Stiftung Lesen warnt vor früher Bildungsungleichheit und fordert stärkere Leseförderung

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Nach Auffassung der Stiftung Lesen reagiert das Bildungssystem bislang zu spät auf diese Entwicklung. Bildungsungleichheit sei kein unveränderlicher Zustand, sondern könne durch politische Entscheidungen beeinflusst werden.

Zwei lachende Kinder sitzen auf einem großen aufgeschlagenen Buch, das wie ein Fluggerät durch den Weltraum schwebt. Umgeben von Galaxien, Sternen, Planeten und Nebeln symbolisiert die Szene Fantasie, Bildung, Entdeckung und die Kraft der Literatur. Zwei lachende Kinder sitzen auf einem großen aufgeschlagenen Buch, das wie ein Fluggerät durch den Weltraum schwebt. Umgeben von Galaxien, Sternen, Planeten und Nebeln symbolisiert die Szene Fantasie, Bildung, Entdeckung und die Kraft der Literatur. lesering, KI
Die Stiftung Lesen sieht sich durch den Nationalen Bildungsbericht 2026 in ihrer langjährigen Kritik bestätigt. Wie die Organisation mitteilte, öffnet sich die Bildungsschere bereits im frühen Kindesalter. Schon ab dem zweiten Lebensjahr zeigten sich Unterschiede im Wortschatz von Kindern, die eng mit dem Bildungshintergrund des Elternhauses zusammenhängen. Der aktuelle Bildungsbericht verweist insgesamt auf fortbestehende Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft.

Bildung darf nicht in der Wiege entschieden werden

„Bildung darf nicht in der Wiege entschieden werden“, betont Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen. Gerade in wirtschaftlich und gesellschaftlich herausfordernden Zeiten müsse Bildung, insbesondere die Leseförderung, einen höheren Stellenwert erhalten. Deutschland brauche gut ausgebildete Menschen, die neue Ideen entwickeln und umsetzen können.

Die Stiftung verweist in diesem Zusammenhang auf Berechnungen des ifo Instituts und der Bertelsmann Stiftung. Demnach könnten bessere Bildungsleistungen langfristig erhebliche positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands haben. Voraussetzung dafür sei jedoch eine stärkere Förderung von Basiskompetenzen wie dem Lesen.

Kritik am möglichen Aus für „Lesestart 1-2-3“

Kritisch äußert sich die Stiftung Lesen zur Diskussion über die Zukunft des Programms „Lesestart 1-2-3“. Obwohl in Politik und Fachwelt weitgehend Einigkeit darüber bestehe, dass Bildung bereits vor der Schule beginne, werde über ein Auslaufen des Programms gesprochen.

Nach Angaben der Stiftung erreicht „Lesestart 1-2-3“ über Kinderarztpraxen rund 90 Prozent der Familien in Deutschland. Eltern erhalten dabei Buchgeschenke und Informationen rund um das Vorlesen und Lesen. Für dreijährige Kinder werden die Materialien über Bibliotheken verteilt, wodurch zugleich lokale Bildungs- und Kulturangebote gestärkt werden.

Leseförderung soll alle Familien erreichen

Besonders wichtig ist der Stiftung dabei der universelle Ansatz des Programms. Leseförderung solle nicht als Maßnahme für einzelne Gruppen wahrgenommen werden, sondern alle Familien ansprechen. Vorlesen und Lesen gehörten in jeden Alltag und dürften nicht mit einem Stigma verbunden sein.

Zwar begrüßt die Stiftung die im Bildungsbericht geforderten Sprachstandserhebungen und entsprechende Fördermaßnahmen. Gleichzeitig müsse darauf geachtet werden, dass Sprach- und Leseförderung positiv besetzt bleiben. Ziel sei es, Sprache, Vorlesen und Lesen als selbstverständlichen Bestandteil des täglichen Lebens zu verankern.

Vorlesen und Lesen als gesellschaftliche Aufgabe

Nach Ansicht der Stiftung Lesen kann nachhaltige Veränderung nur gelingen, wenn Vorlese- und Leseimpulse im gesamten gesellschaftlichen Umfeld präsent sind – nicht nur in Bildungseinrichtungen, sondern auch an vielen anderen Orten des Alltags.

Der Nationale Bildungsbericht 2026, der Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft als Schwerpunktthema untersucht, liefert aus Sicht der Stiftung dafür erneut deutliche Hinweise auf bestehenden Handlungsbedarf.

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