Der Filmemacher und Autor Alexander Kluge gehört zu den Erstunterzeichnern des derzeit viel diskutieren offenen Briefes, mit dem sich KünstlerInnen und Intellektuelle gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine aussprechen und vor den Gefahren einer nächsten Eskalationsstufe warnen. Kluge selbst hat als Dreizehnjähriger die Bombardierung seiner Heimatstadt Halberstadt miterlebt. "Ich sag Ihnen, dass mir die Reichsgrenzen von 1937 vollkommen egal waren, nach dem Bombenangriff.", sagte Kluge in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Kapitulation sei nichts Böses, wenn es den Krieg beendet.
Die schrecklichen Geschehnisse in der Ukraine stellen den Westen augenscheinlich vor eine schwierige Wahl: Den Krieg weiter anheizen, oder ihn lediglich zulassen und auf Friedensverhandlungen hoffen? Mit der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine, hat sich die deutsche Regierung für die erste Variante entschieden. So jedenfalls könnte man diesen Schritt unter Berücksichtigung des in dem "Emma"-Magazin veröffentlichten offenen Briefes interpretieren, den 28 KünstlerInnen und Intellektuelle an den Bundeskanzler Olaf Scholz adressierten. Auf der Liste der Erstunterzeichner findet sich unter anderem auch der Name des Filmemachers und Autors Alexander Kluge. In einem stark kritisierten Beitrag des Deutschlandfunks vom 29. April - das Veröffentlichungsdatum des Briefes - hatte Kluge die Gründe seiner Position deutlich gemacht.
Keine schweren Waffen!
Ihn habe sehr beeindruckt, wie der Bundeskanzler in einem Spiegel-Interview von einer Gefahrengrenze sprach, deren Überschreitung zu weiteren Eskalationen bis hin zum Atomkrieg führen könne, so Kluge in dem Interview. Wann diese Gefahrengrenze als überschritten gilt, liege nicht in der Herrschaft desjenigen, der die Waffen liefert, sondern desjenigen, der diese Waffenlieferung als Kriegshandlung interpretiert. Angesichts einer so abstrakten Frage wie die, wo die NATO-Grenzen verlaufen, dürfe man nicht weiter Öl ins Feuer kippen, so Kluge. Man müsse den Krieg so schnell wie möglich beenden.
Des Weiteren kritisierte der Filmemacher die aufgeheizte Stimmung, deren Stimmungsmacher versuchen, den Bundeskanzler vor sich her zu treiben. "Niemand beherrscht eine Krieg", so Kluge. Statt weiterer Waffenlieferungen sollte man alles daran setzen, eine Vermittlung in die Wege zu leiten und beide Seiten zwingen, Frieden zu schließen. "Dafür gibt es Mittel." In den Gesprächen zwischen Russland und der Ukraine in der Türkei sah Kluge einen guten Anfang.
Seine Empathie liege bei den Fliehenden, bei den Verwundeten und Leidenden, die in Luftschutzbunkern ausharren. Waffen fordern, würde nur eine kleine Minderheit, eine Gruppe von Politikern, die die Bundesrepublik durch Moralisierung erpresst. Das könne man eindeutig sagen, so Kluge. Er verweist darauf, dass wir nur Politikern, nicht der ukrainischen Bevölkerung zuhören.
Kapitulation ist kein Akt der Schwäche
1945 erlebte der damals dreizehnjährige Alexander Kluge die Zerstörung seiner Heimatstadt durch den Luftangriff auf Halberstadt. Kluge überlebte nur knapp, als zehn Meter neben ihm eine Sprengbombe einschlug. Auf dieses Erlebnis angesprochen sagte Kluge im Interview, er sei froh gewesen, als die weißen Fahnen wehten und die Kapitulation ausgesprochen war. Die Reichsgrenzen von 1937 waren ihm nach den Bombenangriffen "vollkommen egal".
Man könne längst sehen, dass die russische Aggression gescheitert ist. In einem Moment, in dem der Gegner schwach ist (in diesem Fall das russische Militär), müsse man versuchen, einen Kompromiss zu finden. "Kapitulation ist nichts Böses, wenn es den Krieg beendet".
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