In Kanada wird Claudette Charbonneau alias Aude durchaus in einem Zug mit Alice Munro genannt - doch hierzulande ist die frankokanadische Schriftstellerin nahezu unbekannt. Mit „Das Wanderkind“ bringt der Alfred Kröner Verlag eine starke weibliche Stimme zum Erklingen: „Das Wanderkind“, von Ina Böhme aus dem kanadischen Französisch ins Deutsche übersetzt, ist die erste deutschsprachige Ausgabe eines Romans von Aude. Das Buch erscheint im Februar 2021.
Die Vorfreude von Corinne und Pierre ist groß – und ebenso groß ist ihr Entsetzen, als sie im Krankenhaus erfahren, dass eines der beiden Kinder, das sie erwarten, wahrscheinlich tot zur Welt kommen wird. Doch entgegen aller medizinischen Aussagen kommt „der Kleine“ zwar schwach, aber lebend in diese Welt. Ein Zwillingspaar, der eine groß und kräftig, der andere klein und zerbrechlich. Einem von ihnen ist es bestimmt, den anderen am Leben zu erhalten. Ein kleiner, sehr feiner, beinahe märchenhafter Roman über die Brüchigkeit des Lebens und die schmerzhafte Schönheit menschlicher Bindungen. Mit ihrer ruhigen, fast schon zurückgenommenen Erzählweise entfaltet die kanadische Schriftstellerin Aude in diesem kurzen Roman kongenial die psychologisch schlüssige Innenwelt ihrer Figuren und zeigt auf, wie das Schicksal der Zwillinge zur Zerreißprobe für jeden einzelnen in dieser Familie wird.
Claudette Charbonneau
Claudette Charbonneau alias Aude wurde in 1947 Montréal geboren und gilt als eine der wichtigsten Figuren der frankokanadischen Literaturszene. Nach dem Studium unterrichtete sie in Québec Kreatives Schreiben und Literaturtheorie. Nach einer Phase des düsteres Erzählens über Wahnsinn und Tod wandte sie sich mit L’enfant migrateur einer hoffnungsfrohen Weltsicht zu. Aude starb 2012 an Leukämie. Sie wurde posthum zur Ehrenpräsidentin des nach ihr benannten Centre Aude d’études sur la nouvelle zur Förderung der Gattung Kurzgeschichte ernannt.
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