Das PEN-Zentrum Deutschland hat in einer Pressemitteilung die Freilassung des algerisch-französischen Schriftstellers Boualem Sansal gefordert. Der 75-jährige Autor, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, wurde Berichten zufolge am 16. November 2024 am Flughafen von Algier festgenommen, nachdem er aus Frankreich zurückgekehrt war. Seitdem gibt es kein Lebenszeichen von ihm, was Besorgnis bei seiner Familie, seinen Freunden und seinem französischen Verlag Gallimard ausgelöst hat.
PEN-Zentrum Deutschland fordert Freilassung von Boualem Sansal und Schutz der Meinungsfreiheit in Algerien
Wie die Deutsche Welle berichtete, war Sansal zuletzt ins Visier der algerischen Behörden geraten, nachdem er in einem Interview mit einem als rechtsextrem geltenden YouTube-Kanal Zweifel an der historischen Legitimität der algerischen Staatsgrenzen geäußert hatte. Beobachter gehen davon aus, dass diese Aussagen eine Rolle bei seiner Verhaftung gespielt haben könnten.
Ein Angriff auf Meinungsfreiheit und literarische Freiheit
„Die Festnahme von Boualem Sansal ist nicht nur ein Angriff auf die Freiheit eines herausragenden Schriftstellers, sondern auf die Meinungsfreiheit insgesamt“, erklärte Najem Wali, Vizepräsident des PEN-Zentrums Deutschland und Writers-in-Prison-Beauftragter. Sansal habe über Jahrzehnte hinweg den Mut bewiesen, gesellschaftliche und politische Missstände in Algerien anzuprangern und historische Verfehlungen offen zu thematisieren. Seine Festnahme symbolisiere den fortschreitenden Abbau der Meinungsfreiheit in Algerien, betonte Wali.
Wie die Deutsche Welle weiter berichtete, hatte Sansal zuletzt auch Kritik an der algerischen Regierung und ihre restriktive Haltung gegenüber Andersdenkenden geäußert. Seine Werke, darunter der international anerkannte Roman Le Village de l'Allemand („Das Dorf des Deutschen“), sind in Algerien nicht erhältlich, da sie immer wieder zentrale Missstände im Land offenlegen.
Unklare Gründe für die Festnahme
Nach Berichten des PEN-Zentrums wurde Sansal von der Generaldirektion für Innere Sicherheit (DGSI) in Gewahrsam genommen. Die genauen Gründe für seine Festnahme sind bislang unklar, doch es wurde angekündigt, dass er in Kürze einem Staatsanwalt vorgeführt werden soll. Wie die Deutsche Welle berichtete, kritisierten internationale Beobachter, dass die Behörden gezielt Schriftsteller und Intellektuelle ins Visier nehmen, um abweichende Meinungen zu unterdrücken.
Solidarität der internationalen Gemeinschaft gefordert
Das PEN-Zentrum Deutschland appelliert an die internationale Gemeinschaft, sich mit Boualem Sansal zu solidarisieren und sich für seine Freilassung einzusetzen. „Meinungsfreiheit ist ein grundlegendes Menschenrecht, das geschützt und verteidigt werden muss – überall und ohne Ausnahme“, heißt es in der Erklärung des PEN-Zentrums.
Wie die Deutsche Welle berichtete, werfen Menschenrechtsorganisationen den algerischen Behörden vor, mit solchen Maßnahmen gezielt Angst zu verbreiten, um jegliche Opposition im Keim zu ersticken. Der Fall Sansal ist dabei kein Einzelfall, sondern reiht sich in eine Serie von Repressionen gegen kritische Stimmen in Algerien ein.
