Noch immer ist es schwierig, den Völkermord an den Armeniern in den Jahren 1915 bis 1917 beim Namen zu nennen. Cover Fischer Verlag

Völkermord an den Armeniern Die vierzig Tage des Musa Dagh

Am 24. April wiederholt sich der Tag, an dem der Genozid an den Armeniern durch die Türken begann. Ganze 106 Jahre hat es gebraucht, bis die USA den Schritt gewagt haben, das Massaker an den Armeniern in den Jahren 1915 bis 1917 als Völkermord anzuerkennen. Lesering möchte aus diesem Anlass an den historischen Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ von Franz Werfel erinnern, der 1933 erschienen ist und noch im selben Jahr der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten zum Opfer viel.

 

Der Völkermord an den Armeniern durch die Türken ist für die Regierung und weite Teile der Bevölkerung in der Türkei ein wunder Punkt, den man lieber nicht erwähnen will. Die Türken wollten mit dem Völkermord die Gene der Armenier auf türkischen Boden ausrotten. Das Ereignis gilt als erster Genozid im zwanzigsten Jahrhundert. Er fällt in die Geburtsstunde der modernen Türkei und stellt die Gründungsväter, allen voran Mustafa Kemal Pascha in ein schlechtes Licht. So haben es in der Vergangenheit viele Staaten vermieden, diesen Völkermord anzuerkennen. Der amtierende US-Präsident Biden geht somit einen mutigen Schritt, denn die Türkei ist gleichzeitig Nato-Partner und wichtigster Militärstützpunkt der USA in dieser Region.

Auch wenn die Personen im Roman von Franz Werfel frei erfunden sind, so orientiert sich Franz Werfel an waren Ereignissen. Im Sommer 1915 war der Berg Musa Dagh der letzte Hoffnungsschimmer für fast 5000 Armenier. Sie suchten auf dem Berg Zuflucht vor Verfolgung und Verschleppung. Die Geflohenen waren dazu entschlossen Widerstand zu leisten und sich Ihren Verfolgern zur Wehr zu setzen.

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Gabriel Bagradian, ein wohlhabender Geschäftsmann ist der Anführer und die treibende Kraft. Er hat einen Großteil seines Lebens in Frankreich verbracht und kehrt zur Unzeit nach Armenien mit seiner seiner französischen Ehefrau Juliette und dem gemeinsamen Sohn in seine Heimat zurück. Ohnmächtig erlebt er die Beschneidung elementarer Rechte, befindet sich von einem Tag auf den anderen in Lebensgefahr. Wohlstand und Bildung schützen ihn nicht. Bagradian überzeugt seine Dorfgemeinde Widerstand zu leisten.

Mit der Romanfigur Gabriel Bagradian hat sich Werfel an Moses Der Kalousdian orientiert, der ein armenischer Widerstandskämpfer zur Zeit des Genozids an den Armeniern war. Als ehemaliger Offizier der osmanischen Armee führte Der Kalousdian im Jahre 1915 die Bewohner der Dörfer Vakef, Yoghun-Oluk, Khedrbek, Haji Habibli und Keboussik auf den Musa Dagh, wo diese lediglich mit Sattelpistolen und Jagdgewehren bewaffnet Festungsanlagen anlegten und sich 53 Tage lang erfolgreich gegen mehrere türkische Angriffswellen verteidigten. Am 12. September 1915 kam das französische Kriegsschiff Guichen den bedrängten Christen zur Hilfe. Gemeinsam mit drei weiteren alliierten Schiffen rettete es 4048 Armenier, darunter auch Der Kalousdian.

Franz Werfel wurde 1890 in Prag als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Er schrieb zunächst expressionistische Lyrik, später Erzählungen und Romane. In den 20er und 30er Jahren avancierte Werfel zu einem der meistgelesenen deutschen Autoren. Sein Verdi-Roman löste 1924, mehr als 20 Jahre nach dem Tod des Komponisten, eine wahrhafte Verdi-Renaissance in Deutschland aus. Werfel heiratete 1929 Alma Mahler. Nach der Emigration in die USA starb er 1945 in Beverly Hills.

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