Solidarität in der Pandemie Konstantin Wecker: Pazifismus oder Untergang

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Was macht es mit einem leidenschaftlichen Liedermacher, wenn plötzlich alle öffentlichen Auftritte abgesagt und bevorstehende Veranstaltungen unmöglich werden? In seinem kürzlich erschienenen Buch "Poesie und Widerstand in stürmischen Zeiten" beschreibt Konstantin Wecker eine Zeit, in der ohnehin schon bestehende Probleme noch einmal deutlicher wurden. Warum gelten Kunst- und Kulturschaffende nicht als Systemrelevant? Was geschah mit der Anfangs so oft beschworenen Solidarität nach wenigen Wochen? Und wie viel Gutes hätte man mit dem Geld anfangen können, welches man der Industrie als Steuergeschenk zukommen ließ?

Der Liedermacher und Pazifist Konstantin Wecker schreibt in seinem Buch "Poesie und Widerstand in stürmischen Zeiten" über seine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke während der Corona-Pandemie. Bild: Monster4711 - Eigenes Werk / Wikipedia

Die Kunst- und Kulturszene hat besonders unter den Einschränkungen während der Corona-Pandemie gelitten. Auftritte wurden abgesagt, Veranstaltungen ins Virtuelle verschoben, Museen und Galerien geschlossen. Meist ohnehin schon am Existenzminimum lebende KünstlerInnen, waren nun auf mehrfacher Weise bedroht; nicht nur materiell sondern auch ideell wurde ihre Arbeit in Frage gestellt. Sprach man über jene Einzelschicksale in den Medien, dann eher am Rande und so, als müsse man einer unangenehmen Pflicht nachkommen.

Die Frage, ob nicht auch KünstlerInnen systemrelevant wären, wurde selten gestellt. Einer, der sie sich mit Nachdruck stellte, ist der Liedermacher Konstantin Wecker. In seinem kürzlich erschienen Buch "Poesie und Widerstand in stürmischen Zeiten" beschreibt er, wie er die Zeit ohne Bühne erlebte, und warum aus der Pandemie-Zeit die Notwendigkeit folgte, unsere Werte zu überdenken.

Dabei entwirft der Liedermacher - aus der Pandemie heraus - die Utopie einer gerechteren Zukunft. Anstelle der großen Depressionen und der unzähligen alltäglichen Produkte, setzt Wecker auf Solidarität, Kunst, Kultur und Menschlichkeit.

Konstantin Wecker: "Entweder es wird ein wirklich pazifistisches Zeitalter kommen oder die Menschheit wird zugrunde gehen."

Jene Gedanken, die Wecker in seinem Buch ausbreitet, ließ er kürzlich auch in einem Interview mit der Tageszeitung "nd.DerTag" verlautbaren. Vor allem in Hinblick auf Waffenhandel und Rüstungsindustrie sieht Wecker enorme Probleme: "Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg - das ist ein Grundgedanke der europäischen Idee, aber der Waffenhandel ist gerade in Zeiten der Pandemie in Europa um zehn Prozent gestiegen. Diese Summen könnten ärmere Menschen, ärmere Staaten dringend gebrauchen, um sich besser vor Pandemien zu schützen." Krieg mittels Krieg besiegen zu wollen, sei, so Wecker, "völlig idiotisch". Zugespitzt sieht er für die Zukunft nur zwei mögliche Szenarien: "Entweder es wird ein wirklich pazifistisches Zeitalter kommen oder die Menschheit wird zugrunde gehen."

Etwas optimistischer blickt er auf emanzipatorische und zukunftsorientierte Bewegungen wie Friday for Future oder die Black lives matter Bewegung. "Meine Waffe ist die Zärtlichkeit, die Liebe, die Poesie", so Wecker. Sein Buch "Poesie und Widerstand in stürmischen Zeiten" ist am 21. Juni beim Kusel-Verlag erschienen. Auch Weckers CD "Utopia" ist seit dieser Woche erhältlich.


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