Ein Sofa in einer Glashalle. Mehr braucht es nicht, um Literatur in Szene zu setzen. Ein Möbelstück als Marke, eine Farbe als Versprechen: Seit 2000 ist das Blaue Sofa ein Ort, an dem Texte ihre Autor:innen treffen – und ein Publikum, das zuhört. 2026 kehrt das Format auf die Leipziger Buchmesse zurück, nicht an den Rand, sondern ins Zentrum: auf die Bühne des Preises der Leipziger Buchmesse in der Glashalle.
Das Blaue Sofa 2026 in Leipzig: Literatur als Gesprächsraum
Es ist eine Rückkehr mit Signalwirkung. Nach der Neuausrichtung Ende 2022 war das Blaue Sofa während der Frühjahrsmesse ausschließlich im Rahmen von „Leipzig liest“ präsent. Nun wird die Preisbühne selbst zum Resonanzraum. Am Abend des 19. März 2026, unmittelbar nach der Verleihung des Leipziger Buchpreises, verwandelt sich der Ort der Auszeichnung über Nacht in einen Ort der fortgesetzten Rede. Wo zuvor Literatur prämiert wurde, wird sie an den folgenden Tagen befragt. Das Setting bleibt, die Funktion wechselt – von der Jury-Entscheidung zum öffentlichen Gespräch.
Freitag: Gesellschaft, Freundschaft, Generationen
Am Freitag, 20. März 2026, nehmen drei Autor:innen auf dem Blauen Sofa Platz. Hannah Häffner eröffnet mit ihrem Roman „Die Riesinnen“ (Penguin). Das Buch erzählt die Geschichte dreier Frauen, deren Lebenswege sich von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart spannen. Generationen werden hier nicht nur genealogisch, sondern gesellschaftlich lesbar. Die Frage, wie sich weibliche Selbstentwürfe im Wandel der Zeit verschieben, steht im Raum – leise, aber insistierend.
Jochen Gutsch bringt mit „Frankie“ (Penguin) eine andere Figur auf die Bühne: eine Katze. Und mit ihr die Geschichte einer zarten, ungewöhnlichen Freundschaft. Tiergeschichten tragen oft mehr über Einsamkeit und Nähe in sich, als ihr Sujet vermuten lässt. „Frankie“ verspricht eine Erzählung, die das Kleine ernst nimmt und das Alltägliche auflädt.
Miriam Davoudvandi schließlich richtet den Blick auf eine strukturelle Realität. In ihrem Sachbuch „Das können wir uns nicht leisten“ (btb) untersucht sie die Dimensionen von Armut in Deutschland. Der Titel zitiert eine gängige Formel der Abwehr – und kehrt sie um. Wer ist dieses „Wir“? Und wer bleibt außen vor? Auf dem Blauen Sofa wird das Gespräch über Literatur hier zwangsläufig auch ein Gespräch über soziale Wirklichkeit.
Samstag: Ausnahmezustand, Kunstfrage, Nachtfahrt
Am Samstag, 21. März 2026, setzt sich das Programm fort. Lilli Tollkien spricht über ihren Roman „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ (Aufbau). Im Zentrum steht eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand. Der Titel deutet auf ein Ringen mit Last und Hoffnung. Literatur wird hier zum Protokoll innerer und äußerer Erschütterungen.
Markus Orths widmet sich in „Die Enthusiasten“ (Galiani Berlin) einer buchverrückten Familie. Zwischen Leidenschaft und Obsession steht die Frage: Was ist Kunst? Und wer entscheidet darüber? Der Roman scheint das literarische Feld selbst zu spiegeln – ein Spiel mit Kanon, Begeisterung und Grenzziehung.
Esther Schüttpelz schließt den Samstag mit „Grüne Welle“ (Diogenes). Eine Frau verlässt nach einem Kinobesuch nicht den Parkplatz Richtung Zuhause, sondern fährt weiter in die Nacht. Die Entscheidung, nicht zurückzukehren, ist klein und radikal zugleich. Die Nacht wird zum Möglichkeitsraum. Bewegung ersetzt Stillstand.
