Isabelle Liegl & Albert Wunsch Wo bitte geht’s nach Stanford

Wie fordere ich mein Kind, ohne es zu überfordern? Was muss ich meinem Kind heute mitgeben, damit es später besteht? Und welche Schule, welche Universität ist die richtige? Bei all diesen Themen sind Eltern schnell überfordert und völlig verunsichert. Allein bei Amazon findet man mehr als 3.000 Erziehungsratgeber. Viel Unnützes, und irgendwo dazwischen– ganz versteckt – findet man die Perle, das Buch von Isabelle Liegl und Albert Wunsch. Das ist mehr als schade, dieses Buch gehört nach ganz vorn. Denn es ist ein gelungener Ratgeber für Eltern, die auf ihre Fragen kompetente und sympathisch geschriebene Antworten finden möchten.

Bildung
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  	  	Beltz Verlag
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  	  	IBSN 978-3407864505
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Cover Beltz Verlag Eine praktische Lebenshilfe für Eltern.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil – bestehend aus 11 chronologisch angeordneten Kapiteln - gibt Isabelle Liegl praktische Lebenshilfe für Eltern, ergänzt um unzählige Tipps und Hinweise. Der zweite Teil bietet eine Art erziehungswissenschaftliche Einordnung, geschrieben von dem renommierten Wissenschaftler Albert Wunsch.

Isabelle Liegls Söhne haben es „geschafft“. Sie studierten auf den allerbesten Unis der Welt: in Stanford und in Chicago. Nach einem Besuch in den USA kam der Autorin die Idee für das Buch. Sie wollte den Werdegang ihrer Kinder aufzeigen – von der ersten bis zur letzten elterlichen Förderung.

„Sie werden sich nun vielleicht denken: Da ist offenbar eine extrem ehrgeizige Mutter bei ihren verwöhnten Sprösslingen zu Besuch gewesen, die die letzten Jahre damit verbracht hat, ihre Kinder auf Höchstleistungen zu drillen. Doch so einfach ist es nicht – vor allem ist es falsch. Unsere Kinder sind ambitioniert – oder wie soll ich es sagen? Ehrgeizig. Dieses Wort hat im Deutschen einen eher negativen Klang, denn Geiz ist keine Tugend, er ist verwandt mit dem Neid. Und der ist allenfalls eine Untugend“, räumt die Autorin gleich zu Beginn mit den ihr entgegen gebrachten Vorurteilen auf.

Für sie ist der Werdegang ihrer Kinder eher ein Beweis dafür, wie es gehen kann, wenn manche Phasen im Leben ein bisschen anders gestaltet sind, sei es generell während der Kindheit oder speziell in Kindergarten und Schule, und dann vor allem in der wichtigen Zeit vor dem Schulabschluss. „Wenn ich mich streng nach hierzulande üblichen und von der Mehrheit für gut befundenen Erziehungsregeln richte, dann kann ein Vergleich gar nicht erst entstehen, denn mein Fokus ist nur nach »innen« gerichtet. Der Blick nach »draußen« aber findet oftmals nicht oder nur sehr eingeschränkt statt, mit vielen Vorbehalten, falschen Informationen und bei uns auch gern mit viel Kritik.“ Isabelle Liegl und ihr Mann wollten nie „Drill Mom« oder »Drill Dad« sein; sie wollten ihre Kinder begleiten und mit allen Kräften auf ihrem Weg unterstützen.

Das Leben von der Geburt bis zum Eintritt ins Berufsleben gibt eine feste Chronologie vor. „Die Natur will, dass Kinder sind, bevor sie zum Erwachsenen werden." sagt Jean-Jacques Rousseau. Und so ist auch das Buch von Isabelle Liegl in die Entwicklungsabschnitte des Kindes gegliedert: Kindheit; Schule, der Weg in die internationale Ausbildung, Studieren in den USA, dann der Bewerbungsprozess und nicht zuletzt der wohl wichtigste Teil für viele Eltern: die Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung. Das Besondere an dem Buch: In jedem Kapitel gibt es mindestens einen Satz, den man sich merken möchte und der in unserer aktuellen Bildungsdebatte immer wieder zitiert werden müsste:

„Vielleicht haben Sie das Glück, dass Ihre Kinder an einer Ausnahmeschule lernen dürfen. Ich habe jedenfalls angesichts unserer Möglichkeit, mit der Internationalen Schule vergleichen zu können, lange über meine eigenen Erfahrungen mit der deutschen Schule nachgedacht. Ich kann mich einfach an wenig Positives erinnern, was mein Verhalten beeinflusst hätte, und ich höre von deutschen Eltern immer wieder, wie negativ die Lehrer bei uns sind, wie oft sie Kinder runtermachen und bei Problemen allein oder sogar fallen lassen. Selbst wenn ich 50 Prozent der elterlichen Vorwürfe streiche, sehe ich immer noch kein überzeugendes Erziehungskonzept im Vergleich mit der Internationalen Schule, geschweige denn die Voraussetzungen (zu viele Kinder in einer Klasse), die Zeit (kein Ganztagsunterricht und wenig individuelle Förderung und Betreuung) und die Initiative (mehr Arbeit für die Lehrer) dafür.“

Besonders empfehlenswert ist das Buch für Eltern, deren Kinder in den USA studieren möchten. Hier bietet Isabelle Liegl einen praktischen Überblick über alle wichtigen Informationen auf dem Weg dorthin. „In den USA gibt es keine zentrale staatliche Vergabestelle für Studienplätze wie in Deutschland. Jede Universität ist ein eigener Kosmos mit eigenen Regeln und Anforderungen, egal ob privat oder staatlich. Und es gibt immer Ausnahmen von der Regel! Was es gibt, ist die sogenannte Common Application (»norDer Bewerbungsprozess 151 male Bewerbung«, www.commonapp.org), eine Online-Bewerbungsplattform, die sehr viele Universitäten akzeptieren, auch die großen.“

Aber was ist nun eine Leistung und wer definiert den Leistungsanspruch?

Und das ist wohl auch die Kernfrage des Buches: Was ist denn dieses ominöse Stanford? Ganz schnell wird klar: Stanford muss nicht in den USA liegen; es kann die Tischlerei im Nachbardorf sein, das Altenheim in der Nachbarstrasse oder die Theaterbühne auf dem Land. Wichtig ist einzig und allein die individuelle Leistung des Einzelnen, „und dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter erreichen, was sie sich wünschen und vorgenommen haben, und dass das Erreichte zum Glück und zur Zufriedenheit im Leben beiträgt. Eines kann ich sicher sagen: Ein geglücktes Leben schafft glückliche Menschen. Und wenn das Glück unserer Kinder der Sinn der Erziehung ist, dann ist ein gewisser erzieherischer Ehrgeiz nicht die schlechteste Methode.“

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