Verleger werden getauscht, Verlagspositionen gewechselt. Verzweifelt ist man auf der Suche nach neuen, vielversprechenden Autoren. In diesem Chaos einen Überblick zu behalten, wird zunehmend schwieriger. Das plötzliche Verschwinden, Auftauchen und Wechseln von Personalstellen innerhalb des Verlagswesens ist auch Symptom einer immer inkonsistenter werdenden Leserschaft. Was man derzeit bei den Verlagen beobachten kann, ist ein verzweifeltes, etwas verwirrt wirkendes Straucheln. Hat man den Boden unter den Füßen verloren?
Von außen betrachtet scheint es nahezu chaotisch zu sein, was sich da gegenwärtig im Buchmarkt abspielt. Wie wild schlägt man verzweifelt um sich, in der Hoffnung, neue Konsumenten - Leser - für sich zu gewinnen. Denn diese gehen zunehmend verloren. Die Zeit scheint schneller zu rennen, als gehandelt werden kann. Laut des Böresenvereins des deutschen Buchhandels hat der Publikumsbuchmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) zwischen den Jahren 2013 bis 2017 sage und schreibe sechs Millionen Leser verloren. Die meisten von ihnen sind unter 30 Jahre alt. Die jungen Leute lesen nicht mehr, sie streamen. Genau da drückt auch der Schuh. Die Meldung hat ein dramatisches Echo hinterlassen; und auch wenn man im Jahre 2018 wieder einen kleinen Aufschwung verzeichnen konnte, schallt dieses immer noch durch die Köpfe der Verlags-Strategen.
Verlust der Leser, Verlust der Literatur
Man ringt regelrecht um die Aufmerksamkeit der Leser, und tut dies nicht selten auf völlig literaturverlassenem Boden. Es wird nach Autor*innen Aussschau gehalten, die sich möglichst wie von selbst vermarkten sollen; ergo wird auf Personenkult gesetzt. Musiker*innen, Schauspieler*innen, Influencer*innen veröffentlichen, gerade in letzter Zeit, haufenweise Bücher, inhaltlich meist schwächelnd, kilometerweit von dem entfernt, was man gute Literatur nennen dürfte, aber gut verkäuflich. Der Bekanntheitsgrad des Schreibenden ist beinahe immer ein Garant für gute Absätze.
Eine andere Möglichkeit ist es, sich hartnäckig an seine Bestsellerautor*innen festzuhalten. Herausforderungen, in Form von jungen, aufstrebenden Schreibenden, können sich die meisten Verlage jedoch nicht mehr leisten. Zu groß ist die Gefahr eines Minusgeschäftes. Die Funktion des Forderns scheint die des Förderns längst überschattet zu haben.
Torschlusspanik bei den Verlagen? Stetige Personalwechsel
Wie bekommt man nun die verlorenen Leser zurück? Wie ein Schuss im Wald, der das Wild aufmischt, scheucht diese Frage Verlagsmitarbeiter von links nach rechts, von rechts nach links. Der Chef des Aufbau-Verlags wechselt da plötzlich zum Ullstein-Verlag. Nach wenigen Monaten schon, wird er dort ersetzt, von einer ehemaligen Rowohlt-Mitarbeiterin. Die Rowohlt-Stelle besetzt nun ein Quereinsteiger, von dem man sich mehr Erfolg verspricht. Dem S. Fischer Verlag gingen indessen binnen kürzester Zeit ein Verleger und ein Programmchef verloren; neue Stellen also, die sicher schneller besetzt wurden, als man "Entlassen" oder "Kündigung" rufen konnte.
So spiegelt sich die wahnsinnige Geschwindigkeit unserer Zeit natürlich auch in den Rängen der Literaturbegeisterten wieder. Unterm Strich bleibt zu sagen, dass das Vertrauen gegenüber junger Autor*innen fehlt. Und was wird aus "unserer" (man darf das ruhig einmal so pathetisch sagen) Literatur, wenn wir lediglich unzählige Koch- und Tatortschauspieler-Bücher in den Regalen stehen haben, deren Tiefe gerade bis zum Pfannenboden reicht? "Wie schön, Sie lesen auch..." Und auch wenn Bela B. ein dufter Typ ist, der nette Lieder geschrieben hat, heißt das nicht, dass er allein aus diesem Grunde ein beachtenswerter Literat ist, nein, es heißt, er ist eine sichere Nummer, egal ob er gute oder schlechte Bücher schreiben wird.
