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„Literarischen Quartett“ am 6. Februar 2026 Literarisches Quartett im Februar 2026 – Bücher über das Unsagbare

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Wenn Bücher sprechen, hören die Freitagabende anders. Am 6. Februar 2026 öffnet sich im Berliner Ensemble erneut der Vorhang für das Literarische Quartett. Gastgeberin Thea Dorn versammelt ab 23:30 Uhr im ZDF drei diskussionsfreudige Gäste: Schauspieler und Autor Christian Berkel, Kulturjournalist Xaver von Cranach und die Schriftstellerin Marlene Knobloch. Gemeinsam nehmen sie vier literarische Neuerscheinungen in den Blick, die auf unterschiedliche Weise das Unsagbare umkreisen – in Sprache, Erinnerung und Erzählstruktur.

Thea Dorn Thea Dorn ZDF und Svea Pietschmann

Vom Schweigen im Vaim

Den Auftakt macht Nobelpreisträger Jon Fosse mit seinem neuen Roman Vaim (Rowohlt), übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Wie ein stiller Nachhall setzt der Titel auf Reduktion: Figuren, die sich entziehen, Stimmen, die bleiben. Fosse schreibt, als würde er zwischen den Zeilen atmen. Ein Text über Gegenwart als Echo – und ein Meisterwerk des Verschwindens.

Eine Frau geht – und bleibt

Bodo Kirchhoff, der seit Widerfahrnis zu den feinsten Beobachtern zwischenmenschlicher Räume gehört, legt mit Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt (dtv) einen Roman vor, dessen Titel bereits Programm ist. Es geht ums Sehen, und um das, was durch die Linse entgleitet. Ein Kammerspiel zwischen Nähe und Rückzug, erzählt in der Art eines nach innen gewendeten Roadmovies.

Der Mann, der zurückkam

Mit Richard Price’ Lazarus Man (S. Fischer, übersetzt von Henning Ahrens) hält der urbane Realismus Einzug. Price, der mit Clockers zum Chronisten der amerikanischen Straße wurde, entfaltet erneut einen harten, zugleich präzise orchestrierten Kriminalfall. Der Titel trägt biblische Untertöne – doch wer hier aufersteht, ist vielleicht längst ein anderer.

Sprachgrenzen und ihre Schatten

David Szalay, 2025 mit dem Booker Prize ausgezeichnet, bringt mit Was nicht gesagt werden kann (Claassen, ebenfalls in der Übersetzung von Henning Ahrens) einen Essay-Roman an den Tisch, der das Nichtgesagte nicht umgeht, sondern zum Zentrum erklärt. Wo Kommunikation endet, beginnt hier das Erzählen – mit feinem Gespür für das psychologisch Unaussprechliche.

Literatur als Spiegelraum

Die Auswahl verspricht ein Quartett, das weniger auf pointierte Urteile als auf tastende Auseinandersetzung setzt. Zwischen norwegischer Mystik, deutscher Innenwelt, amerikanischem Noir und britischer Reflexionsprosa entfaltet sich ein Raum, in dem Sprache, Erinnerung und Macht aufeinander treffen.

Das Literarische Quartett ist ab Freitag, 6. Februar, ab 10 Uhr auch im ZDF-Streaming und als Podcast bei Deutschlandfunk Kultur verfügbar. Wer zuhört, wird lesen wollen. Wer liest, wird anders hören.


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