Die Zensur ausgewählter Bücher an verschiedenen US-amerikanischen Schulen hat ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen. Dies beklagt der Autorenverband PEN America. Demnach seien allein im vergangenen Schuljahr mehr als 1600 Buchtitel aus den Bibliotheken entfernt worden. Hinter der Durchsetzung der Verbote stecken in erster Linie konservative Gruppierungen.
Die Vorsitzende des PEN America, Suzsanne Nossel, zeigt sich besorgt angesichts der Buch-Zensur an amerikanischen Schulen. Laut eines Berichtes des Autorenverbandes nimmt diese immer stärker zu. Nossel erklärt: man könne nicht länger einzelne besorgte Bürgerinnen und Bürger für die gegenwärtige Lage verantwortlich machen. Dem Bericht der Autorenvereinigung zufolge handelt es sich bei den heutigen Verboten vielmehr um eine "koordinierte Kampagne". (Der Bayrische Rundfunk hatte zuerst berichtet.)
In die Wege geleitet und geführt würden diese Kampagnen mit klarem ideologischen Kalkül, so Nossel. Wegbereiter und Leiter seien dabei konservative, finanziell oft mächtige Organisationen. Ziel seien in erster Linie Bücher, in denen es um LGBTQ-Themen gehe sowie solche, deren Protagonisten schwarze Hautfarbe haben.
PEN America ermittelte nach eigenen Angaben 50 verschiedene Gruppen
Insgesamt habe der Autorenverbund 50 verschiedene Gruppierungen ausfindig gemach, die dafür verantwortlich seien, dass Bücher von Lehrplänen und Schulbüchereien verschwinden. Dies sei beispielsweise in dem Bezirk Madison County im US-Bundesstaat Mississippi der Fall, wo an örtlichen Schulen mehr als 20 Bücher mit einer "eingeschränkten Verbreitung" beleget worden seien. Viele der hierfür verantwortlichen Gruppen - als Beispiel nennt der PEN die Vereinigung "Moms for Liberty" - seien erst im vergangenen Jahr gegründet worden.
Toni Morrison "verbotene" Lektüre
Unter den für Jugendliche "verbotenen" Büchern gehört auch der Roman "The Bluest Eyes" ("Sehr blaue Augen") der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison. In Morrisons 1970 erschienene Debütroman wird die Reaktion eines kleinen Mädchens geschildert, dass sich fragt, warum es nicht so blaue Augen hat wie Kinder, die beispielsweise in ihrer Schulfibel abgebildet sind.
Auch der Roman "The Hate U Give" der Schriftstellerin Angie Thomas, der unter demselben Titel auf Deutsch erschienen ist, steht im Fadenkreuz der Zensur. Auch in diesem Roman wird Rassismus über den Blick eines jungen Mädchens geschildert, die nach einem rassistisch motivierten Übergriff durch Polizisten ihre eigene, oppositionelle Stimme und somit Identität entdeckt.
Mexiko als Spitzenreiter der Verbote
Der PEN America bilanziert: Im gesamten Land gebe es Bücherverbote und Zensur. An der Spitze stehe dabei der konservativ regierte Bundesstaat Texas. Die "American Library Association" (ALA), die älteste und größte Bibliothekenverbindung der Welt, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis wie der PEN. Ein in der vergangenen Woche von der Vereinigung veröffentlichter Report macht deutlich, wie stark das konservative Verlangen nach einem Verbot anders gesinnter Lektüre tatsächlich ist. Demnach seien allein zwischen Januar und August insgesamt 1651 Bücher Anfeindungen umgesetzt gewesen. Man zählte 681 Versuche, einzelne Bücher aus öffentlichen Büchereien zu entfernen. Im vergangenen Schuljahr habe es darüber hinaus 729 Anfechtungen gegeben, bestimmte Werke nicht an Schulen und Universitäten aufzunehmen.
"Woche der verbannten Bücher"
Es gibt allerdings auch starke Gegenbewegungen, die sich, im Sinne des 1. Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten, gegen Einschränkung und Verbot stark machen. 1982 rief die Bibliothekarin Judith Krug gemeinsam mit der American Library Association (ALA) die "Banned Books Week" ("Woche der verbannten Bücher") ins Leben, die seither einmal jährlich stattfinden. Häufig fällt die Aktionswoche in die zweite Septemberhälfte (in diesem Jahr vom 18. bis 24. September). Ziel ist es, sich für den freien und offenen Zugang zu Informationen stark zu machen und jene konservativen Tendenzen zu bekämpfen, die im vergangenen Jahr an Kraft gewonnen zu haben scheinen.
Im Zuge der "Banned Books Week" beteiligen sich die amerikanische Büchercommunity aus Bibliothekaren, Buchhändlerinnen, Verlegern, Journalistinnen, Lehrern und Leserinnen an diverse Aktivitäten. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nutzt die Woche um an Menschen zu erinnern die aufgrund ihrer schriftstellerischen, künstlerischen oder publizistischen Arbeit inhaftiert, bedroht oder ermordet wurden.
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