Nachdem sich KünstlerInnen und Intellektuelle um die "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine aussprachen, hat die Wochenzeitschrift "Die Zeit" nun ein Schrieben veröffentlicht, in dem die "kontinuierliche Lieferung" von Waffen gefordert wird. Auch dieser offene Brief ist an den Bundeskanzler Olaf Scholz adressiert. Unterzeichnet haben unter anderem auch Schriftsteller wie Maxim Biller, Herta Müller und Wladimir Kaminer.
"Wir bitten Sie [...] dringlich, alles dazu beizutragen, dass es so schnell wie möglich zu einem Waffenstillstand kommen kann ..." hieß es in einem am Sonntag in der Zeitschrift "EMMA" veröffentlichen offenen Brief an Olaf Scholz, mit dem sich Intellektuelle und KünstlerInnen um Alice Schwarzer gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine aussprachen. Die Forderungen der UnterzeichnerInnen wurden zum Teil heftig kritisiert und debattiert.
In einem nun in der Wochenzeitschrift "Die Zeit" erschienenes Schreiben widersprechen (wiederum) Intellektuelle, Autoren und Wissenschaftler dem im ersten Brief dargestellten Standpunkt. Hier heißt es: "Wer einen Verhandlungsfrieden will, der nicht auf die Unterwerfung der Ukraine unter die russischen Forderungen hinausläuft, muss ihre Verteidigungsfähigkeit stärken und die Kriegsfähigkeit Russlands maximal schwächen. Das erfordert die kontinuierliche Lieferung von Waffen und Munition, um die militärischen Kräfteverhältnisse zugunsten der Ukraine zu wenden." Unterzeichnet haben unter anderem die Schriftsteller Maxim Biller, Herta Müller, Daniel Kehlmann und Wladimir Kaminer. Initiiert wurde der Brief vom Zentrum Liberale Moderne um die Grünen-Politikerin Marieluise Beck und den Publizisten Ralf Fücks.
Kontinuierliche Waffenlieferungen und Ausweitung der Sanktionen
Angesichts der Konzentration russischer Truppen im Osten und Süden der Ukraine, der fortgesetzten Bombardierung der Zivilbevölkerung und der humanitären Notlage zähle jeder Tage, so die Autoren in ihrem Schreiben. Es sei keine militärische Expertise von Nöten, um zu erkennen, dass auch Panzer und Haubitzen in den Händen der Angegriffenen Defensivwaffen seien, da sie der Verteidigung dienen. Ein Verhandlungsfrieden, der nicht mit der Unterwerfung der Ukraine unter die russischen Forderungen einhergeht, kann laut des Schreibens nur dann erreicht werden, wenn man die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine stärkt und die Kriegsfähigkeit Russlands maximal schwächt. Dies erfordere einerseits kontinuierliche Waffenlieferungen; anderseits die Ausweitung ökonomischer Sanktionen auf den russischen Energiesektor.
"Wenn Putins bewaffneter Revisionismus in der Ukraine Erfolg hat, wächst die Gefahr, dass der nächste Krieg auf dem Territorium der Nato stattfindet.", heißt es weiter in dem Brief. Die russische Führung fürchte nicht die fiktive Bedrohung durch die Nato, sondern vielmehr den demokratischen Aufbruch in ihrer Nachbarschaft.
Atomkrieg-Drohung ist Teil der psychologischen Kriegsführung Russlands
Die Drohung mit dem Atomkrieg sei Teil der psychologischen Kriegsführung Russlands, so die Autoren. Die Gefahr eines Atomkriegs - die sie, die Unterzeichner, keineswegs auf die leichte Schulter nehmen würden - sei jedoch nicht dadurch zu bannen, dann man dem Kreml Zugeständnisse mache.
"Würde der Westen von der Lieferung konventioneller Waffen an die Ukraine zurückscheuen und sich damit den russischen Drohungen beugen, würde das den Kreml zu weiteren Aggressionen ermutigen. "
Auch wenn es gute Gründe gebe, eine direkte militärische Konfrontation mit Russland zu vermeiden, darf dies nicht bedeuten, "dass die Verteidigung der Unabhängigkeit und Freiheit der Ukraine nicht unsere Sache sei." Die deutsche Geschichte gebiete alle Anstrengungen, erneute Vertreibungs und Vernichtungskriege zu verhindern.
Topnews
Erich Lejeune: „Lebe ehrlich, werde frei!“ – Ein Leben sucht seine Ordnung
H. G. Wells zum 160. Geburtstag: Mit der Zeitmaschine zurück zu ihrem Erfinder
Unser Geburtstagskind im August: Mary Shelley
Unser Geburtstagskind im Juli: Franz Kafka und die Kunst, sich nicht zurechtzufinden
Unser Geburtstagskind im Juni: Thomas Mann und die brüchige Ordnung der Welt
Unser Geburtstagskind im Mai: Novalis - Die Blaue Blume und die Wiederverzauberung der Welt
Unser Geburtstagskind im April: Samuel Beckett
Unser Geburtstagskind im März: Heinrich Mann
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Wer ist hier eigentlich Inkompetent?
Intellektuelle fordern: "Waffenstillstand jetzt!"
Moralische Erpressung? Alexander Kluge zur Lieferung schwerer Waffen
"Ende des Blutvergießens" - Tausende Autorinnen und Autoren solidarisieren sich mit dem ukrainischen Volk
Natascha Wodins offener Brief: Wenn der Mensch hinter dem Plural verschwindet
Christoph Peters "Innerstädtischer Tod" darf weiter erscheinen
Konstantin Wecker: Wer "mehr Waffen" fordert, schickt andere in den Tod
"Hannah-Arendt-Preis" für den ukrainischen Schriftsteller Serhij Schadan
Wer ist Wolodymyr Selenskyj? Biografische Bücher über den ukrainischen Präsidenten
Peter Sloterdijk zum Ukraine-Krieg: "Man hört kaum noch Gegenstimmen"
Russischer Schriftsteller Dmitry Glukhovsky zur nationalen Fahndung ausgeschrieben
Natascha Wodin erhält Joseph-Breitbach-Preis 2022
Klaus von Dohnanyi: Was steht für Deutschland auf dem Spiel?
Schriftstellerin Juli Zeh verteidigt offenen Brief an Olaf Scholz
Ex-Funktionäre fordern Deniz Yücels Rücktritt als PEN-Präsident
Aktuelles
SPIEGEL Buchpreis 2026: Zwanzig Bücher und die Frage, was Literatur heute erzählen muss
Elbstrand-Saga von Charlotte Jacobi: Alle 4 Bände im Überblick
NDR Sachbuchpreis 2026: „Das Versagen“ von Katja Gloger und Georg Mascolo ausgezeichnet
Nach der Sonne schauen von Martina Hefter – Die Kunst, Schönheit auszuhalten
Bundesweiter Vorlesetag 2026: Wenn Kinder in mehr als einer Sprache zu Hause sind
Kindle Storyteller Award 2026: Simon Geraedts gewinnt mit einem Mordfall auf Rügen
Janosch ist tot – Die Sehnsucht nach Panama bleibt
Der Baum von Tommie Goerz: Ein ganzes Leben an einem Wirtshaustisch
Auch Kokosnüsse brauchen Regen von Melissa Schumacher: Das Leben lässt sich nicht vertagen
Thomas Brasch zum 25. Todestag: Ein Anker in der deutschen Sprache
Deutschland schafft sich ab von Thilo Sarrazin : Wenn Zahlen zur Weltanschauung werden