Der promovierte Mediziner und Gesundheitsökonom Karl Lauterbach wird die Position des Gesundheitsministers im "Kabinett Scholz" der kommenden Bundesregierung übernehmen. Lauterbach war im Laufe der Corona-Pandemie immer wieder in Erscheinung getreten. Im ersten Halbjahr 2020 war er der wohl am häufigsten anzutreffende Talkshowgast der Bundesrepublik. In Formaten des ZDF und der ARD äußerte er sich nicht nur zur aktuellen Corona-Lage, sondern betonte auch immer wieder, wie wichtig das Zusammenspiel von Politik und Wissenschaft sei. Diese Überzeugung bekräftigt der SPD-Politiker auch in seinem im Frühjahr bei Rowohlt erscheinenden Buch "Bevor es zu spät ist: Was uns droht, wenn die Politik nicht mit der Wissenschaft Schritt hält". Corona spielt hier aber nur eine Nebenrolle.
Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere noch an den Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020. Beinahe erstaunt haben wir damals beobachten können, wie sich die Politik an den Erkenntnissen und Ratschlägen der Wissenschaft orientierte. Nachdem Klimaforscher jahrzehntelang unausgesetzt vor den kommenden Problemen warnten (und warnen), ohne eine Art realpolitisches Feedback zu erhalten, wurden wir vor ca. zwei Jahren Zeugen einer konsequenten und zu weiten Teilen unbürokratischen Umsetzung strikter Reglements, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Damals schon fragten Wissenschaftler, Intellektuelle und Aktivisten vorsichtig, warum solch eine strikte Verfahrensweise nicht auch hinsichtlich des Klimawandels möglich ist.
Karl Lauterbach: "Bevor es zu spät ist"
Die Politik muss mit der Wissenschaft auf Augenhöhe agieren, Prognosen ernst und Vorschläge annehmen, meint der künftige Gesundheitsminister Karl Lauterbach in seinem Buch "Bevor es zu spät ist". Darin zeigt der SPD-Politiker, "was uns droht, wenn die Politik nicht mit der Wissenschaft Schritt hält". Lauterbach geht hier nicht etwa auf die Corona-Pandemie ein, sondern auf den Klimawandel uns seine Folgen. Und auf die Politik, die Warnungen von Seiten der Wissenschaft ignoriert.
So sind gewisse Kipp-Punkte bereits seit Jahren klar gesetzt und werden dennoch überschritten. Wir wissen vom Artenschwund, vom weltweiten Wassermangel, von den Gesundheitsgefahren durch die Lebensmittelindustrie und von der Möglichkeit der Ausbreitung womöglich noch schlimmerer Pandemien: All diese Gefahren sind uns sehr wohl bekannt. Realpolitisch aber, passiert wenig.
Lauterbach fragt, warum es die Politik nicht schafft, den wissenschaftlichen Expertisen gerecht zu werden. Wollen wir unsere Zukunft nicht verlieren, ist eine "Revolution des Zusammenspiels von Politik und Wissenschaft" nötig, so der SPD Gesundheits-Experte. In seinem Buch zeigt er die unterschiedlichen Denk- und Herangehensweisen und prüft, wo Verzahnungen möglich sind. "Ein hochdringlicher Weckruf und ein starkes Plädoyer für eine Politik, die sich der Realität stellt."
Karl Lauterbach
Karl Lauterbach studierte Humanmedizin an der RWTH Aachen und an der University of Texas at San Antonio. 1990 erlangte er einen Master of Public Health mit Schwerpunkt Epidemiologie an der Havard School of Public Health. 1991 promoviert er mit einer Arbeit zur Weiterentwicklung des Parametric Gammascopes auf der Grundlage von experimentellen und klinischen Studien an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zum Dr.med. Seit 2001 ist Lauterbach SPD-Mitglied. Seit Beginn der COVID-19-Pandemie im Frühjahr 2020 erlangte er öffentliche Bekanntheit. im Kabinett Scholz wird er die Funktion des Gesundheitsministers übernehmen.
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