Der Roman "Yoga" des französischen Schriftstellers Emmanuel Carrère steht im März 2022 auf Platz 1 der SWR Bestenliste. In Frankreich landete Carrère mit seinem sehr persönlichen Werk nicht nur einen Bestseller, sondern löste zugleich auch einen Skandal aus. Platz 2 geht an Inger Christensens Werksammlung "Sich selber sehen möchte Die Welt". Michell Houellebecqs Roman "Vernichten", der im vergangenen Monat auf Platz 10 landete, belegt nun den dritten Platz.
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In "Yoga" beschäftigt sich der französische Schriftsteller Emmanuel Carrère auf sehr persönliche Weise mit der Verletzlichkeit und Fragilität eines scheinbar gefestigten Lebens. Im Mittelpunkt steht ein Mann, der sich im Jahr 2015 zurückzieht, um ein Buch über Yoga zu schreiben, das er selbst seit Jahren praktiziert. Feinsinnig und heiter soll das Büchlein werden, leicht ironisches, aber auch voller Hingabe. Dann aber erfolgen die Anschläge auf das Satiremagazin Charlie Hebdo. Der Schreibende erfährt, dass ein Freund bei einem Anschlag ums Leben gekommen ist. Die Stimmung schlägt um, keine Spur mehr von Entspannung und Gelassenheit, stattdessen setzt ein katastrophaler Zustand ein, eine Lebenskrise, die alles umstürzt. Er beschreib seinen Aufenthalt in einer Klinik, von dem Versuch, in der Arbeit mit Geflüchteten einen neuen Lebenssinn zu finden.
In Frankreich stürmte "Yoga" schnell die Bestsellerlisten, löste zugleich aber einen Skandal aus. Grund waren Aussagen von Carrères Ex-Frau Hélène Devynck, die behauptete, der Schriftsteller habe dem Roman das Etikett "Fiktionalität" nur aufgeklebt, um eine Chance auf den renommierten Literaturpreis "Prix Goncourt" zu haben. Zwischen Carrères und seiner Ex-Frau gibt es eine Vereinbarung, dass sie nicht explizit in seinen Büchern erwähnt werden darf. Nachdem sie bereits zwei Fassungen abgelehnt hatte, wurde ihr die dritte erst gar nicht vorgelegt. Dieser nun veröffentlichten Fassung attestierte Devynck Unwahrhaftigkeit und eine geschönte Darstellung der Hauptperson, die eindeutig Carrères selbst ist.
SWR Bestsellerliste
Platz 1: Emmanuel Carrère - "Yoga" (69 Punkte)
Platz 2: Inger Christensen - "Sich selber sehen möchte die Welt" (60 Punkte)
Platz 3: Michel Houellebecq - "Vernichten" (55 Punkte)
Platz 3: Yasmina Reza - "Serge" (55 Punkte)
Platz 5: Julia Schoch - "Das Vorkommnis" (53 Punkte)
Platz 6: Esther Kinsky - "Rombo" (47 Punkte)
Platz 7: Daniel Schulz - "Wir waren wie Brüder" (37 Punkte)
Platz 8: Gerald Murnane - "Inland" (33 Punkte)
Platz 9: Jack Kerouac - "Die Dharmajäger" (31 Punkte)
Platz 9: Mary Ruefle - "Mein Privatbesitz" (31 Punkte)
Die SWR Bestenliste
Monatlich wählen 30 namenhafte LiteraturkritikerInnen jeweils vier Neuerscheinungen aus, denen sie möglichst viele Leserinnen und Leser wünschen, und geben ihnen Punkte (15, 10, 6, 3). Der Jury gehören unter anderem Insa Wilke, Hubert Winkels, Sigrid Löffler, Denis Scheck und Ijoma Mangold an.
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