Vier Autorinnen, zwei Autoren, sechs Romane – und eine literarische Reise in Grenzgebiete zwischen Gewalt und Zärtlichkeit, zwischen Erzählexperiment und Sprachverdichtung. Die Jury des Deutschen Buchpreises 2025 hat heute ihre Shortlist veröffentlicht. Sie umfasst Werke, die sich stilistisch und thematisch unterscheiden, aber laut Jury dennoch miteinander korrespondieren – in ihrer Art, Wirklichkeit tastend, verspielt oder radikal zu befragen.
Die Shortlist 2025 im Überblick
-
Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen (Hanser)
-
Kaleb Erdmann: Die Ausweichschule (park x ullstein)
- Jehona Kicaj: ë (Wallstein)
- Thomas Melle: Haus zur Sonne (Kiepenheuer & Witsch)
- Fiona Sironic: Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft (Ecco)
- Christine Wunnicke: Wachs (Berenberg)
Jury betont Vielfalt und Tiefgang
Jurysprecherin Laura de Weck betonte in ihrer Stellungnahme, dass die nominierten Werke psychologische, gesellschaftliche und politische Abgründe ausloten – „sei es tastend, versponnen, mit Witz oder Radikalität, dabei immer hochliterarisch“. Dabei sei das verbindende Element nicht nur thematischer Natur – etwa der Umgang mit Gewalt oder zärtlichen Momenten –, sondern auch die Bereitschaft, literarische Form als Ausdruck innerer und äußerer Konflikte zu begreifen.
Trotz mancher düsterer Motive sei die Lektüre keineswegs deprimierend: „Jede Lektüre auf der Shortlist ist ein Befreiungsschlag“, so de Weck. Die Jury hatte zuvor 229 Romane gesichtet, aus denen zunächst eine Longlist mit 20 Titeln entstand. Die Preisverleihung findet am 13. Oktober 2025 – dem Vorabend der Frankfurter Buchmesse – statt.
Zwischen Wirklichkeit und Konstruktion
Ein Blick auf die Titel zeigt: Gesellschaftliche Sprengzonen, kollektive Traumata und individuelle Krisen stehen im Mittelpunkt, werden aber auf sehr unterschiedliche Weise literarisch durchdrungen.
Dorothee Elmigers Die Holländerinnen ist ein dichter, szenisch fragmentierter Roman über ein Verschwinden im Dschungel, der Sprache und Machtverhältnisse reflektiert. Fiona Sironics Langtitel verweist auf jugendliche Subversion, während Christine Wunnicke mit Wachs eine alchemistische, historische Imagination in ruhiger Prosa entwirft. Jehona Kicajs rätselhaft betitelter Roman ë spielt mit Identität und Sprachentgrenzung, während Kaleb Erdmanns Die Ausweichschule laut Kritiker:innen eine Form von Bildungsroman unter Ausnahmebedingungen darstellt. Thomas Melles Haus zur Sonne schließlich knüpft an seine psychologisch-autobiographischen Arbeiten an, bleibt aber literarisch eigenständig.
Preisgeld & Relevanz
Der Deutsche Buchpreis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert. Die Gewinnerin oder der Gewinner erhält 25.000 Euro, die weiteren fünf Nominierten jeweils 2.500 Euro. Der Preis gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Nicht nur für die Buchbranche, auch für das Feuilleton und viele Verlage ist die Auswahl Signalgeber für Tendenzen in der Gegenwartsliteratur.
Ob formal avanciert oder thematisch riskant – die Shortlist 2025 zeigt, dass literarischer Anspruch und gesellschaftlicher Resonanzraum kein Widerspruch sein müssen. Welche Stimme schließlich die höchste Auszeichnung erhält, entscheidet sich am 13. Oktober in Frankfurt.
