Bereits in seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch "Von der Pflicht" hatte sich der Philosoph Richard David Precht für ein soziales Pflichtjahr stark gemacht. Der Bürger, so Precht in seinem Essay, habe auch Pflichten gegenüber des Staates. Ohne diese komme keine liberale Gesellschaft auf Dauer aus, warnte der Bestsellerautor. Nicht überraschend also, dass Precht den Vorstoß des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, ein soziales Pflichtjahr einzuführen, voll und ganz unterstützt. "Das wird unserer Gesellschaft viel Gutes tun", sagte der Philosoph in einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Richard David Precht: Soziales Pflichtjahr "wird unserer Gesellschaft viel Gutes tun"
Richard David Precht ist nicht nur ein Verfechter des Bedingungslosen Grundeinkommens, sondern auch glühender Befürworter eines sozialen Pflichtjahres. In seinem Buch "Von der Pflicht" warnte der Autor im vergangenen Frühjahr vor einem "Kundenverhältnis" des Bürgers gegenüber seines Staates. Ein soziales Pflichtjahr, so Prechts Argumentation, könnte diesem allzu bequemen neoliberalen "Kundendenken" entgegenwirken und die liberale Demokratie stärken. Allerdings sollten nicht nur junge Menschen nach dem Schulaustritt in die Pflicht genommen werden. Beinahe noch wichtiger sei die Einführung eines "Gesellschaftsjahres" für Rentner, so Precht.
In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung"(NOZ) verdeutlichte er diesen Standpunkt. Er werbe bereits seit dem Aussetzen der Wehrpflicht vor elf Jahren dafür, "dass alle Menschen in Deutschland, sofern sie mental und körperlich dazu in der Lage sind, in ihrem Leben zwei Gesellschaftsjahre leisten sollten", so der Autor. Rentner seien da mit einbezogen. Ein erstes soziales Engagement solle auf die Schule folgen, "und ein zeitlich deutlich reduziertes beim Eintritt ins Rentenalter."
"Volle Unterstützung" für Steinmeier
Dem Vorstoß des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der vor kurzem erst die Einführung eines sozialen Pflichtjahrs erneut zur Sprache brachte, kann Precht demnach viel abgewinnen. "... das freut mich sehr und hat meine volle Unterstützung", sagte der Bestsellerautor im Gespräch mit der NOZ. Er sei davon überzeugt, dass "Gesellschaftsjahre" dem sozialen Zusammenhalt dienen, den Horizont erweitern und Selbstwirksamkeitserfahrungen ermöglichen.
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