Die Geniesserin auf der Flucht - Eine wahre Geschichte

Vorlesen
- 3 Seiten -

Immer öfter, als sie größer wurde, sammelte sie Holz auf den Hügeln, bündelte es und trug es auf dem Rücken zum Verkauf in die Stadt. So verdiente sie ihr mageres Geld, um damit zur Ernährung der Mutter, der kleineren Schwester und sich selbst beizutragen. Später verkaufte sie für ihre Tante als ambulante Händlerin in den Dörfern Haushaltgegenstände aller Art. Sie und ihre Cousine schleppten sich, wie Esel mit Plastikwaren bepackt, von Dorf zu Dorf und von Haus zu Haus. Sie klopften die Haushalte ab und versuchten ihre Produkte an die Hausfrau zu bringen. Meist übernahm jede etwa eine Hälfte der Dorfhaushalte. Oft war am Abend bei der Rückkehr in die Stadt die Last der Genießerin kleiner als jene ihrer Cousine, ihr Geldbeutel aber schwerer, weil sie erfolgreicher verkauft hatte. Sie hatte die Gabe, den Hausfrauen bei deren Klagen über ihr Leid zuzuhören, ihnen die Sorgen abzunehmen und öffnete sich damit die Tür für den Verkauf ihrer Produkte. So tauschte sie Leid und Geld gegen Küchengeräte, ihre Last gegen die seelische Bürde der Hausfrauen. Kurz, sie war eine erfolgreiche Verkäuferin. Rechnen konnte sie trotz ihrer ungenügenden Schulbildung so gut wie ihre Mutter, welche die Schule gar nie besucht und sich selbst Rechnen, Lesen und Schreiben beigebracht hatte. Die Tante war mit der Arbeit ihrer Nichte sehr zufrieden und erklärte ihr eines Tages, sie könnte ein Geschäft auf dem Basar betreiben.


Gefällt mir
4
 

Weitere Freie Texte

Freie Texte

Traumlicht und Schattenspiel

Jennifer

Meine Gedanken kreisten Von tiefen langen Fluren Abzweigend tausend Räume Ein Labyrinth voller Möglichkeiten Jede Tür -Ein Tor - Ein Schritt ein unbekannter Raum -Ein Paradox Eine Realität - Ein Universum Etwas Unbekanntes - Etwas Unerforschtes Dies wurde bald zur Sucht zur Suche nach dem Kick nach Adrenalin zur Droge die mich geiselt und ihre Ketten enger werden lässt Die Schatten meiner selbst drohten mich zu extrahieren Doch dann erkannte ich in den Korridor da war Licht In Form von ...
Freie Texte

Bei Tisch

Hans-Ulrich Kramer

Geht man heutzutage auswärts essen, kommt man nicht umhin, die Tischgespräche anderer Menschen anzuhören. Nicht, weil man diese klandestin belauscht, sondern weil die Leute an den Nachbartischen – in der Regel die vielfach beschriebenen und viel zitierten alten weißen Männer – einem ihre Gedankengänge in entsprechender Lautstärke quasi aufzwingen. Geschimpft und gehetzt wird bei Tisch zur warmen Mahlzeit gegen Asylanten (das neutralere Wort Flüchtling wird nie verwendet), gegen die ...
Freie Texte

Die Armada der Arbeitslosen – ein Arbeitsvermittler klagt an

Hans-Ulrich Kramer

Als Arbeitsvermittler bei der Agentur für Arbeit bin ich ein armes Würstchen: Den meisten meiner Klienten – häufig sind diese psychisch angeschlagen und/oder ohne Berufs- bzw. Schulabschluss – kann ich nicht weiterhelfen. Meine Kollegen und ich simulieren hier nur Vermittlung. Anstrengend sind Klienten mit höheren Bildungsabschlüssen, die dennoch durch alle Raster fallen, ihre Ansprüche und ihren Dünkel aber weiterhin aufrechterhalten. Es heißt ja immer: Durch den Fachkräftemangel sei es so ...

Aktuelles