In ihrem Roman "Zukunftsmusik" erzählt Katerina Poladjan von einem Tag in der sibirischen Weite. Von einer Familie, die auf engstem Raum mit der Absurdität des Daseins konfrontiert ist und deren lange Stunden von einer einfachen wie quälenden Frage begleitet werden: Was tun? Das Buch begeisterte die 30-köpfige Jury der SWR-Bestenliste besonders und steht somit an der Spitze der renommierten Liste für den April. Platz 2 geht an Esther Kinsky´s "Rombo". Auf Platz 3 folgt das Buch "Die Nächte der Pest" von Orhan Pamuk.
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Was tun? Wie einen Tag überbrücken? Wie das Hier und Jetzt erträglich machen, wo sich doch alles fern, entfremdet und gleich anfühlt? Diese Fragen sind es, die in Katerina Poladjans Roman "Zukunftsmusik" auftönen. Poladjan setzt sie in die Köpfe einer Familie, die in den Weiten Sibiriens auf engstem Raum in einer Kommunalka zusammenleben. "Zukunftsmusik" steht im April auf Platz 1 der SWR Bestenliste.
Platz 1: Katerina Poladjan mit "Zukunftsmusik"
11. März 1985: Es ist der Tag nach dem Tod des sowjetischen Staatsoberhaupts Konstantin Tschernenko, der nach nur dreizehnmonatiger Amtszeit starb. Und es ist, das wird nur in einem Nebensatz, eingeleitet mit einem „übrigens“, erwähnt, ohne dass der Name fällt, der Tag, an dem Michail Gorbatschow zum Generalsekretär des ZK der KPdSU gewählt wurde. Es ist der Tag, an dem der Zusammenbruch der Sowjetunion seinen Anfang nimmt.
Von dieser absurden Konstellation ausgehend, gewährt Katerina Poladjan Einblicke in die russische Seele. Mal bewusst übertrieben und sich des Klischees bewusst, dann wieder ernst und auf geradezu liebevolle Weise. Ein Buch, das nicht zuletzt auf den Zerfall eines Imperiums verweist, der, wie wir seit Februar 2022 wissen, auch für Europa nicht ohne Konsequenzen bleiben wird.
Platz 2: Esther Kinsky mit "Rombo"
Im Mai und im September 1976 erschüttern zwei schwere Erdbeben eine Landschaft und ihre Bevölkerung im nordöstlichen Italien. An die tausend Menschen sterben unter den Trümmern, Zehntausende sind ohne Obdach, viele werden ihre Heimat, das Friaul, für immer verlassen. Die Materialverschiebungen infolge der Beben sind gewaltig, sie bilden neues Gelände, an denen sich die Wucht des Eingriffs ablesen und in die Begriffe der Naturkunde fassen lässt. Doch für das menschliche Trauma, für die Erfahrung der plötzlich zersprengten Existenz, lässt sich die Sprache nicht so einfach finden.
Platz 3: Orhan Pamuk mit "Die Nächste der Pest"
Als im Jahre 1901 auf Minger die Pest ausbricht, beschuldigen sich Muslime und Christen gegenseitig. Ob nun die Pilger aus Mekka den Erreger eingeschleppt haben oder die Händler aus Alexandrien, auf der Insel herrschen chaotische Zustände. Als schließlich der Sultan Abdülhamit II. sowie England und Frankreich die Insel mit Kriegsschiffen blockieren lassen, um die weitere Ausbreitung der Pest zu verhindern, sind die Menschen auf Minger auf sich allein gestellt. Orhan Pamuks neues Buch ist einzigartiger Abgesang auf das von Nationalismus und Aberglaube gefährdete Osmanische Reich sowie ein großer historischer Roman, in dem sich Phantasie und Wirklichkeit, Vergangenheit und Gegenwart, Ost und West raffiniert verbinden.
Weitere Bücher auf der SWR-Bestenliste
Platz 4: Tove Ditlevsen mit "Gesichter"
Platz 5: Heike Geißler mit "Die Woche"
Platz 6: Julia Schoch mit "Das Vorkommnis"
Platz 6: Michel Houellebecq mit "Vernichten"
Platz 6: Reinhard Kaiser-Mühlecker mit "Wilderer"
Platz 8: Yasmina Reza mit "Serge"
Platz 8: Kristine Bilkau mit "Nebenan"
Platz 8: Gianfranco Calligarich mit "Der letzte Sommer in der Stadt"
Die SWR-Bestenliste
Monatlich wählen 30 namenhafte LiteraturkritikerInnen jeweils vier Neuerscheinungen aus, denen sie möglichst viele Leserinnen und Leser wünschen, und geben ihnen Punkte (15, 10, 6, 3). Der Jury gehören unter anderem Insa Wilke, Hubert Winkels, Sigrid Löffler, Denis Scheck und Ijoma Mangold an.
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