Wenn in einer Welt, in der Götter herrschen und Menschen dienen, plötzlich ein Herz gegen den Himmel rebelliert – dann hat Anna Benning wieder zugeschlagen. To Tempt a God, Auftaktband ihrer neuen Götterlicht-Trilogie, entfaltet auf knapp 500 Seiten eine düster-funkelnde Romantasy, die genau weiß, was ihre Leser:innen lieben: starke Heldinnen, verbotene Gefühle, toxische Systeme und die bittersüße Spannung zwischen Macht und Moral.
To Tempt a God – Der stürmische Auftakt der Götterlicht-Saga von Anna Benning
Die Autorin, bekannt durch Vortex und Dark Sigils, beweist erneut, dass sie Figuren schreiben kann, die sich nicht zwischen Herzklopfen und Weltrettung entscheiden müssen – sondern beides mit erstaunlicher Eleganz verbinden. Der Roman richtet sich an eine Zielgruppe ab 16 Jahren und spricht insbesondere Fans von Throne of Glass, Das Reich der sieben Höfe oder Fourth Wing an. Doch auch wer sich eher für strukturelle Machtkritik in Fantasy-Gewand interessiert, findet hier einen erzählerischen Hochgenuss.
Inhalt von To Tempt a God– Silver City: Stadt der Götter, Bühne der Rebellion
Silver City – die strahlende Hauptstadt einer gottbeherrschten Welt. Hier leben Menschen unter dem Joch der Unsterblichen, die sich selbst als Götter bezeichnen. Ihre Gesetze sind gnadenlos, ihre Macht absolut. Ein Fehltritt kann den Tod bedeuten. Aurora, die junge Protagonistin, kennt die Regeln – und beginnt dennoch zu hinterfragen, was richtig ist.
Nach einem dramatischen Zwischenfall wird sie an den Hof der Götter berufen. Ausgerechnet dem Gott Colden wird sie zugeteilt – Sohn des gefürchteten Herrschers, ein geheimnisvoller und zutiefst zerrissener Charakter. Was als Dienstverhältnis beginnt, entwickelt sich zu einem vielschichtigen Spiel aus Vertrauen, Widerstand und verbotener Nähe. Doch während Aurora sich in diesem gefährlichen Umfeld zurechtfinden muss, braut sich eine größere Bedrohung zusammen: Ein Krieg zwischen Göttern und Menschen scheint unausweichlich – und Aurora steht plötzlich im Zentrum der Entscheidung.
Machtmissbrauch, Moral und das Funkeln der Gefühle
Benning nutzt die Fantasywelt von Silver City, um große Fragen zu stellen – und packend zu inszenieren: Wie entsteht Widerstand? Was bedeutet Freiheit, wenn sie dich alles kosten kann? Und ist Liebe zwischen Herrschenden und Beherrschten überhaupt möglich, ohne zu zerstören?
Die Götter stehen hier nicht nur für mythologische Faszination, sondern für ein System autoritärer Kontrolle. Auroras Entwicklung zur moralischen Akteurin verläuft nicht geradlinig, sondern voller Zweifel, innerer Konflikte und Wachstumsprozesse. Besonders gelungen: das Spannungsverhältnis zwischen Aurora und Colden, das weit über das übliche Romantasy-Knistern hinausgeht. Ihre Beziehung wird zur Chiffre für das Ringen um Vertrauen – zwischen zwei Welten, zwei Ideologien, zwei Herzen.
Zwischen Sinnlichkeit und Schärfe
Benning schreibt mit einer Mischung aus sinnlicher Detailverliebtheit und narrativer Klarheit. Ihre Beschreibungen der Stadtlandschaften, Gewänder und Rituale sind filmisch, ihre Dialoge präzise und psychologisch geschliffen. Die Erzählung wechselt zwischen actiongeladenen Szenen, inneren Monologen und leisen Momenten, die große emotionale Resonanz erzeugen.