Moderiert werden die Gespräche von Marie-Christine Knop. Das Gespräch bleibt das zentrale Format: keine Lesung im engeren Sinn, sondern Dialog. Literatur als Redeform, nicht als Monolog.
Donau: Unter Strom und zwischen Welten
Das Blaue Sofa beschränkt sich 2026 nicht auf Leipzig. Bereits am 5. März gestaltet das Format in Berlin einen Abend zum Fokusthema der Leipziger Buchmesse: „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“.
Die Donau ist mehr als ein Fluss. Sie ist Verkehrsweg, Grenzlinie, Erinnerungsraum. Mit Dana Grigorcea („Tanzende Frau, Blauer Hahn“, Penguin) und Ena Katerina Haler („Die Schuldlosen“, Folio) treten zwei Autorinnen auf, die mit unterschiedlichen biografischen und kulturellen Hintergründen schreiben. Die schweizerisch-rumänische und die kroatische Perspektive öffnen einen Raum, in dem Mitteleuropa nicht als Mitte, sondern als Geflecht erscheint. Moderiert wird der Abend von Shelly Kupferberg.
Das Fokusthema macht sichtbar, was Literatur leisten kann: Sie kartografiert Räume, die politisch vermessen sind, aber erzählerisch neu betreten werden müssen. Zwischen Strom und Stillstand, zwischen Westen und Südosten entsteht ein Gespräch über Zugehörigkeit und Verschiebung.
KrimiClub im Landgericht: Spannung im Rechtssaal
Traditionsgemäß präsentiert das Blaue Sofa am Messe-Donnerstag und -Freitag (19. und 20. März 2026) den KrimiClub im Landgericht Leipzig, eingebettet in das Programm von „Leipzig liest“. Der Ort ist sprechend: Ein Gerichtssaal als Bühne für Kriminalliteratur. Recht und Fiktion begegnen sich.
Am Donnerstag lesen und sprechen Marc Elsberg („Eden“, Blanvalet), Dora Heldt („Zwischen Gut & Böse“, dtv), Ann-Christin Kumm („Ultramarin“, Hanser Berlin) und Maximilian Cress Ferreira („Am Ende der Wahrheit“, Atrium). Am Freitag folgen Anne Stern („Die weiße Nacht“, Piper), Daniel Faßbender („Heaven’s Gate“, Diogenes), Anja Jonuleit („Wo der Wind die Namen trägt“, Penguin) und Alexander Rupflin („Protokoll eines Verschwindens“, HarperCollins).
Durch beide Abende führt Anouk Schollähn. Der KrimiClub zeigt, wie breit das Genre inzwischen gefasst wird: vom Politthriller bis zum psychologischen Spannungsroman. Schuld, Wahrheit, Motiv – Begriffe des Rechts werden literarisch verschoben.
Ein Format mit Geschichte
Seit seiner Gründung im Jahr 2000 nahmen mehr als 3.100 Autor:innen auf dem Blauen Sofa Platz. Das Format zählt damit zu den langlebigsten und erfolgreichsten Literaturveranstaltungen im deutschsprachigen Raum. In den vergangenen Jahren wurde es von Bertelsmann, ZDF, Deutschlandfunk Kultur und 3sat gemeinsam gestaltet; seit 2023 führt Bertelsmann das Blaue Sofa mit einem neuen Konzept in Alleinverantwortung weiter.
Zu den prominenten Gästen zählten Nobelpreisträger:innen wie Swetlana Alexijewitsch, Michail Gorbatschow, Günter Grass, Abdulrazak Gurnah, Herta Müller, Christiane Nüsslein-Volhard, Orhan Pamuk, Joseph Stiglitz, Olga Tokarczuk, Mario Vargas Llosa und Mo Yan. Die Liste liest sich wie ein Panorama politischer und literarischer Weltdeutung.
