Leipziger Buchmesse "Leipzig liest extra": Ein fulminantes Programm

Knapp drei Wochen vor dem geplanten Start hat die Leipziger Buchmesse die Veranstaltungen ihres diesjährigen Ausweich-Programms "Leipzig liest extra" öffentlich gemacht. Was uns dort erwartet, ist fulminant. Einige hundert Autorinnen und Autoren aus dem In- und Ausland werden live vor Ort sein, über 300 Veranstaltungen an 80 verschiedenen Orten sind geplant. Das Ganze soll, nach jetzigem Stand, online über die Bühne gehen. Events vor Live-Publikum sind jedoch nicht ganz ausgeschlossen.

Etwa drei Wochen vor Beginn steht nun das Programm der Veranstaltungsreihe "Leipzig liest extra" fest. Geplant sind Über hundert Autorinnen und Autoren, die an 300 Veranstaltungen partizipieren, die an 80 verschiedenen Orten stattfinden sollen. Bild: Leipziger Buchmesse

 

Die auf Ende Mai (27. - 30.) verschobene Leipziger Buchmesse musste aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Mit "Leipzig liest extra" hat man jedoch ein fulminantes Ausweich-Programm auf die Beine gestellt, welches über 300 literarische Veranstaltungen an 80 verschiedenen Orten in der Stadt vorsieht. Bisher sind all diese Aufführungen digital geplant, auch wenn sich die Veranstalter ein Hintertürchen für Events vor Life-Publikum offen gehalten haben. Ob dies möglich sein wird, hängt von den in drei Wochen geltenden Corona-Reglungen ab. Doch selbst wenn die ersehnte persönliche Begegnung nicht stattfinden kann, bietet "Leipzig liest extra" jede Menge Input. Und das Wichtigste: Die Veranstaltungen werden bis zum 31. August kostenlos abrufbar bleiben.

Dass nahezu alle Literaturbegeisterte auf eine persönliche Begegnung hoffen, lässt die Planung für die OrganisatorInnen zu einem regelrechten Balanceakt werden. „Literatur und der Buchmarkt brauchen Öffentlichkeit, Lese-Fans Inspiration und unsere Gesellschaft den Diskurs“, wird Buchmesse-Direktor Oliver Zille zitiert. Weiterhin heißt es in seinem Statement: „Mit Leipzig liest extra greifen wir diese Grundgedanken der Buchmesse auf, verlängern sie ins Digitale und setzen damit gemeinsam mit unseren Partnern aus Leipzig ein weithin sichtbares Zeichen für Bücher, Büchermacher und den gesellschaftlichen Austausch.“

Programmplanung in Corona-Zeiten? Ein Wahnsinn!

Ein Event, welches maßgeblich von persönlichen Begegnung und Live-Erlebnissen lebt, in einen digitalen Rahmen zu pressen, ist ohnehin schon alles andere als ein einfaches Unterfangen. Oder, wie es die Co-Chefin des Berliner Literaturhauses Janika Gelinek erst kürzlich in einem Interview mit dem "Cicero"-Magazin umschrieb: "Programmplanung an den Inzidenzwert knüpfen, das ist der Wahnsinn". Die Bundesnotbremse hatte vielen bisherigen Planungen - im wahrsten Sinne des Wortes - einen Stricht durch die Rechnung gemacht.

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Auch in Leipzig hatte man vor einigen Monaten noch auf Open-Air-Lösungen gehofft, derzeit jedoch gibt es hierfür keine rechtliche Grundlage. Am 10. Mai erwartet der Freistaat ein neues Infektionsschutzgesetzt. Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz weiter fallen sollte (In Leipzig liegt sie aktuell bei 112), könnten Lockerungen umgesetzt werden. So schmal ist also der Spalt, den man sich bezüglich "Leipzig liest extra" offen hält. Um im Falle einer Einschränkung der gegenwärtigen Restriktionen schnell handelt zu können, arbeitet man ausschließlich mit Kultur-Orten zusammen, die in der Lage sind, professionelle Hygienekonzepte schnell aufzustellen und umzusetzen.

Die Öffentliche Rechtlichen als digitales Rückgrat

Für die Übersetzung der Veranstaltung ins Digitale stehen die öffentliche-rechtlichen Anstalten zur Seite. So wird die alte Handelsbörse am Naschmarkt zum ARD-Forum umfunktioniert. Hier sollen rund 50 AutorInnen mit ihren Büchern vorgestellt werden. Federführend agiert dabei der MDR, der sein gesamtes Bühnenprogramm bereits im März in ein digitales Studioprogramm für die gesamte ARD übersetzt hatte.

Auch das beliebte Blaue Sofa verlässt in diesem Jahr seinen festen Platz in der Glashalle, und zieht in die Kongresshalle am Zoo. Die Veranstaltungen werden live gestreamt und sind in den Mediatheken von ZDF und 3sat abrufbar. Zudem laufen Zusammenfassungen der Gespräche im ZDF und in 3sat.

Auch die ZDF-Kultursendung "aspekte" wird am 28. Mai in Leipzig zugegen sein, und mit einer auf Literatur fokussierten Sendung berichten. Die 3sat "Kulturzeit" stellt in gewohnter Manier aktuelle Neuerscheinungen vor. Gastland der Leipziger Buchmesse ist Portugal. Eine diesbezügliche Reportage ist bereits abgedreht.

Die Höhepunkte

Zu den Höhepunkten des "Leipzig liest extra"-Programms gehört die Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung an Johny Pitts und Laszlo Földényi in der Nikolaikirche (26. Mai), sowie die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse in der Kongresshalle am Zoo (18. Mai). Auch auf den Leipzig-liest-Abend mit Christoph Hein in der Kongresshalle am 29. Mai ist man gespannt.

Weitere Programmschwerpunkte werden aus dem Literaturhaus Leipzig gestreamt. Gregor Sander moderiert hier 26. Mai einen Abend gemeinsam mit der für den Buchmesse-Preis nominierten Judith Hermann. Am 28. folgt ein auf das Gastland Portugal bezogener Abend. Am Samstag (29. Mai) wird im Garten des Literaturhauses dann die Premiere von "Die Unabhängigen - Spätausgabe" stattfinden.

Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo ("Adas Raum") wird auf der Bühne des alten Gründerzeitkinos UT Connewitz zugegen sein, während der - derzeit geschlossene - Leipziger Zoo für den Rowohlt-Autor Lothar Frenz („Wer wird überleben? Die Zukunft von Natur und Mensch“) die Türen öffnet.

Neben all diesen Veranstaltungen laden zahlreiche Verlage zur Begegnung mit ihren AutorInnen und deren neuen Büchern ein. Sie alle werden live zu sehen sein. Das gesamte Programm der "Leipzig liest extra" Veranstaltung ist ab sofort auf der Website Leipziger Buchmesse zu finden.

 
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