Am 18.06.2019 fand die zweite Sendung des Literaturformats "Gottschalk liest?" im bayrischen Bad Kissingen statt. Zu Gast waren dieses Mal Johanna Adorján ("Männer"), Friedemann Karig ("Dschungel") und Marlene Streeruwitz ("Flammenwand"). Als "gemeinsames Thema" des Abends wird der Begriff "Männer" genannt.
Die Anmoderation ist vorüber. Der erste Einspielfilm hat das erste Buch vorgestellt, und die Gesprächsrunde beginnt mit der Journalistin und Autorin Johanna Adorján und ihrem Buch "Männer". Gottschalk wirkt souverän und gut vorbereitet. Wer aber eine Diskussion verlangt, wird enttäuscht. Das Gespräch verläuft eher auf eine Treffen-Wir-Uns-Auf-Einen-Kaffee-Und-Reden-Über-Dein-Projekt Weise. Gemeinsam mit der Autorin spricht Gottschalk über im Zug getätigte, typisch männliche, Macho-Telefonate: "Die Kerle gibt es tatsächlich, und man weiß nicht ob die wirklich jemanden am anderen Ende haben.", konstatiert der Moderator. Das Zweiergespräch scheint das Buch gewissermaßen zu spiegeln: wenig Angriffslust, gut konsumierbar, in allem: sachte Unterhaltung.
Max Frisch? Ein wenig hoch gegriffen
Weiter geht es mit dem Männerfreundschaften-Buch "Dschungel" von Friedemann Karig, der sich schon frühzeitig und auf ironische Weise als "großer Künstler" bezeichnet, und damit jedenfalls halb-symphatisch zu verstehen gibt, dass er keiner ist (und darum weiß). Wie auch bei Johanna Adorján wirkt das Gespräch ruhig, kumpelhaft, wenig vehement. Karig spricht viel über den Prozess des Schreibens, über die Entstehungsgeschichte des Buches, den Modalitäten. Als Gottschalk Max Frisch´s Homo Faber als Referenz erwähnt, zeigt sich der Autor einverstanden. Reich Ranicki hätte an dieser Stelle wohl interveniert: "Ein bisschen hoooch gegriffen".
Am Ende die "Flammenwand"
Marlene Streeruwitz soll mit ihrem Buch "Flammenwand" die Runde komplett machen. Gottschalk eröffnet das Gespräch mit einer fast schon bissigen Frage: Ist Feministin sein mittlerweile so etwas wie ein Hauptberuf geworden? Streeruwitz antwortet schlagfertig: "Jetzt wo ich hier sitze, denke ich, das ist so." Und sofort wird klar, dass dieses letzte der drei Gespräche nicht kuschelig, nicht weich, nicht nebenher konsumierbar werden wird, wie es die vorangegangenen dann doch waren. Gedankliche Auseinandersetzungen, Um- und Irrwege des Schreibens in politisch aufgeheizten, bisweilen erschreckenden Zeiten liegen dem hier besprochenen Buch zugrunde. Und natürlich spiegelt sich auch dies im Gespräch, welches Gottschalk nicht vorschnell aufgeben möchte. Immer wieder hakt er nach, versucht auf einzelne Szenen und Figuren einzugehen. Streeruwitz antwortet als überzeugte Literatin, die sich ihre Themen und Geschichten nicht ausdenkt, um anschließend in Talkshows darüber reden zu können: "Was Literatur jetzt immer machen muss, ist Lebensnot bearbeiten..." sagt die Autorin schlussendlich, bevor die Runde von Gottschalk zum gemeinsamen Gespräch geöffnet wird.
Dann klingt diese zweite Sendung allmählich ab, und man geht mit mehr oder weniger gemischten Gefühlen zur Tagesordnung über. Gottschalk schien zwar deutlich souveräner als in der ersten Ausgabe, doch bleibt grundsäzlich das Zeitproblem bestehen. Sollte man die Runde nicht von vornherein öffnen?
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