Die jüngste Tochter

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Ich bin diejenige, die zuletzt kam,
ich hatte alles,
meine große Schwester,
Eltern, die sich liebten.
Trotzdem fühle ich mich falsch,
unpassend, ich gehöre nicht in den
gleichen Rahmen.

Ich bin diejenige, bei der die Eltern
nicht alles zu ernst nahmen.
Sie machten nicht die selben Fehler
wie beim ersten Mal.
Die Überfliegerin, die Schlaue, leicht
zu vergessen,
also fing ich an viel zu essen.

Ich bin diejenige, die angenehm ist,
ein ruhiges nettes, liebes Mädchen,
hilf stets zuerst den anderen,
höre ihnen immer zu, sei für sie da.
Komisch, warum komme ich nun nicht
mehr mit mir selber klar?

Ich bin diejenige, die ihre Meinung nie
laut aussprechen darf,
es sei zu hart und ehrlich für die
anderen,
das Mädchen verstummt, behält alles
für sich.
Sie ist nun leise, schüchtern,
zurückhaltend.
Wieso verstehen sie mich nicht?

Ich bin diejenige, die von allen
gemocht werden will,
sich den anderen zu Füßen wirft,
Hauptsache sie lieben mich.
Denn mein wahres Ich fühlt sich klein
und allein.

Wird nun das Essen mein einziger
wahrer Trost sein?

Ich bin diejenige, die allen aus der
Familie hilft,
alles zusammenhält, alle beruhigt und
aufklärt.
Ich wünsche mir Harmonie immer
zuerst,
ich nehme mich zurück, mein inneres
Mädchen ist so klein.
Ich frage mich, warum können meine
Eltern das nicht allein?

Ich bin diejenige, die nun zum zweiten
Mal zur Therapie geht,
aufarbeitet, was nicht ihre Schuld war,
Scham, Schmerz und Leid,
sie begleiten mich nun stets.
Wenn ich andere Töchter sehe,
verspüre ich nur Neid.

Ich bin diejenige, die nun Erwachsen
ist,
so viel Wut spürt, wie nie zuvor,
das kleine Kind in mir schreit.
Wann hat das endlich ein Ende?
Tja, jetzt habe ich nunmal diesen Mist.

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