Schwanzland

- 7 Seiten -
Dilan Canbaz

Die Lebenden der Republik benannten mit Stolz ihre Neugeborenen nach ihren Geschlechtsorganen. Um Verwechslungen zu vermeiden, wurden die Namen mit Buchstaben und Ziffern versehen.

Schwanz I 077 machte erstmals in einem kleinen Dorf mitten in der Natur im Süden der Schwanzrepublik die Augen auf. „Mein süßes Schwänzlein“, war das erste Wort, das von der Mutter kam. Nicht umsonst sagte sie es dann ständig. Schwanz I 077 war überaus zart, klein und fein. Der Kopf hatte die perfekte Größe, Form und die natürliche Farbe der Erde. Der Körper war harmonisch proportioniert. Er war also makellos. Die Mutter war sofort überzeugt, dass Schwanz I eine große Zukunft haben würde.

Schnell wurde Schwanz I 077 Jahr für Jahr gieriger, neugieriger. Kaum sah etwas gleich wie eine Muschi aus und hatte auch nur ein bisschen Ähnlichkeit mit ihr, raste er und wurde eilends wach und steif. Schon als zwölfjähriges Kind fand er keine Ruhe mehr in der Nacht, war stets aktiv wie eine Rakete kurz vor dem Start.

Sein Vater wünschte und hoffte, dass er naturgetreu, geistreich und wild bleiben und die Felder mit ihm bestellen würde. Die Mutter wünschte das Gegenteil, wollte, dass seine Schönheit der ganzen Republik bekannt werden und er endlich aus dem trostlosen Kaff entkommen würde.

Schwanz I schenkte diesem genetischen Zwiespalt keine Beachtung. Er hatte andere Sorgen. Er wollte eigentlich ganz etwas anderes und als geilster Junge nie etwas anderes werden als sich ständig engen Löchern, „Muschis“ hinzugeben, um mit deren Saft jeder Dürre in seinem Sein entgegenzukommen. Dafür wurde er auch jedes Mal belohnt, was wiederum alle seine bodennahen Bedürfnisse ebenso verschwinden ließ. Er war mit seinen Schönheitsidealen nicht anspruchsvoll. Wenn er ein Loch zum Reinstecken hatte, hatte er stets Dankbarkeit gezeigt. Das war ihm lieber als dicke Eier mit sich herumzutragen.

Er war besessen, aber gerecht. Das kam jedem zu Ohr. Er war stets begehrt, mehr als alle anderen Schwänze. Man wurde neidisch, er hatte aber seine Freude. Da seine Tür immer offen war, klopfte keine Muschi mehr, wenn da kein Besuch war.



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