Interview mit der Schriftstellerin Karen Sehn Der ruhige Blick auf die Realität

Die in Leipzig geborene Kinderbuchautorin Karen Sehn schaut mit ruhigen Blick auf das wirkliche Leben. Foto zur Verfügung gestellt von Karen Sehn

Die Kinderbuchautorin Karen Sehn hat mit Ihrem Debütroman „Fränze Knoof und der Hund mit den gelben Streifen“ etwas Ungewöhnliches gewagt: Ihre kleine, mutige Romanheldin Fränze ist eine Außenseiterin mit Lernproblemen, die sich vor ihren Schulhof-Feinden in einer Mülltonne verstecken muss und im Dunkel dieser Tonne ein sehr lebendiges, weggeworfenes Tier findet. Reale Geschichten und Erlebnisse von Kindern haben die in Leipzig geborene Autorin zu ihrem Buch inspiriert. Lesering-Redakteurin Claudia Diana Gerlach führte ein Interview mit der Schriftstellerin, die drei erwachsene Kinder hat und mit ihrem Mann in Dahlen lebt.

 

1. Liebe Karen Sehn, Ihr liebenswertes Kinderbuch „Fränze Knoof und der Hund mit den gelben Streifen“ macht die Leser neugierig auf die Autorin. Welche wichtigen Stationen gab es bisher in Ihrem Leben?

Nach dem Schulabschluss absolvierte ich eine Ausbildung zur Bibliotheksbuchbinderin in Dresden. Während der Elternzeit mit meinen drei Kindern begann ich ein Fernstudium zur Religions- und Gemeindepädagogin, das ich 1994 abschloss. Seitdem arbeite ich in unterschiedlichen Gemeinden und Schulen mit Kindern und Jugendlichen, was mir sehr viel Freude bereitet.

2. Es gibt eine kleine Geschichte zur Entstehung Ihres Romans – könnten Sie diese ihren Fans erzählen?

In jedem Sommer gestalte ich Kinderfreizeiten für unseren Kirchenbezirk. Vor einigen Jahren hatte ich ein Buch zum abendlichen Vorlesen vergessen und musste mir also für die elf Jungs meiner Gruppe eine Geschichte ausdenken. Von mehreren der Jungen wusste ich, dass ihnen das Lesen- und Schreibenlernen sehr schwer fiel und sie unter dem Spott der Mitschüler und sogar einer Lehrerin litten. Zur Ermutigung dieser Kinder entstand die Figur der Fränze. Ein Mädchen, kein Junge, um die Geschehnisse etwas zu verfremden. Die Kinder baten mich, die Geschichte aufzuschreiben, so schieb ich nachts, um am nächsten Abend weiter erzählen/lesen zu können. Einige der Kinder steuerten Ideen zum Fortgang der Handlung bei. Der größte Wunsch war: „Die Geschichte muss gut ausgehen!“

3. In Ihrem Kinderbuch schleicht sich die kleine Fränze nachts heimlich in die Stallgebäude einer großen Agrargenossenschaft und sorgt für ordentlich Trubel unter den Kühen und Kälbern! In welcher Zeit und in welcher Region spielt Ihre Geschichte?

Die Geschichte spielt hier und jetzt, das heißt, in Mittelsachsen. Diese von Landwirtschaft geprägte Gegend hat auch mich geprägt und ich bin ihr bis heute treu geblieben.

4. Gibt es Vorbilder für die taffe und tierliebe kleine Heldin? Steckt vielleicht ein wenig Fränze auch in Ihnen? 😉

Natürlich gibt es Vorbilder für die Fränze. In dreißig Jahren der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bin ich vielen mutigen und großherzigen kleinen Personen begegnet, die durchaus Pate für Fränze hätten stehen können. Ein Kind, das mir beim Schreiben des Buchers immer vor Augen stand, hat mich mir seinem Durchhaltevermögen und seinen tollen Ideen besonders beeindruckt. Einige Aussprüche von Fränze stammen direkt von diesem Kind, dessen Namen ich natürlich nicht nennen werde.

Vielleicht steckt aber auch ein Stückchen Fränze in mir selbst. Denn auch ich habe den Wunsch, dass wir Menschen zu Unseresgleichen, aber auch zu jedem uns anvertrauen Tier Zuneigung und Mitgefühl empfinden. Wahrscheinlich haben mich zu meiner Schulzeit einige Lehrer auch als etwas anstrengend und „spleenig“ empfunden.

5. Ihre Tochter Marie-Luise Sehn hat Ihr Buch wunderschön illustriert. Wann kam die Idee zu dieser Zusammenarbeit zwischen Mutter und Tochter, und wie hat diese Künstlerfusion funktioniert?

In dem Notizbuch, in dem ich Fränze niedergeschrieben habe, hatte ich laienhaft ein paar Skizzen zu der Geschichte gemacht. Natürlich waren sie für eine Veröffentlichung nicht tauglich. Meine Tochter, die gerade ihren Masterabschluss in Kunstgeschichte ablegt, freute sich, die Illustrationen dazu machen zu können. Und wir beide waren sehr froh, dass uns der Neissufer Verlag die Möglichkeit gab, dieses Buch gemeinsam auf den Weg zu bringen. Wir haben viel geredet und geträumt, bis Fränze in Farbe auf Papier Gestalt annahm. Das hat uns viel Freude bereitet und unsere ohnehin gute Beziehung gestärkt.

6. Gibt es neue Buchprojekte im Hause Sehn?

Eine Fortsetzung von Fränze ist im Kopf schon angedacht, aber nur da.

Liebe Frau Sehn, wir bedanken uns ganz herzlich für dieses Interview!

Und hier ist der Link zu unser Buchvorstellung von „Fränze Knoof und der Hund mit den gelben Streifen“:

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