Werner Herzogs Buch "Das Dämmern der Welt" steht an der Spitze der aktuellen SWR Bestenliste. Platz zwei besetzt der Roman "Besichtigung eines Unglücks" von Gert Loschütz; "Bruder aller Bilder" von Georg Klein folgt an dritter Stelle.
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Einmal monatlich beschließen 30 namenhafte LiterarturkritikerInnen die SWR Bestenliste und empfehlen somit zehn aus ihrer Sicht lesenswerte Bücher. Anders als bei Bestsellerlisten, ist die Auswahl der Bestenliste nicht an den Verkaufszahlen gebunden. Es zählt allein die literarische Qualität.
Die SWR Bestenliste für den August
- Platz 1: Werner Herzog mit "Das Dämmern der Welt"
- Platz 2: Gert Loschütz mit "Besichtigung eines Unglücks"
- Platz 3: Georg Klein mit "Bruder aller Bilder" / Uljana Wolf mit "Etymologischer Gossip. Essays und Reden"
- Platz 5: Georges-Arthur Goldschmidt mit "Der versperrte Weg"
- Platz 6: Ferdinand Schmalz mit "Mein Lieblingstier heißt Winter"
- Platz 7: Martina Hefter mit "In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen"
- Platz 8: Dinçer Güçyeter mit "Mein Prinz, ich bin das Ghetto" / Heinz Strunk mit "Es ist immer so schön mit dir"
- Platz 10: Annie Ernaux mit "Das Ereignis" / Ali Smith mit "Sommer"
Die Top 3
Werner Herzog - "Das Dämmern der Welt": In seinem Roman "Das Dämmern der Welt" erzählt Werner Herzog die Geschichte des Nachrichtenoffiziers Hiroo Onoda, für den der Zweite Weltkrieg erst im Jahre 1974 endete. Als die Amerikaner im Februar 1945 die philippinische Insel Lubang eroberten, flüchtete Onoda in den Dschungel, wo er sich fortan durchschlug. In Tagebuchform beleuchtet Herzog die Existenz eines Fanatikers, dessen Welt sich mit einer Aufgabe wandelte.
Gert Loschütz - "Besichtigung eines Unglücks": Am 22. Dezember 1939 ereignete sich in der Kleinstadt Genthin - zwischen Brandenburg und Magdeburg - das bislang größte Zugunglück Deutschlands. Ein aus Berlin kommender Reisezug fuhr auf einen kurz vor dem Bahnhof Genthin stehenden, vollen Personenzug. Mindestens 186 Personen starben. Gert Loschütz wurde - ebenso wie der Protagonist in seinem Roman "Besichtigung eines Unglücks" - in Genthin geboren. Vandersee, so der Name des Protagonisten, will die Katastrophe zu rekonstruieren, liest Zeugenaussagen und Polizeiprotokrolle. Doch während seiner Arbeit stößt er immer wieder auf Lücken.
Georg Klein - "Bruder aller Bilder": Auch in seinem neuen Roman lässt Georg Klein realistische und surrealistische Bilder verschmelzen. Moni Gottlieb, kurz MoGo genannt, ist überrascht, als ihr Kollege, der Sportreporter Addi Schmuck, sie von all ihren redaktionellen Pflichten freistellen lässt. Er fährt mit ihr ins Rosenau-Stadion, wo der heimische Bundesligist seine Heimspiele austrägt. Eine merkwürdige Bedingung: MoGo muss ihr Smartphone zuhause lassen. Vor Ort treffen die beiden auf den Platzwart, der Schmuck um Hilfe bei einem Problem bittet. Es beginnt ein seltsames Spiel zu dritt, in welchem sich Diesseits und Jenseits verflechten.
Uljana Wolf - "Etymologischer Gossip. Essays und Reden": Seit ihrem fulminanten Debüt "Kochanie ich habe Brot gekauft" gilt Uljana Wolf als eine der wichtigsten deutschsprachigen Lyrikerinnen der Gegenwart. In "Etymologischer Gossip" betritt sie nun das Plateau des Essayistischen - ihre Sprache jedoch, bleibt eine poetische. Mit immer neuen Anläufen umkreist Wolf in diesem schmalen Band einzelne Begrifflichkeiten, kratzt sie aus, dehnt sie, stellt sie um. Zentral ist dabei der Begriff "Muttersprache", der, so Wolf, stets "ein Ort der Unzugehörigkeit und Ungehörigkeit bleibt".
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