Topnews
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
Ein Geburtstagskind im Januar: Franz Fühmann
Zauberberg 2 von Heinz Strunk
100 Jahre „Der Zauberberg“ - Was Leser heute daraus mitnehmen können
Oschmann: Der Osten: Eine westdeutsche Erfindung“ – Umstrittene russische Übersetzung
Überraschung: Autorin Han Kang hat den Literaturnobelpreis 2024 gewonnen
PEN Berlin: Große Gesprächsreihe vor den Landtagswahlen im Osten
„Freiheitsschock“ von Ilko-Sascha Kowalczuk
Longlist Deutscher Buchpreis 2025 – Die Titel, Verlage, Kontext und Hintergründe
Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2020
Deutscher Buchpreis 2025: Dorothee Elmiger ausgezeichnet
Der Moment vor dem Donner: Warten auf den Literaturnobelpreis 2025
Schweizer Buchpreis: Shortlist 2025
Junge Stimmen, große Bühne: Der „aspekte“-Literaturpreis 2025
NDR Sachbuchpreis 2025: Jury steht fest – 125 Titel im Rennen
Deutscher Kinderbuchpreis 2025: Kinder entscheiden – Shortlist steht fest
Jean-Paul-Preis 2025 für Christine Wunnicke – Eine lakonische Meisterin
Annett Gröschner wird Mainzer Stadtschreiberin 2025
Literarische Spannung in Leipzig: Die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse 2025
Wilhelm Raabe-Literaturpreis: Diese Bücher stehen auf der Longlist
ZDF-"aspekte"-Literaturpreis: Diese fünf Bücher stehen im Finale
Longlist des Deutschen Buchpreises steht fest
Zwei Bestseller und drei Debüts
Aktuelles
Prinz Kaspian von Narnia von C. S. Lewis – Rückkehr in ein verändertes Land
Der Ritt nach Narnia von C. S. Lewis – Ein Abenteuer auf Sand, kein Schnee
Der König von Narnia von C. S. Lewis – Durch den Pelzmantel in die Ethik
Das Wunder von Narnia von C. S. Lewis – Wie aus einer Kinderspielerei eine Welt entsteht
The Dog Stars von Peter Heller – Eine Endzeit, die ans Herz greift, nicht an den Puls
Sturmhöhe von Emily Brontë – Liebe als Windbruch
Kurs halten, Markt sichern: Die Frankfurter Buchmesse bekommt einen neuen Chef
Primal of Blood and Bone – Liebe kennt keine Grenzen von Jennifer L. Armentrout - Der Blick nach vorn, wenn alles zurückschaut
Soul and Ash – Liebe kennt keine Grenzen von Jennifer L. Armentrout – Wenn eine Stimme zur Brücke wird
War and Queens – Liebe kennt keine Grenzen von Jennifer L. Armentrout – Wenn Gefühle zum Kriegsgerät werden
Das zersplitterte Selbst: Dostojewski und die Moderne
Goethe in der Vitrine – und was dabei verloren geht Warum vereinfachte Klassiker keine Lösung, sondern ein Symptom sind
Leo Tolstoi: Anna Karenina
Zärtlich ist die Nacht – Das leise Zerbrechen des Dick Diver
Kafka am Strand von Haruki Murakami
Rezensionen
Thomas Manns Felix Krull - Die Welt will geblendet sein
Die unendliche Geschichte: Wie Fuchur die Herzen eroberte
Crown and Bones – Liebe kennt keine Grenzen von Jennifer L. Armentrout – Der Moment, in dem Macht persönlich wird
Flesh & Fire von Jennifer L. Armentrout – Vom heiligen Schleier in die Welt der Konsequenzen
Blood and Ash – Liebe kennt keine Grenzen von Jennifer L. Armentrout - Eine Auserwählte, die aufwacht
Die weiße Nacht von Anne Stern – Berlin friert, und die Wahrheit bleibt nicht liegen
Woman Down von Colleen Hoover – Wenn Fiktion zurückschaut
To Break a God von Anna Benning – Finale mit Schneid: Wenn Gefühl Politik macht
To Love a God von Anna Benning – Wenn Lichtstädte Schatten werfen
Funny Story von Emily Henry - „Falsche“ Mitbewohner, echter Sommer, echte Gefühle