Die Auswahlkriterien der Verlage, die aus Angst und nicht aus Lust und Begeisterung heraus ihre Titel und Autor*innen wählen, werden von einem Markt bestimmt, der sich für Literatur ungefähr so sehr interessiert, wie ich mich für Romane von Ex-Tatort-Komissaren. Im Grunde bleibt den Verlagen daher kaum Handlungsspielraum. Sie folgen lediglich den Menschenströmen. Und die Menschenströme folgen, wie wir alle wissen, den Kapitalströmen.
Topnews
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
100 Jahre „Der Zauberberg“ - Was Leser heute daraus mitnehmen können
Oschmann: Der Osten: Eine westdeutsche Erfindung“ – Umstrittene russische Übersetzung
Überraschung: Autorin Han Kang hat den Literaturnobelpreis 2024 gewonnen
PEN Berlin: Große Gesprächsreihe vor den Landtagswahlen im Osten
Kauf und Verkauf auf Medimops und Momox: Warum Sie hier nur seelenlose Bücher erhalten
Die sechs Finalisten des "Sales Awards" stehen fest
Audible will Untertitel für Hörbücher anzeigen - Verlage sind verärgert
Wendepunkt am Buchmarkt!
Wie wirken sich digitale Angebote auf den Buchmarkt aus?
Leipzig liest extra! Mit diesem Konzept rettet sich die Buchmesse
Die Frankfurter Buchmesse? Retten wir, was zu retten ist
"Die gute alte Zeit" - in der es noch Vielfalt gab
"Utopien für Realisten". Rutger Bregman bei ttt - titel thesen temperamente
Unsere Buchvorschläge für den Sommer
Frankfurter Buchmesse 2021: "Die Branche braucht Austausch und Sichtbarkeit..."
SPIEGEL Bestseller: Bill Gates an der Spitze, Janne Mommsen auf Platz 3
Zur Aktualität von Bertolt Brecht´s Dreigroschenoper
Spiegel Bestsellerliste: "Die Sonnenschwestern" auf Platz 1
Die "gespenstische" Buchmesse
Aktuelles
Literarisches Quartett im Februar 2026 – Bücher über das Unsagbare
Gudrun Pausewangs Die Wolke – Jugendbuch über eine nukleare Katastrophe
Charles Bukowski: Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend
Die langsame Gnade – wie Literatur durch den Winter trägt
Amazon Charts MEISTVERKAUFT bis 25. Januar 2026 – Thriller als Gebrauchsliteratur
Amazon Charts bis 25. Januar 2026 – Die Beharrlichkeit der Magie
Der Ritt nach Narnia von C. S. Lewis – Ein Abenteuer auf Sand, kein Schnee
Der König von Narnia von C. S. Lewis – Durch den Pelzmantel in die Ethik
Das Wunder von Narnia von C. S. Lewis – Wie aus einer Kinderspielerei eine Welt entsteht
The Dog Stars von Peter Heller – Eine Endzeit, die ans Herz greift, nicht an den Puls
Sturmhöhe von Emily Brontë – Liebe als Windbruch
Kurs halten, Markt sichern: Die Frankfurter Buchmesse bekommt einen neuen Chef
Primal of Blood and Bone – Liebe kennt keine Grenzen von Jennifer L. Armentrout - Der Blick nach vorn, wenn alles zurückschaut
War and Queens – Liebe kennt keine Grenzen von Jennifer L. Armentrout – Wenn Gefühle zum Kriegsgerät werden
Das zersplitterte Selbst: Dostojewski und die Moderne
Rezensionen
Prinz Kaspian von Narnia von C. S. Lewis – Rückkehr in ein verändertes Land
Soul and Ash – Liebe kennt keine Grenzen von Jennifer L. Armentrout – Wenn eine Stimme zur Brücke wird
Thomas Manns Felix Krull - Die Welt will geblendet sein
Die unendliche Geschichte: Wie Fuchur die Herzen eroberte
Crown and Bones – Liebe kennt keine Grenzen von Jennifer L. Armentrout – Der Moment, in dem Macht persönlich wird
Flesh & Fire von Jennifer L. Armentrout – Vom heiligen Schleier in die Welt der Konsequenzen
Blood and Ash – Liebe kennt keine Grenzen von Jennifer L. Armentrout - Eine Auserwählte, die aufwacht
Die weiße Nacht von Anne Stern – Berlin friert, und die Wahrheit bleibt nicht liegen
Woman Down von Colleen Hoover – Wenn Fiktion zurückschaut
To Break a God von Anna Benning – Finale mit Schneid: Wenn Gefühl Politik macht
To Love a God von Anna Benning – Wenn Lichtstädte Schatten werfen
Funny Story von Emily Henry - „Falsche“ Mitbewohner, echter Sommer, echte Gefühle