Meinungsfreiheit: Ein universelles Prinzip
Die Verhaftung Sansals verdeutlicht die prekären Bedingungen der Meinungsfreiheit in Algerien. Autoren, Journalisten und Intellektuelle riskieren zunehmend ihre Freiheit, wenn sie sich kritisch äußern. Der Fall zeigt, wie autoritäre Regime grundlegende Rechte wie Meinungs- und Kunstfreiheit unterdrücken, um abweichende Stimmen zum Schweigen zu bringen. Solche Maßnahmen dürfen nicht hingenommen werden. Menschen aufgrund ihrer Meinungen zu inhaftieren, widerspricht universellen Menschenrechten und ist ein unmissverständliches No-Go. Die Freiheit, Gedanken und Kritik zu äußern, ist eine der zentralen Säulen jeder offenen Gesellschaft und muss weltweit verteidigt werden.
Fazit
Boualem Sansals Fall verdeutlicht einmal mehr die prekären Bedingungen, unter denen Intellektuelle und Künstler in Algerien arbeiten. Seine Verhaftung ruft zu einem verstärkten Engagement für die Verteidigung der Meinungsfreiheit auf. Der Schutz dieser Freiheit ist eine globale Aufgabe, die nicht an nationalen Grenzen haltmachen darf. Das PEN-Zentrum Deutschland fordert daher alle Staaten, Institutionen und zivilgesellschaftlichen Akteure auf, gemeinsam für die Freilassung Boualem Sansals und den Erhalt der Meinungsfreiheit in Algerien einzutreten.
Topnews
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
100 Jahre „Der Zauberberg“ - Was Leser heute daraus mitnehmen können
Oschmann: Der Osten: Eine westdeutsche Erfindung“ – Umstrittene russische Übersetzung
Überraschung: Autorin Han Kang hat den Literaturnobelpreis 2024 gewonnen
Ostdeutsche Autoren gründen „PEN-Gruppe Leipzig“
Deutscher Buchhandlungspreis: Preisverleihung abgesagt – PEN warnt vor politischer Einflussnahme
Seit 100 Jahren unbequem – und heute nötiger denn je: Der PEN im Weltzustand
„Worte bewegen Welten“ – Leipziger Buchmesse 2025 feierlich eröffnet
Anthologie „365 Tage Frieden“ – Stimmen gegen die Sprachlosigkeit
Salman Rushdie präsentiert sein neues Memoir "Knife. Gedanken nach einem Mordversuch" in Berlin
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht an den Ukrainer Serhij Zhadan
Was bleibt von der diesjährigen Frankfurter Buchmesse
Tsitsi Dangarembga erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Regula Venske: Leseförderung ist notwendig in einer Demokratie!
Karl-Ove Knausgard auf der Frankfurter Buchmesse 2019
"aspekte" widmet sich der Türkei - zu Gast: Mesale Tolu
Salman Rushdie spricht über Meinungsfreiheit
Aktuelles
Das letzte Kind hat Fell von Tessa Hennig – Wenn der Ruhestand plötzlich bellt
NDR Sachbuchpreis 2026: Die Suche nach den Büchern, die unsere Zukunft erklären
Michael von Kunhardt Mentalgiganten: Was wahre Stärke wirklich ausmacht
Deutscher Buchhandlungspreis: Preisverleihung abgesagt – PEN warnt vor politischer Einflussnahme
Das „Literarische Quartett“ am 13. März 2026
Schilddrüse im Gleichgewicht – Ein Buch, das vielen Betroffenen endlich Antworten liefert
Die Unbequeme – Rosa Luxemburg und der internationale Frauentag am 8. März
Zum 95. Geburtstag von Janosch – drei Bücher über Freundschaft, Freiheit und das kleine Glück
Zum Tod von António Lobo Antunes – Stimmen aus dem Gedächtnis Portugals
Liu Cixin – Die drei Sonnen
Über den Sammelband „Lottery Fantasies, Follies, and Controversies. A Cultural History of European Lotteries“
Wenn Kinder zu Übersetzern werden – Constantin Film verfilmt „Mama, bitte lern Deutsch“
Judith Hermanns: Ich möchte zurückgehen in der Zeit
Leipziger Buchmesse: Zwischen Bücherrausch und Zukunftslabor
Gebrauchte Bücher: Eine Übersicht über Plattformen
Rezensionen
Happy Head von Josh Silver – Wellness, Wettbewerb, Wahnsinn