Am 27. Oktober erscheint das über 400-Seiten starke "Klima-Buch" der schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg beim S. Fischer Verlag auf Deutsch. Zeitgleich sind Veröffentlichungen in England, den USA, Frankreich, Polen, Brasilien und Japan geplant. Thunberg´s Buch versammelt warnende und aufschlussreiche Beiträge von über 100 führenden Expertinnen und Experten aus aller Welt. Unter den renommierten WissenschaftlerInnen befinden sich unter anderem Koryphäen wie Thomas Piketty, Tedros Adhanom Ghebreyesus, Naomi Klein und Amitav Ghosh. "Dies ist die wichtigste Geschichte der Welt", so die Aktivistin, "... wir müssen sie so weit verbreiten, wie unsere Stimmen sie tragen können..."
Aus westlicher Sicht befindet sich die Welt seit etwas mehr als zwei Jahren in einem katastrophalen Ausnahmezustand. Die Corona-Pandemie, so scheint es, ging mehr oder weniger nahtlos in den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine über. Eine neue Krise verbannte die bisherige, woraufhin sich die guten alten Konsumgesellschaften endlich wieder neue Slogans ausdenken konnten, um den frisch eingetroffenen Schrecken neu zu etikettieren. So wurde aus "Ohne (K)uns wird's still" hierzulande beispielsweise "#StayWithUkraine" oder #closethesky. Diese Affektreaktionen, mit denen wir auf unvermittelt einschlagende Neuigkeiten reagieren, die aber ebenso schnell abkühlen wie sie aufflammten, sind nicht ganz unschuldig daran, dass wir die größte uns bevorstehende Bedrohung immer wieder aus den Augen verlieren. Der Klimawandel schwebt wie ein Damoklesschwert über Debatten um Spritpreis-Senkung, autofreie Sonntage und der Forderung nach allgemeinem Verzicht. Jetzt legt die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ein Buch vor, in welchem über 100 hochrangige Expertinnen und Experten aus sämtlichen Wissenschaftsbereichen noch einmal unmissverständlich darlegen, dass die Welt, insofern wir nicht schnellstens handeln, auf dramatische Weise aus den Fugen geraten wird.
Sie habe beschlossen, ihre Plattform zu nutzen, um ein Buch zu schreiben, "das auf den besten derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht – ein Buch, das die Klima-, Umwelt- und Nachhaltigkeitskrise ganzheitlich behandelt.", sagte Thunberg eines Berichtes des "Guardian" zufolge zum Entstehungsprozess des Buches. Die Klimakrise sei natürlich "nur" Symptom einer viel größeren Nachhaltigkeitskrise.
"Dies ist die wichtigste Geschichte der Welt..."
In der Beschreibung wird das Buch als ein "unverzichtbares Werkzeug" für all jene betitelt, die sich berufen fühlen, für die Rettung unseres Planeten zu kämpfen. Thunberg selbst spricht von der wichtigsten Geschichte der Welt, die weit verbreitet werden müsse.
Das Buch versammelt Beiträge von weltweit führenden und renommierten Expertinnen aus diversen wissenschaftlichen Gebieten. GeophysikerInnen, GesundheitsexpertInnen, OzeanographInnen, MeteorologInnen, IngenieurInnen, WortführerInnen indigener Völker, WirtschaftswissenschaftlerInnen, PsychologInnen und PhilosophInnen haben über viele Jahre lang ihr Fachwissen eingesetzt, um ein tieferes Verständnis für die Krise zu vermitteln. "Das Klima-Buch" stellt eine wichtige Auswahl dieser Texte bereit. Zu Wort kommen dabei sowohl Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als auch Menschen, die bereits jetzt vom Klimawandel stark betroffen sind. (Unter anderem mit Texten von Johan Rockström, Michael Mann, Katherine Hayhoe, Friedrike Otto, Stefan Rahmstorf, Saleemul Huq, Thomas Piketty, Tedros Adhanom Ghebreyesus und Naomi Klein)
Themen verbinden, strukturelle Veränderung
Außerdem erzählt Greta Thunberg die Geschichte ihres Werdegangs, vom Lernen und Demonstrieren in einer aufgewühlten und angespannten Zeit. Davon, wie sie weltweit Greenwashing aufdeckt und somit deutlich macht, an welchen Stellen selbst die Bedrohung unseres Planeten kapitalisiert wird. Letztlich ist das "Klima-Buch" die Forderung nach einer grundlegenden strukturellen Veränderung. Ohne einen gewaltigen Umbruch wird dies nicht gehen. Dieser aber, muss nicht Untergang bedeuteten. Auch Zurücktreten kann Fortschritt bedeuten. Post-Wachstums-Konzepte und überzeugende Entwürfe alternativer Lebensweisen liegen bereits vor.
Um solch strukturelle Veränderungen voranzutreiben, ist es notwendig, interdisziplinär zu arbeiten und also unterschiedliche Komplexe zu verbinden. Von Fast Fashion-Konsumgewohnheiten bis zur Zukunft der Nahrungsmittelversorgung, vom Arbeitsmarkt bis hin zum Umverteilungssystem müssen Ansätze geschaffen werden, die nicht nur nicht den Planeten zerstören, sondern ein befriedetes und lebenswertes Dasein gewährleisten.
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