludwig: Der Weihnachtsmannassistent
Stille Nacht, laute Welt – warum uns das Friedensmotiv in der Literatur nicht tröstet
Verwesung von Simon Beckett – Dartmoor, ein alter Fall und die Schuld, die nicht verwest
Jessica Ebenrecht: Solange wir lügen
Weihnachten in Bullerbü– Astrid Lindgrens Bullerbü als Bilderbuch
Leichenblässe von Simon Beckett – Wenn die Toten reden und die Lebenden endlich zuhören
Kalte Asche von Simon Beckett – Eine Insel, ein Sturm, ein Körper, der zu schnell zu Staub wurde
Joëlle Amberg: Wieso
Katja Niemeyer: Vergangenes bleibt – in Wandlung
Jostein Gaarders: Das Weihnachtsgeheimnis
What’s With Baum? von Woody Allen
Briefe vom Weihnachtsmann von J. R. R. Tolkien
Juliane Müller: Eine WG mit der Trauer
Die Chemie des Todes von Simon Beckett– Wenn Stille lauter ist als ein Schrei
Rezensionen
Biss zum Ende der Nacht von Stephenie Meyer – Hochzeit, Blut, Gesetz: Der Schlussakkord mit Risiken und Nebenwirkungen
Das gute Übel. Samanta Schweblins Erzählband als Zustand der Schwebe
Biss zum Abendrot von Stephenie Meyer – Heiratsantrag, Vampirarmee, Gewitter über Forks