Während das deutsche PEN-Zentrum nach der Gothaer Mitgliederversammlung und dem sich daran anschließenden Rücktritt des ehemaligen PEN-Präsidenten Deniz Yücel tief erschüttert zu sein scheint, beginnt sich nun mit dem "PEN Berlin" ein neuer Schriftstellerverband zu gründen. Über 200 AutorInnen und VerlegerInnen haben sich um den Publizisten Deniz Yücel und der Schriftstellerin Eva Menasse zusammengetan, um den neuen PEN-Club zu gestalten.
232 AutorInnen und VerlegerInnen - darunter namenhafte Schriftsteller wie Daniel Kehlmann, Christian Kracht, Julia Franck, Simone Buchholz und Elke Schmitter - haben sich nach dem Rücktritt des ehemaligen PEN-Präsidenten Deniz Yücel zusammengetan, um eine neue Schriftstellervereinigung, den PEN Berlin zu bilden. Intern scheint die Gründung bereits vollzogen, formal und offiziell soll sie am 10. Juni erfolgen. Hintergrund sind diverse Zerwürfnisse, die es innerhalb des deutschen PEN-Zentrums zuletzt immer wieder gegeben hatte, und die zum Teil auch medienwirksam ausgetragen wurden. Höhepunkt dieser sich anstauenden Konflikte war wohl die Forderungen verschiedener Mitglieder, der ehemalige PEN-Präsident Deniz Yücel solle abberufen werden. Obgleich die Mehrheit der PEN-Mitglieder auf der diesjährigen Mitgliederversammlung im thüringischen Gotha dann gegen eine Abberufung Yücels gestimmt hatte, trat dieser dennoch zurück mit den Worten: "Ich möchte nicht Präsident dieser Bratwurstbude sein".
Mitglieder aus sämtlichen kulturellen Bereichen
Neben diversen SchriftstellerInnen sind auch namenhafte Vertreter aus anderen kulturellen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen auf der Mitgliederliste zu finden. Der Verleger Jo Lendle gehört ebenso dazu, wie die Philosophin Svenja Flaßpöhler, der Soziologe Armin Nassehi und der Tocotronic-Frontmann Dirk von Lowtzow.
Auf der Vereins-Website heißt es, man wolle einen zeitgemäßen und diversen PEN, in dem sich auf Deutsch schreibende oder in Deutschland lebende Schriftsteller:innen und Übersetzer:innen aller literarischen und publizistischen Genres zusammenfinden. Aus Erfahrung und Überzeugung wolle man die Hierarchien im Verein so flach wie möglich halten. "Titel wie Präsident, Vizepräsident und Generalsekretär, die von ihrem Pomp und Dekorum abgesehen keinerlei intrinsische Notwendigkeit tragen, halten wir für überholt und setzen auf ein paritätisch arbeitendes Board aus gewählten Repräsentant:innen."
Verantwortlich für den Verein ist ein aus elf Mitgliedern bestehendes "Board". Eva Menasse und Deniz Yücel stechen hier als Sprecher-Duo in besonderer Weise hervor. "Board"-Mitglieder sind außerdem:
- Simone Buchholz
- Alexandru Bulucz
- Joachim Helfer
- Konstantin Küspert
- Ralf Nestmeyer
- Ronya Othmann
- Mithu M. Sanyal
- Elke Schmitter
- Sophie Sumburane
Im Geiste der Vielsprachigen für Offenheit und für die Überwindung von Grenzen
Der Pen Berlin bewegt sich, was die Ambitionen anbelangt, im Rahmen des internationalen PENs und setzt sich gegen jede Form von Menschenhass und für die Meinungsfreiheit ein. Auf der Starseite des PEN Berlin heißt es dazu weiter: "Im Geiste unserer Namensgeberin Berlin, der Vielsprachigen, der Stadt, die heute für Offenheit und für die Überwindung von Grenzen steht, nennen wir uns PEN Berlin - eine NGO, die sich den Idealen der Aufklärung, der Meinungsvielfalt, der Toleranz und der Solidarität verpflichtet."
Die Freiheit des Wortes sei derzeit weltweit bedrohter als jemals zuvor. Man wolle daher den Focus auf die materielle und ideelle Unterstützung verfolgter Kolleg:innen richten. Man brauche diesen neuen PEN, "um dem Wort, der Literatur, der Poesie und jedem anderen textbasierten Genre den Raum zu geben, der notwendig ist, um sich frei zu entfalten."
