Neugier auf die Welt. Warum es sich lohnt zu reisen Abenteuerreisen auf allen Kontinenten

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Wenn man selbst nachsieht, merkt man, wie groß und rätselhaft die Welt ist. Statt zu tagträumen musste ich mich unterwegs in ungewohnten Gegenden zurechtfinden und die richtigen Entscheidungen treffen. Früher war ich ein schwächlicher Junge gewesen, voller Flausen im Kopf. Mit zwölf sagte man mir, dass mein Herz unregelmäßig schlage und ich mich sportlich betätigen solle. Vielleicht habe ich die Sache ein wenig zu ernst genommen. Fünfzehn Jahre trainierte ich täglich im Schwimmverein. Später wurde ich Fitnesstrainer, erklomm Berge und durchschwamm den Starnberger See. Als ich nach einem Volontariat nicht übernommen wurde, ging ich von meiner Studienstadt Konstanz aus zu Fuß zweieinhalbtausend Kilometer auf Jakobswegen nach Nordspanien. Was ich dort erlebte, wurde zur Initialzündung für noch abenteuerlichere Reisen. Es war ein großer Schritt für mich und ein eher kleiner für die Menschheit.

Eigentlich wollte ich längst einen Roman über die Wissenschaft schreiben, und einen zweiten über die Nacht. Was aber kann man tun, wenn das Leben dazwischenfunkt und seine beste Karte ausspielt: Du sollst Außergewöhnliches erleben, so lange du das kannst. Das tat ich. Im neuseeländischen Abel-Tasman-Nationalpark schwamm ich über Rochen hinweg, in der Nähe von Maracaibo an der kolumbianisch-venezolanischen Grenze hielt ich eine Anakonda in den Händen, in einer Bergfalte des nordindischen Himalaya konnte ich einen der letzten Schneeleoparden in freier Wildbahn beobachten. Im bolivianischen Santa Cruz wäre ich um ein Haar entführt worden, im türkischen Hatay versuchte man mich für die kurdische Rebellion zu gewinnen, in Nairobi ging ich, einem Impuls folgend, doch nicht ins Westgate-Einkaufszentrum, das kurz darauf von Anhängern der Al-Shabab-Miliz gestürmt wurde. Ich kostete Ratte an einem Straßenstand in Südlaos, aß rohes Robbenherz und Eisbärenfleisch in Ostgrönland. In den argentinischen Anden merkte ich auf sechstausend Metern, wie sich die Höhenkrankheit anfühlt, in Bangkok übernachtete ich in einem Billigbordell, in dem rechts und links von mir »gearbeitet« wurde, im bulgarischen Vidin fragte man mich beim Einchecken, ob ich mein Hotelzimmer mit oder ohne Frau wolle. Ich stellte fest, dass ich mehr erlebte, je langsamer ich unterwegs war, dass ich ein Land am besten kennenlernte, wenn ich auf Hilfe angewiesen war, und dass ich überall, selbst in einem Indianerreservat in Ostecuador, früher oder später auf Schwaben treffe. Wenn mich meine Freunde anrufen, fragen sie inzwischen nicht nur wie es mir geht, sondern auch wohin ich als Nächstes reise.



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