Der Norddeutsche Rundfunk nimmt den 150. Geburtstag Thomas Manns zum Anlass, dem Jahrhundertschriftsteller eine mediale Ehrenrunde zu widmen, die sich sehen, hören und streamen lässt. Radio, Fernsehen und Online-Angebote formen ein Mosaik des Erinnerns, das – ganz im Sinne des Jubilars – gleichermaßen feierlich, durchdacht und mit ironischer Brechung gestaltet ist.
Der Unsterbliche aus der Mengstraße – Thomas Manns 150. Geburtstag im Programm des NDR
Es beginnt am 24. Mai auf NDR Kultur mit einem Literatur-Schwerpunkt, der auf ein Publikum zielt, das mit „dem Thomas“ mehr verbindet als Schullektüre und Fernsehspiel. Interviews, Diskussionen mit Experten, historische O-Töne: ein akustisches Porträt, das nicht verklärt, sondern kontextualisiert. Am 6. Juni, dem eigentlichen Geburtstag, wird das Kulturprogramm gar zum Monopol der Manns – ein Tag im Zeichen des großen Erzählers und seiner Erzählungen.
„Buddenbrooks“ revisited – Eine Dokumentation mit Tiefenschärfe
Die Ko-Produktion „Buddenbrooks – Thomas Mann und Lübeck“, am 26. Mai auf ARTE und am 2. Juni im NDR Fernsehen, begibt sich auf heikles Terrain. Denn Lübeck und Mann – das war nie nur Idylle. Der 1901 erschienene Roman, der den Weg zum Nobelpreis ebnete, traf die Lübecker Seele empfindlich. Ein Familiendrama, das sich als Gesellschaftsdiagnose gerierte und damit zum literarischen Sprengsatz wurde.
Die Dokumentation folgt den Spuren dieser Beziehung – historisch, topografisch, literarisch. Sie fragt, wie viel Lübeck in den „Buddenbrooks“ steckt, lässt Expertinnen wie Caren Heuer oder Volker Weidermann zu Wort kommen und unterlegt das Ganze mit stimmungsvollen Schwarzweiß-Illustrationen der Graphic-Novel-Künstlerin Isabel Kreitz. Der Stoff, so zeigt sich, ist nicht abgeschlossen, sondern ein Gespräch, das weitergeführt werden muss.
Stadtraum als Resonanzraum
In der Altstadt Lübecks schlägt das Herz der Erinnerungsarbeit. Ein Stadtrundgang mit QR-Codes – eine Kooperation zwischen den Lübecker Museen und dem Projekt „ARD-Content im öffentlichen Raum“ – verwandelt die Topografie der Stadt in ein digitales Archiv. Wo einst Senatorensöhne spazierten, spricht nun Thomas Mann aus der ARD Audiothek. Vergangenheit wird begehbar, Geschichte per App aktiviert. Ein kulturpolitisches Statement, das sich nicht auf Nostalgie verlässt, sondern auf die mediale Gegenwart setzt.
Weitere Programmpunkte: Ein Familienepos und politische Tiefenschichten
Neben der Hauptdokumentation präsentiert der NDR weitere Highlights: die dreiteilige Fernsehreise „Die Manns – ein Jahrhundertroman“ (2., 8., 9. Juni), eine Live-Ausgabe des Bücherpodcasts „eat.READ.sleep“ am 1. Juli in Lübeck und eine Podiumsdiskussion am 9. Oktober über das politische Engagement Thomas Manns. Dabei wird deutlich: Der NDR feiert nicht nur den Dichter, sondern auch den Intellektuellen, den Emigranten, den Mahner.
Zwischen Kulturerbe und Medienkunst
Was der NDR hier unternimmt, ist mehr als ein Jubiläumsprogramm. Es ist ein Versuch, Thomas Mann neu zu verorten – in einer Zeit, die wieder nach Haltung, nach literarischer Tiefe und intellektueller Redlichkeit fragt. Das gelingt nicht immer ohne Pathos, doch stets mit Respekt vor einem Autor, der es sich nie leicht gemacht hat – mit sich, mit der Sprache, mit der Welt.
Fernsehen - Streaming
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26. Mai, 23:10 Uhr – ARTE:
Dokumentation „Buddenbrooks – Thomas Mann und Lübeck“ -
2. Juni, 22:45 Uhr – NDR Fernsehen:
Wiederholung der Dokumentation -
2., 8. und 9. Juni – NDR Fernsehen:
Dreiteilige Reihe „Die Manns – ein Jahrhundertroman“ -
Ab 27. Mai – ARD Mediathek:
„Buddenbrooks – Thomas Mann und Lübeck“ on demand
Radio (NDR Kultur)
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24. Mai bis 6. Juni –
Literatur-Schwerpunkt mit Gesprächen, Lesungen, Archivmaterial -
6. Juni (ganztägig) –
Thomas-Mann-Special zum Geburtstag -
Lesungen:
„Der kleine Herr Friedemann“, „Tristan“ (Termine im NDR Radioprogramm)
Live Veranstaltungen
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1. Juli – Lübecker Kolosseum:
Live-Special des Podcasts „eat.READ.sleep“ -
9. Oktober – Veranstaltungsreihe „Der Norden liest“:
Podiumsdiskussion zu Thomas Manns politischem Engagement
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