Der Autor des Bestsellers "Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten" präsentiert am Donnerstag sein neues Buch "Deutschland - Erinnerungen einer Nation".
Deutsche Geschichte könnte kaum unterhaltsamer vermittelt werden als von Neil MacGregor. Der Direktor des Britischen Museums stellt am Donnerstag ( 19. November 2015, 23:15 Uhr) sein neues Buch "Deutschland - Erinnerungen einer Nation" vor.
Der Clou ist wie auch schon bei "Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten", dass MacGregor anhand von Gebäuden, Gegenständen und Kunstwerken auf Spurensuche nach der deutschen Vergangenheit geht.
Deutschland-Versteher mit intelligentem Forschungsansatz
Dass der smarte Brite regelrechter Deutschland-Fan ist, hatte er bei der Buchvorstellung im Berliner Renessaince Theater am Sonntag bewiesen: So lobte er die Integration von Flüchtlingen, an denen sich Europa ein Beispiel nehmen solle, ließ Pegida aber charmant unerwähnt. Seit der WM 2006 habe Deutschland international erheblich an Ansehen gewonnen. Wo englische Schüler zuvor Deutschland nur aus dem Geschichtsunterricht und da im Schwerpunkt im zweiten Weltkrieg kennen lernen, ist Deutschland jetzt plötzlich cool.
In "Deutschland - Erinnerungen einer Nation" macht Neil McGregor Eckpunkte der deutschen Geschichte an Bauwerken fest, beginnend mit dem Münchener Siegestor.
Daran knüpft MacGregor seine These, dass Deutschland kein nationales Gedächtnis habe, sondern die Geschichte, beginnend mit dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen, aus lokalen Einzel-Historien der verschiedenen Fürstentümer und Einflussbereiche.
So zeigt der Triumphbogen in München eine Widmung für das bayrische Heer um 1840 herum, wo ebendieses meist auf der Seite Napoleons gegen andere deutsche Heere zu Felde zog.
Es gibt kein englisches Wort für Mahnmal
Nach dem zweiten Weltkrieg erhielt das Siegestor auf der Südseite die Inschrift "Dem Sieg geweiht. Vom Krieg zerstört. Zum Frieden mahnend." Dies sieht der Brite als entscheidenden Unterschied zu anderen Staaten, wie Deutsche mit der Geschichte umgehen.
"Wir betrachten nur die heldenhaften Kapitel unserer Geschichte", sagt MacGregor. "Die schwarzen Epochen studieren wir nicht, blättern weiter, kommen zum nächsten Kapitel, wo wir immer noch heldenhaft agieren. Und das ist sehr gefährlich. Das ist eine höchst selektive Lektüre unserer eigenen Geschichte. Die Deutschen [...], das ist, glaube ich, einzig in der Welt, studieren im Gegenteil die schwarzen Kapitel, die schwierigen Epochen und nehmen daraus eine Warnung. Wichtig ist es, dass es auf Englisch kein Wort für Mahnmal gibt. Wir haben nur Denkmäler. Und die Idee, dass ein Denkmal nach vorne blicken kann und für die Zukunft mahnen soll - das findet man in Großbritannien und auch in Frankreich nicht. Das ist eine deutsche Spezialität. Das ist, finde ich, musterhaft. Das ist sehr zu bewundern."
Aus einer Ausstellung wird ein Bestseller
Neil MacGregor ist seit 2002 Direktor des Britischen Museums. Das Buch "Deutschland - Erinnerungen einer Nation" ging aus einer gleichnamigen Ausstellung hervor, die eigentlich an Engländer gerichtet war. Im Oktober hatte er sein Amt als Gründungsintendant des Humboldt-Forums in Berlin angetreten.
Von 1987 bis 2002 war Ian MacGregor Direktor der National Gallery in London. 2015 wurde er mit dem Friedrich-Gundolf-Preis, dem Deutschen Nationalpreis sowie mit einer Goethe-Medaille ausgezeichnet.
In der Sendung "lesenswert sachbuch" am Donnerstag, 19. November, 23.15 Uhr im SWR Fernsehen spricht Neil MacGregor mit Moderator Walter Janson. Die Wiederholung sehen Sie am 22. November, 8.45 Uhr, im SWR Fernsehen und am gleichen Tag ab 10.15 Uhr in 3sat.
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