Die gewählte Ich-Perspektive aus Auroras Sicht sorgt für unmittelbare Nähe, ohne ins Überdramatische zu kippen. Was besonders auffällt: Benning kann Pathos, ohne kitschig zu werden. Ihre Sprache oszilliert zwischen poetischer Verdichtung und reflektierter Zurückhaltung – und gibt der Geschichte jene Tiefe, die man im Genre oft vermisst.
Weltbau und Struktur – Ein Pantheon aus Ambivalenzen
Die Götter in To Tempt a God sind keine bloßen Archetypen, sondern vielschichtige, oft widersprüchliche Figuren. Ihre Macht ist absolut – aber ihre Motive sind es nicht. Benning erschafft ein Götterpantheon, das sowohl erzählerisch als auch mythologisch funktioniert: Jeder Gott steht für ein Prinzip, eine Versuchung, eine Gefahr. Doch auch die menschlichen Figuren – vom unterdrückten Volk bis zu den Rebellen – sind differenziert gezeichnet.
Die Struktur der Handlung folgt klassischen Dramaturgieprinzipien, bietet aber immer wieder überraschende Wendungen, die sich logisch aus der inneren Welt der Figuren ergeben. Die Kapitel enden häufig mit subtilen Cliffhangern, die das Buch zum echten „Page-Turner“ machen.
Für wen ist To Tempt a God?
Diese Geschichte ist kein Märchen – sondern ein Fantasyroman für alle, die das Spiel mit Macht, Emotion und Identität lieben. Ob Vielleser:innen von Romantasy, Neulinge auf der Suche nach einer fesselnden Einstiegsgeschichte oder literarisch interessierte Jugendliche ab 16: Dieses Buch bietet Unterhaltung, Reflexion und emotionale Tiefe in einem.
Besonders empfehlenswert ist der Roman für Leser:innen, die mit den Heldinnen mitwachsen wollen – denn Aurora ist keine Superfrau, sondern eine junge Frau mit Zweifeln, Wut, Sehnsucht und Intelligenz. Wer starke Charakterentwicklungen, nuancierte Beziehungskonflikte und eine dichte Atmosphäre sucht, wird hier fündig.
Wo Reibung ist, entsteht Licht
Natürlich ist To Tempt a God auch nicht frei von Schwächen: Der Einstieg in die Welt könnte für einige Leser:innen etwas abrupter sein als gewohnt. Auch Coldens Figur bleibt im ersten Drittel noch rätselhaft – was jedoch dramaturgisch bewusst eingesetzt ist und im weiteren Verlauf tragfähig wird.
Was allerdings keine Kritik, sondern ein Kompliment ist: Das Buch macht süchtig. Und der Cliffhanger am Ende ist ebenso fies wie brillant – also bereithalten, denn Band 2 lässt sich nach dieser Lektüre kaum erwarten.
Göttlich, gefährlich, großartig
To Tempt a God ist mehr als ein Genre-Titel. Es ist ein literarischer Beweis dafür, dass Romantasy komplex, politisch und hochspannend sein kann. Anna Benning gelingt es, neue mythologische Räume zu erschließen, ohne dabei die Emotionen zu verlieren. Ein Buch für Herz und Hirn, für Fans und Neulinge, für alle, die an die Macht der Geschichten glauben.
Über die Autorin – Anna Benning
Anna Benning, geboren 1988 in Deutschland, studierte Literaturwissenschaft und war als Lektorin tätig, bevor sie sich vollständig dem Schreiben widmete. Mit ihren Vortex- und Dark Sigils-Reihen eroberte sie die SPIEGEL-Bestsellerlisten und etablierte sich als eine der wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Romantasy-Szene. Ihre Werke zeichnen sich durch starke weibliche Figuren, dichte Welten und eine Balance zwischen Action und Emotion aus. Mit der Götterlicht-Saga betritt sie erneut Neuland – und beweist einmal mehr ihr außergewöhnliches Talent für komplexe Fantasyerzählungen.
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