Hinter dem Format steht Bertelsmann, ein international tätiges Medien-, Dienstleistungs- und Bildungsunternehmen mit rund 75.000 Mitarbeitenden in etwa 50 Ländern. Zum Konzern gehören unter anderem die RTL Group, Penguin Random House, BMG, die Arvato Group, Bertelsmann Marketing Services, die Bertelsmann Education Group sowie Bertelsmann Investments. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 19 Milliarden Euro.
Und doch bleibt am Ende das Bild: Ein Sofa, zwei Menschen, ein Gespräch. Zwischen Preisverleihung und KrimiClub, zwischen Donau und Glashalle wird 2026 erneut sichtbar, was Literatur im öffentlichen Raum leisten kann – wenn man ihr einen Platz gibt und zuhört.
Topnews
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
100 Jahre „Der Zauberberg“ - Was Leser heute daraus mitnehmen können
Oschmann: Der Osten: Eine westdeutsche Erfindung“ – Umstrittene russische Übersetzung
Überraschung: Autorin Han Kang hat den Literaturnobelpreis 2024 gewonnen
PEN Berlin: Große Gesprächsreihe vor den Landtagswahlen im Osten
Leipzig liest extra! Mit diesem Konzept rettet sich die Buchmesse
Leipziger Buchmesse 2019: Das Blaue Sofa sorgt für einen starken Jubiläumsauftritt
Internationaler, digitaler, vernetzter: "Das Blaue Sofa" startet 2023 mit neuem Konzept
Trotz Absage: Gastland Portugal wird in Leipzig präsent sein
Die Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse stehen fest
Die Kandidaten für den Preis der Leipziger Buchmesse 2021 stehen fest
Leipziger Buchmesse soll im Mai 2021 stattfinden
"Das Blaue Sofa": Dieses Jahr im ZDF-Hauptstadtstudio
Diese Bücher sind für den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 nominiert!
Preisverleihung wird im Livestream übertragen
Aktuelles
Am Strom
UpA
Real Americans von Rachel Khong – Was heißt hier „wirklich amerikanisch“?
Das Blaue Sofa 2026 in Leipzig: Literatur als Gesprächsraum
Ostfriesenerbe von Klaus-Peter Wolf – Wenn ein Vermächtnis zur Falle wird
Claudia Gehricke: Gedichte sind Steine
Claudia Gehricke
Globalisierung, Spionage, Bestseller: „druckfrisch“ vom 15.02.2026
Wir Freitagsmänner: Wer wird denn gleich alt werden? von Hans-Gerd Raeth – Männer, Mitte, Mut zum Freitag
Planet Liebe von Peter Braun – Ein kleiner Band über das große Wort
Die Überforderung der Welt – Anton Tschechows „Grischa"
Alina Sakiri: Gedicht – Echt, unbearbeitet
Alina Sakiri
Yasmin: Gedicht
Yasmin
Torben Feldner: Es waren zwei Lichter – Leseprobe
Torben Feldner
Holger Friedel: Sinn des Lebens
Holger Friedel
Die Verwaltung des Wahnsinns – Anton Tschechows „Krankensaal Nr. 6
Bekanntgabe des Deutschen Buchhandlungspreises 2025
Rezensionen
Die Rache trägt Prada von Lauren Weisberger – Was kommt nach dem „Traumjob“?
Der Teufel trägt Prada von Lauren Weisberger – Glamour als Arbeitsvertrag mit dem schlechten Gewissen
Die Burg von Ursula Poznanski – Mittelaltergemäuer, Hightech-Nervenkitzel
Alle glücklich von Kira Mohn – Wenn „alles gut“ zum Alarmsignal wird
Half His Age von Jennette McCurdy – Ein Roman, der mit Unbehagen arbeitet
Daniela Katzenberger, wie man sie kennt – unverstellt, direkt, motivierend
The Ordeals von Rachel Greenlaw – Eine Akademie, die Talente frisst
Es ist doch nur die Dunya von Murat Gülec – Ein leises Buch für laute Tage
Die vergessene Hausapotheke von Dr. Nicole Apelian – Alte Rezepte, neue Dringlichkeit