Nicht erst seit Jürgen Todenhöfers "Inside IS" und den Terroranschlägen in Paris gehören seriöse Bücher zur Analyse des radikalen Islamismus zu den gefragtesten Sachbüchern. Lesering stellt die vier aktuell erfolgreichsten Titel vor.
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Die schwarze Macht: Der »Islamische Staat« und die Strategen des Terrors - Ein SPIEGEL-Buch
Christoph Reuter: "Die schwarze Macht: Der Islamische Staat und die Strategen des Terrors"
Spiegel-Korrespondent Christoph Reuter zeigt in "Die schwarze Macht", dass der Aufstieg des Islamischen Staates nicht durch Zufall entstanden, sondern von langer Hand geplant war. Mittlerweile herrscht die Terror-Organisation über eine Fläche von der Größe Großbritanniens und über fünf Millionen Menschen.
Die Wurzeln des Terrorismus und des Islamismus macht Reuter im zerfallenden Irak, im syrischen Bürgerkrieg und in den regionalen Konflikten aus, die die Extremisten für ihre Zwecke nutzen.
Reuter hat für das Buch bislang unbekannte Dokumente gesichtet und jahrelang in der Region recherchiert.
Insbesondere das System des IS ist mit all seinem Totalitarismus, der ständigen gegenseitigen Denunziation, der Propaganda und der Brutalität extrem bedrohlich - man benötigt ein dickes Fell, um das Buch phasenweise zu ertragen. Nichts desto trotz absolut wichtig und empfehlenswert.
Jürgen Todenhöfer: "Inside IS - 10 Tage im Islamischen Staat"
Jürgen Todenhöfer, ehemaliger CDU-Politiker und Islam-Kenner, hatte monatelang mit Islamisten per Skype kommuniziert und verhandelt, bevor er eine Einladung nach Mossul, der Quasi-Hauptstadt des Islamischen Staates erhalten hatte.
Aber: Keiner wusste, ob sein "Visum" echt und das zugesicherte freie Geleit ernst gemeint waren.
Herausgekommen ist eine Reisereportage, die wohl wie keine andere eine besondere Nähe und Einblicke in die Denkstrukturen der Terroristen erlaubt.
Dabei erlaubt sich Todenhöfer durchaus eine Gratwanderung: Er lässt Mörder ausführlich zu Wort kommen. Allerdings verhehlt er nie seine eigene konträre Position. Die behält er auch gegenüber dem Westen bei, dem er, vereinfacht ausgedrückt, die Mitschuld am Aufstieg des IS gibt.
Wie viele Experten sieht auch Jürgen Todenhöfer die Ursache für den islamistischen Terrorismus insbesondere im Irak-Krieg begründet. So kritisiert er nicht nur den Islamismus, sondern auch insbesondere die USA und deren Verbündete.
Auch wenn die teils unkommentiert wirkenden, hanebüchenen Aussagen der Islamisten sauer aufstoßen dürften, hat Jürgen Todenhöfer ein wichtiges, lesenswertes Buch abgeliefert.
Bruno Schirra: "ISIS - Der globale Dschihad: Wie der Islamische Staat den Terror nach Europa trägt"
Nahost-Experte Bruno Schirra beschreibt in seinem Spiegel-Bestseller die Evolution des islamistischen Terrorismus von der noch vor fünf Jahren unbedeutenden sunnitischen Splittergruppe bis hin zur staatenähnlichen ISIS.
Der Autor betreibt Ursachenforschung und deckt unter anderem auf, wie der Islamische Staat zum Beispiel durch die Regierungen von Katar, Saudi Arabien, Iran und Türkei in Syrien unterstützt wird.
Zudem beschreibt er das System der Terror-Finanzierung durch Geiselnahme und anschließende Lösegelderpressung, die ideologische Unterstützung durch anerkannte Imame und die fehlgeleitete Politik von Barack Obama, die erst die Sunniten und ehemalige Angehörige von Sadam Husseins Baath-Partei zu Islamisten machte.
Ein absolut lesenswertes Buch mit der Dramatik einer Reportage von Peter Scholl-Latour.
Arno Gruen: "Wider dem Terrorismus"
Arno Gruen nähert sich dem Phänomen des Terrorismus aus philosophischer Sicht. Gruens Kernaussage ist, dass Terrorismus in der Todessehnsucht der Terroristen selbst begründet ist und argumentativ nicht bekämpft werden kann.
Gruen hatte zunächst im Bereich des Neo-Nazi-Umfeldes recherchiert, sein Buch aber nach den Anschlägen auf Charlie Hedbo in Paris nochmals überarbeitet.
So findet Gruen zwar auch Erklärungsansätze für den Terrorismus im Westen, sieht die Entwicklung jedoch als Zwangsläufigkeit einer jeden Gesellschaft. Neu sei jedoch die überbordende, weltweite Darstellungs- und Inszenierungsmöglichkeiten der Gewalt.
Gruens These: Insbesondere die Entwicklung in der Kindheit sei entscheidend, wie anfällig man für extremistische Positionen später werde.
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