Rückblick Was bleibt von der diesjährigen Frankfurter Buchmesse

Das Buchmessen-Wochenende ist vorüber und die Veranstalter ziehen Bilanz. Mehr als 70.000 Besucherinnen und Besucher haben sich in diesem Jahr auf dem Messe-Gelände eingefunden - weniger als zur letzten Präsenzveranstaltung 2019, und doch mehr als erwartet. Unter ihnen waren etwa 36.000 Fachbesucher aus 105 Länder, wie die Veranstalter am Sonntag in Frankfurt mitteilten. Im Mittelpunkt der Buchmesse aber, stand nicht das Mit-, sondern das Gegeneinander.

Mirrianne Mahn, Stadtverordnete für die Grünen in Frankfurt, unterbrach die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, um sich zur Debatte um die Grenzen der Meinungsfreiheit zu äußern: "Das Paradox ist, dass wir hier in der Paulskirche, der Wiege der Demokratie, einer schwarzen Frau den Friedenspreis verleihen, aber schwarze Frauen auf genau dieser Buchmesse nicht willkommen waren", sagte am Sonntag in der Paulskirche. Foto: Frankfurter Buchmesse 2021 / Marc Jacquemin

Buchmessenchef Jürgen Boos zeigt sich zufrieden: "Die 73. Frankfurter Buchmesse markiert nach 18 Monaten einen Neubeginn und hat angesichts der weltweit geltenden Reisebeschränkungen unsere Erwartungen weit übertroffen". Dran könnte man auch erkennen, wie resistent die Branche sei. Die Wiedersehensfreund, so Boos, war in den Hallen förmlich zu spüren.

 

War die Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie lediglich als virtuelle Veranstaltung zu erleben war, war es in diesem Jahr, dank umfassender Hygiene- und Schutzmaßnahmen wie die Verbreiterung der Gänge, der Einführung der 3G-Regel und die Vermeidung von Menschenansammlungen, wieder möglich, einen Ort der Begegnung zu schaffen. Mehr als 70.000 Besucherinnen und Besucher sind diesem Angebot nachgekommen; etwa 36.000 davon Fachbesucher aus insgesamt 105 Ländern. Etwa 130.000 User haben außerdem die digitalen Angebote genutzt, die in diesem Jahr zur Präsenzveranstaltung ergänzend hinzukamen.

Debatte um die Grenzen der Meinungsfreiheit

Klingt nach friedvoller Wiederbegegnung, Austausch und Diskurs. Medial allerdings, drang insbesondere ein Ereignis nach Außen, und schien die Berichterstattung rund um die Messe zu beherrschen. Die als Überraschungsgast geladene Autorin Jasmina Kuhnke sollte ursprünglich ihren Debütroman "Schwarzes Herz" auf der Messe vorstellen, sagte ihren Auftritt aber aufgrund der Anwesenheit des neu-rechten Verlags "Jungeuropa" ab. Kuhnke rief außerdem dazu auf, die Veranstaltung zu boykottieren; einige AutorInnen solidarisierten sich daraufhin mit der Autorin und sagten ihre Auftritte ebenfalls ab.

Auch die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche am Sonntag stand ganz im Lichte der Debatte. Die Auszeichnung ging in diesem Jahr an die Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann sagte während seiner Lobpreisung, er finde es schlimm und mache sich große, sehr große Sorgen, wenn er lese, "... dass Autorinnen Angst haben, nach Frankfurt zu fahren, weil sie hier auf rechtsradikale Verlage und Autoren treffen könnten." Die "Freiheit des Wortes", so der SPD-Politiker, sei "ein hohes Gut". Das größte Gebot unserer Verfassung aber, sei die Würde des Menschen.

"Keine Meinungsfreiheit" - Mirrianne Mahn ergreift das Wort

Während seiner Rede wurde Feldmann von Mirrianne Mahn, die Stadtverordnete für die Grünen in Frankfurt, unterbrochen. Mahn ergriff spontan und ungeplant die Gelegenheit, und intervenierte: "Das Paradox ist, dass wir hier in der Paulskirche, der Wiege der Demokratie, einer schwarzen Frau den Friedenspreis verleihen, aber schwarze Frauen auf genau dieser Buchmesse nicht willkommen waren", sagte sie. "Und ich sage ganz klar ›nicht willkommen waren‹, weil nicht dafür gesorgt wurde, dass sie sich sicher fühlen. Das ist keine Meinungsfreiheit."

Die Freiheit des Wortes ist nicht verhandelbar

Jürgen Boos sagte am Sonntag, er bedauere die Absagen der Autorinnen und Autoren. Ihre Stimmen, so Boos, hätten gefehlt. "Mit ihrer Präsenz hätten sie ein Zeichen gesetzt, so wie das in der Vergangenheit zum Beispiel Salman Rushdie oder Chimamanda Ngozi Adichie getan haben" Weiterhin verwies der Buchmessenchef darauf, dass internationale Buchmessen von der Vielfalt der Meinungen und Inhalte sowie vom Austausch auf Augenhöhe leben.

"Die Freiheit des Wortes ist für uns nicht verhandelbar", so der Buchmessenchef weiter. Die Meinungsfreiheit dürfe nicht über die vom Staat gezogenen Grenzen hinaus eingeschränkt werden. Jeder und jede Einzelne müsse sich frei und sicher fühlen, die Messe zu besuchen.

Was bleibt von der Frankfurter Buchmesse?

Was letztlich von der diesjährigen Frankfurter Buchmesse in Erinnerungen bleiben wird, fasste die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, wohl am besten zusammen. Es habe sich gezeigt, so Schmidt-Friedrichs, dass es gesellschaftliche Debatten gibt, die wir weiterhin führen müssen - "so etwa die zur Bekämpfung von Rassismus oder die zum Umgang mit extremen politischen Positionen on unsrer Gesellschaft und auf Buchmessen.

Bleibt zu fragen, ob es eventuell progressivere Wege einer solchen Bekämpfung gibt, als die Boykottierung einer internationalen Veranstaltung.

 
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