In diesem Jahr wird zum 45. Mal der "aspekte"-Literaturpreis des ZDF verliehen. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung kürt das beste literarische Debüt des Jahres. Diese fünf Romane stehen im Finale.
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Fünf Romane gehen in diesem Jahr ins Rennen um den renommierten "aspekte"-Literaturpreis. Drei der Titel sind zugleich für den Deutschen Buchpreis nominiert. Hoffnungen machen können sich: Charlotte Gneuß mit "Gittersee"; Philipp Oehmke mit "Schönwald"; Necati Öziri mit "Vatermal"; Anne Rabe mit "Die Möglichkeit von Glück" und Dana Vowinckel mit "Gewässer im Ziplock". Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung finden am Donnerstag, 10. Oktober, auf der gemeinsamen Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt.
Die FinalistInnen des "aspekte"-Literaturpreises
Charlotte Gneuß: "Gittersee"
1976, im Dresdner Vorort Gittersee: Karin ist 16, hütet ihre kleine Schwester und hilft der renitenten Großmutter im Haushalt, die ihrer Zeit als Blitzmädel hinterhertrauert. Karins Vater verzweifelt an der Reparatur seines Škodas wie an der des Familienlebens, und ihre Mutter würde am liebsten ein anderes Leben führen. Aufgehoben fühlt sich Karin bei ihrer Freundin Marie, dem einzigen Mädchen in der Klasse, das später nicht etwas machen, sondern etwas werden will: die erste Frau auf dem Mond. Und Karin ist verliebt: in ihren Freund Paul, der gerne Künstler wäre, aber im Schacht bei der Wismut arbeitet. Als Paul zu einem Ausflug aufbricht und nicht mehr zurückkommt, stehen eines Nachts zwei Uniformierte vor der Tür, und Karins Welt gerät aus den Fugen.
In diesem eindringlichen Debütroman erzählt Charlotte Gneuß von einer Welt, die es nicht mehr gibt und von der Frage, ob Unschuld möglich ist. (Ankündigung / S. Fischer)
Philipp Oehmke: "Schönwald"
Anders als Harry findet Ruth Schönwald nicht, dass jedes Gefühl artikuliert, jedes Problem thematisiert werden muss. Sie hätte Karriere machen können, verzichtete aber wegen der Kinder und zugunsten von Harry. Was sie an jenem Abend auf einem Ball ineinander gesehen haben, ist in den kommenden Jahrzehnten nicht immer beiden klar. Inzwischen sind ihre drei Kinder Chris, Karolin und Benni erwachsen. Als Karolin einen queeren Buchladen eröffnet, kommen alle in Berlin zusammen, selbst Chris, der Professor in New York ist und damit das, was Ruth sich immer erträumte. Dort bricht der alte Konflikt endgültig auf. (Ankündigung / Piper)
Necati Öziri: "Vatermal"
Necati Öziri schreibt eine Familiengeschichte über einen Sohn, eine Mutter und eine Schwester, deren Leben und Körper gezeichnet sind von sozialen und politischen Umständen. Und er schreibt über einen abwesenden Vater. Ein Roman von radikaler Wahrheit, Wut, Kraft, Liebe und Sehnsucht. (Ankündigung / Claassen)
Anne Rabe: "Die Möglichkeit von Glück"
Stine kommt Mitte der 80er Jahre in einer Kleinstadt an der ostdeutschen Ostsee zur Welt. Sie ist ein Kind der Wende. Um den Systemwechsel in der DDR zu begreifen, ist sie zu jung, doch die vielschichtigen ideologischen Prägungen ihrer Familie schreiben sich in die heranwachsende Generation fort. Während ihre Verwandten die untergegangene Welt hinter einem undurchdringlichen Schweigen verstecken, brechen bei Stine Fragen auf, die sich nicht länger verdrängen lassen. Anne Rabe hat ein ebenso hellsichtiges wie aufwühlendes Buch von literarischer Wucht geschrieben. Sie geht den Verwundungen einer Generation nach, die zwischen Diktatur und Demokratie aufgewachsen ist, und fragt nach den Ursprüngen von Rassismus und Gewalt. (Ankündigung / Klett-Cotta)
Dana Vowinckel: "Gewässer im Ziplock"
Ein Sommer zwischen Berlin, Chicago und Jerusalem. Wie jedes Jahr verbringt die fünfzehnjährige Margarita ihre Ferien bei den Großeltern in den USA. Viel lieber will sie aber zurück nach Deutschland, zu ihren Freunden und ihrem Vater, der in einer Synagoge die Gebete leitet. Die Mutter hat die beiden verlassen, als Margarita noch in den Kindergarten ging. Höchste Zeit, beschließt der Familienrat, dass sie einander besser kennenlernen. Und so wird Margarita in ein Flugzeug nach Israel gesetzt, wo ihr Vater aufgewachsen ist und ihre Mutter seit Kurzem lebt. Gleich nach der Ankunft geht alles schief, die gemeinsame Reise von Mutter und Tochter durchs Heilige Land reißt alte und neue Wunden auf, Konflikte eskalieren, während der Vater in Berlin seine Rolle überdenkt. Da müssen sie schon wieder die Koffer packen und zurück nach Chicago, wo sich alle um das Krankenbett der Großmutter versammeln und Margarita eine folgenreiche Entscheidung treffen muss. (Ankündigung / Suhrkamp nova)
Die Jury
Mitglieder der diesjährigen Jury waren: Mara Delius (Die Welt), Daniel Fiedler (ZDF), David Hugendick (ZEIT Online), Christian Dunker (Geistesblüten, Berlin) und Nicola Steiner (Literaturhaus Zürich)
Informationen zum "aspekte"-Literaturpreis
Seit 1979 vergibt das ZDF den "aspekte"-Literaturpreis jährlich für das beste deutschsprachige Prosa-Debüt. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert. Im letzten Jahr wurde Sven Pfizenmaier für seinen Roman "Draußen feiern die Leute" ausgezeichnet. Der Preis war bislang fast immer der Start einer großen literarischen Karriere. PreisträgerInnen sind unter anderem Philipp Winkler, Katja Petrowskaja, Thomas Hürlimann, Ingo Schulze, Stephan Thome, Eugen Ruge, Hanns-Josef Ortheil sowie die spätere Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe und die spätere Literaturnobelpreisträgern Herta Müller.
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