Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2017 wird dem französischen Schriftsteller und Übersetzer Mathias Énard für seinen Roman „Kompass“ verliehen. Das Werk erschien 2016 im Verlag Hanser Berlin.
In ihrer Begründung verweist die Jury darauf, dass die Zeit der großen gefährlichen Simplifizierungen über uns hereingebrochen sei – begleitet von einem Zynismus, der vor allem auf einem gründet: Unkenntnis. Die Erfolge der Populisten, das Umsichgreifen von Vorurteilen, die sich gegen alles vermeintlich Fremde richten, geben davon dramatisch Zeugnis. Besonders die arabische Welt fällt dieser Entwicklung zum Opfer. In einer Zeit also, in der allenthalben Spaltung und Hass zu erleben ist, tritt Mathias Énard als einzigartiger Vermittler auf, allerdings nicht als Prediger, sondern als leidenschaftlicher Orientforscher, der sich durch einen stupenden Kenntnisreichtum auszeichnet sowie durch literarische Sprachkraft. In einer Welt, in der sich Orient und Okzident zunehmend in einer Schockstarre aus Feindseligkeit, Angst, aus Drohung und Gegendrohung gegenüberstehen, schenkt er den Lesern einen von großer menschlichen Anteilnahme geprägten Einblick in den arabischen Kulturraum. In seinem von Wissen sprühenden Roman „Kompass“ zeigt er auf, wie die islamische, die christliche und die jüdische Tradition ineinandergreifen. Und belegt den jahrhundertelangen Einfluss des Orients auf die europäische Kultur: Ohne den Orient können wir den Okzident nicht denken. Am Ende dieses großen melancholischen und doch weltzugewandten Romans, der eine literarische Feier unseres gemeinsamen kulturellen Erbes ist und zugleich die gegenwärtigen barbarischen Akte der Zerstörung im arabischen Raum heraufbeschwört, steht ein einfacher Satz, eine Widmung. Er lautet: „Für die Syrer“.
Die Preisverleihung 2017 an Mathias Énard findet anlässlich der Eröffnung der Leipziger Buchmesse am Abend des 22. März 2017 im Gewandhaus zu Leipzig statt. Die Laudatio hält die Geschichtswissenschaftlerin Leyla Dakhli.
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