Er ist einer der Shootingstars auf der literarischen Bühne der Gegenwart: Der israelische Historiker Yuval Noah Harari. Weltberühmt wurder er mit seinem Debut "Eine kurze Geschichte der Menschheit", in welchem er der Frage nachging, wie wir es, als Homo Sapiens, geschafft haben, Herrscher über die Erde zu werden. In seinem jüngsten Werk "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" widmet sich Harari nun den drängensten Fragen der Gegenwart.
Yuval Noah Harari führt seine Befragung der Menschheitsgeschichte fort: Nachdem er im ersten Schritt ("Eine kurze Geschichte der Menschheit") fragte, wie wir werden konnten wer wir sind, um im Zweiten dann ("Homo Deus") einen Blick auf die Zukunft unserer Spezies zu werfen, geht es im Dritten nun um die Gegenwartsanalyse: "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert".
Die Fragen unserer Zeit
Was geschieht in der Welt, tagtäglich, um uns herum? Können wir all die Ereignisse, die uns pausenlos eher aufgedrängt als serviert werden, fassen und begreifen? Wofür steht der Aufstieg Donald Trumps? Sollte Europa seine Grenzen für Zuwanderer offen halten? Kann der Nationalismus die Probleme von Ungleichheit und Klimawandel in den Griff bekommen? Es sind diese Fragen, die seit einiger Zeit hochkonjunktur haben, überall in der Luft zu liegen scheinen, und dennoch nicht aus der Luft heraus beantwortet werden können. Und überhaupt: ist es möglich adäquate Antworten zu geben, in einer Zeit, die pausenlos überschwemmt wird von Informationswellen, deren Wahrheitsgehalt ständig zu überprüfen ist? In diesen Zeiten scheint Klarheit Macht zu sein.
Die übergeordnete Frage scheint zu lauten: Wer kann die notwendigen Kapazitäten aufbringen, um sich mit tiefgreifenden Fragen auseinanderzusetzen? Die Wenigsten. Dies allerdings, war in der Geschichte der Menschheit schon immer der Fall. Und doch scheinen wir heute weniger von unserer Umwelt zu verstehen als unsere Vorfahren:
"Einzelne Menschen wissen erschreckend wenig über die Welt, und je weiter die Geschichte voranschritt, desto weniger wussten sie. Ein Jäger und Sammler der Steinzeit wusste, wie er seine Kleidung fertigte, wie er ein Feuer entfachte, wie er Kaninchen jagte und wie er den Löwen entkam. Wir glauben, wir wüssten heute viel mehr, aber in Wirklichkeit wissen wir als Individuen deutlich weniger. Bei fast all unseren Bedürfnissen vertrauen wir auf die Expertise von anderen."
Der Algorithmus: Mensch
Wer aber beliefert uns (ununterbrochen) mit jenen Expertisen, auf denen wir vertrauen? Künstliche Intelligenzen und Algorithmen. Harari diagnostiziert, wir seien heute bereits "winzige Chips in einem riesigen Datenverarbeitungssystem", welches wir selbst nicht mehr verstehen können. Denn um unseren Platz in diesem "großen Gefüge der Dinge" verorten zu können, benötigten wir genau die Zeit, die wir damit verbringen, "eingehende E-Mails zu beantworten." Eine vom Menschen sich selbst auferlegte und beharrlich weiter vorangetriebene Entmenschlichung also, deren Vorantreiben längst in uns übergegangen ist. Das Prinzip des Algorithmus ist somit in uns übergegangen.
Wie können wir diesem Kreislauf entkommen? Yuval Noah Harari empfiehlt: Mehr Nachdenken und sich an den großen Debatten unserer Zeit beteiligen. Denn in naher Zukunft schon, könnten die Algorithmen perfektioniert werden und es den Menschen nahezu unmöglich machen, ihre eigene Realität zu erkennen. Noch haben wir die Wahl: Wir können "immer noch erforschen, wer wir wirklich sind. Aber wenn wir diese Chance nutzen wollen, sollten wir das jetzt tun."
Die drei Bücher: "Eine kurze Geschichte der Menscheit", "Homo Deus" und "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" gibt es auch als Hörbücher bei Audible zum Download. Weitere Infos dazu sind unter audible.de/tipp zu finden.
Yuval Noah Harari, 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert, C. H. Beck; 459 Seiten, 24, 95 € (Kindle 19, 99€)
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