Topnews
Unser Geburtstagskind im Juli: Franz Kafka und die Kunst, sich nicht zurechtzufinden
Unser Geburtstagskind im Juni: Thomas Mann und die brüchige Ordnung der Welt
Unser Geburtstagskind im Mai: Novalis - Die Blaue Blume und die Wiederverzauberung der Welt
Unser Geburtstagskind im April: Samuel Beckett
Unser Geburtstagskind im März: Heinrich Mann
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Bertolt Brecht – Geburtstagskind im Februar: Ein literarisches Monument, das bleibt
Wie Banksy die Kunst rettete – Ein überraschender Blick auf die Kunstgeschichte
PEN Berlin startet Gesprächsreihe über Heimat in Baden-Württemberg
PEN Berlin: Große Gesprächsreihe vor den Landtagswahlen im Osten
Der PEN Berlin: Bratwurstbude ohne Bratwürste?
Annett Gröschner wird Mainzer Stadtschreiberin 2025
Das Literarische Quartett mit Vea Kaiser, Deniz Yücel und Adam Soboczynski
Maxi Obexer als Co-Präsidentin des PEN Deutschland zurückgetreten
Jahrestagung des PEN-Zentrums: Wird Deniz Yücel abberufen?
Ex-Funktionäre fordern Deniz Yücels Rücktritt als PEN-Präsident
Man steht blank da: Kunst in Zeiten des Krieges
Jahresrückblick 2021: Die besten Bücher
Denis Yücel ist zum neuen Präsidenten des deutschen PEN-Zentrums gewählt worden
SWR Bestenliste Oktober: Sasha Marianna Salzmann auf Platz 1
Eva Menasse und Daniela Krien bei "Druckfrisch" mit Denis Scheck
"Das Literarische Quartett" mit Christian Berkel, Ijoma Mangold und David Schalko
Frankfurter Buchmesse präsentiert Veranstaltungskonzept
Aktuelles
Jules Verne: „Reise um die Erde in 80 Tagen“ – Die Welt wird zur Uhr
Jules Verne: „20.000 Meilen unter dem Meer“ – Der Mann, der aus der Welt verschwindet
Clemens Böckmann: „Das richtige Leben des Alvaro Maderholz“
Natascha Wodins offener Brief: Wenn der Mensch hinter dem Plural verschwindet
Annie Ernaux und Marc Marie: „Auf den Bildern“ – Was vom Begehren übrig bleibt
Vom Wollen und Sollen – Gerti Tetzners „Gegen Wind“
Deutscher Buchpreis 2026: Die Longlist und ihre zwanzig Vorstellungen von Gegenwart
Carlos Barragán: „Hi Honey“ – Wenn Nähe zum Geschäftsmodell wird
„Glaszeit“ von Leh-Wei Liao: Leben hinter durchsichtigen Wänden
Autaria wird neuer Sponsor des Selfpublisher-Verbands
Karolyn Ciseau: „… to Kill a Monster. Dragonblood Academy“ – Wenn Vertrauen gefährlicher wird als ein Drache
Kräutertee und Wadenwickel – Wenn die Hausapotheke wieder in die Küche zieht
Thomas Mann im Kino: „Vaterland“ – eine Rückkehr in das Land der Wörter
„Parasiti“ von Alisha Gamisch: Was sich in einer Familie einnistet
Tony Tulathimutte: „Fiasko“ – Jeder ist die Hauptfigur seiner Zurückweisung
Rezensionen
Erin A. Craigs „Ein Haus aus Salz und Tränen“ zwischen Märchen, Gothic Horror und weiblicher Selbstbehauptung
Ada Caine: „Eine echte Komtess“ – Ein Sommer zwischen den Ständen
Böse Stunde von Catherine Shepherd – Wenn die Zeit zur Tatwaffe wird
Als wir träumten von Clemens Meyer
Die Psychiaterin von Freida McFadden: Ein Haus voller Stimmen – und keine davon sagt die ganze Wahrheit
Nachtschatten von Kristina Ohlsson: Ein atmosphärischer Schwedenkrimi zwischen Familiengeheimnissen und tödlichen Wahrheiten