Meistverkauften Bestseller 2025

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Ein Nachbar, der nie ganz zu sehen ist. Eine Schwimmerin, die ihre Bahnen zieht. Eine Galliergruppe, die auf halber Strecke zwischen Rom und Comicstrip verharrt. Die zehn meistverkauften Bücher des Jahres 2025 wirken wie eine lose Versammlung von Stoffen, Namen und Versprechen. Doch wer sie zusammensieht, erkennt ein Muster. Kein ästhetisches, sondern ein atmosphärisches.

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1. Sebastian Fitzek – Der Nachbar

Der Nachbar bleibt das ideale Zentrum im Fitzek-Kosmos: unheimlich, uneindeutig, urban. Der erfolgreichste Titel des Jahres inszeniert Angst nicht als psychologische Tiefe, sondern als dramaturgischen Puls. Fitzek schreibt, was die Zeit braucht: Tempo, Reiz, Entladung. Keine Aufarbeitung, sondern Anspannung.

2. Caroline Wahl – 22 Bahnen

22 Bahnen- eine junge Frau schwimmt. Wahl erzählt diese Bewegung mit einer Sprache, die auf Lärm verzichtet. Ihre Figuren haben keine Botschaft, sie haben Gewicht. Dass ein Debüt in stiller Tonlage zum meistverkauften Taschenbuch wird, deutet auf eine Gegenbewegung hin: Resonanz statt Reaktion.

3. Asterix – Asterix in Lusitanien

Asterix – Asterix in Lusitanien -ein Comicband, der nichts verändern will. Und darin liegt seine Kraft. Asterix ist kein literarisches Ereignis, sondern ein Ritual. Der neue Band bringt neue Kulissen, aber bekannte Rhythmen. Er sagt: Die Welt da draußen mag sich drehen – hier bleibt alles, wie es war.

4. Caroline Wahl – Windstärke 17

Wahl, zum zweiten Mal in der Liste. Wieder mit präziser Sprache, diesmal mit rauerem Ton.Windstärke 17 - der Wind, der durchs Buch zieht, ist keiner der Empörung, sondern einer der Realität. Wahl erzählt nicht von „der Jugend“, sie schreibt sie – tastend, genau, ohne Attitüde.

5. Dan Brown – The Secret of Secrets

Ein globaler Dauerbrenner. Brown ist kein Stilist, aber ein Stratege. Er liefert, was von ihm erwartet wird: Symbole, Rätsel, Schauplätze. The Secret of Secrets- der Thriller als Architektur des Wissens – flach in der Figur, groß in der Kulisse. Das Denken bleibt in Bewegung, aber kommt nicht zur Ruhe.

6. Rebecca Yarros – Onyx Storm – Flammengeküsst

Fantasy in Deluxe. Yarros verbindet Pathos und Körperlichkeit, Eskapismus und Sehnsucht. Onyx Storm – Flammengeküsst: Drachen, Küsse, Feuer – eine Literatur des Überwältigens. Dass dieses Buch so weit vorn liegt, sagt viel über eine Generation, die sich in Parallelwelten weniger verliert als stabilisiert.

7. Sebastian Fitzek – Horror-Date

Noch einmal Fitzek, diesmal mit einem Titel, der sich selbst kommentiert. Das Horror-Date wird zur Falle, der Alltag zur Bühne des Grauens. Auch hier keine Figuren, sondern Funktionen. Spannung ohne Unterbau, aber mit perfekter Oberfläche. Der Nerv als Erzählprinzip.

8. Evie Woods – Der verschwundene Buchladen

Ein Märchen für Erwachsene, in dem Bücher Orte sind, nicht Objekte. Woods erzählt Der verschwundene Buchladen leicht, fast schwebend – und trifft damit ein Bedürfnis: nach Verzauberung, ohne Kitsch. Der verschwundene Buchladen steht für das, was fehlt – und gleichzeitig für das, was noch möglich ist.

9. Rita Falk – Apfelstrudel-Alibi

Der Eberhofer-Kosmos bleibt stabil. Keine Überraschungen, keine Experimente – aber ein Ton, der funktioniert. Falk bietet in Apfelstrudel-Alibi Heimat als Humorkulisse, Provinz als Entlastungsraum. Der Apfelstrudel ist hier nicht nur Speise, sondern semantisches Beruhigungsmittel.

10. Bonnie Garmus – Eine Frage der Chemie

Ein Roman, der nicht neu ist, aber neu gelesen wird. Garmus’ Heldin ist klug, kantig, widerspenstig – und bleibt dennoch zugänglich. Eine Frage der Chemie: zwischen Wissenschaft, Küche und Gesellschaft entspinnt sich ein Erzählraum, der nicht empört, sondern klärt. Und manchmal ist das revolutionär genug.

Zwischen Sicherheit und Sehnsucht

Diese zehn Bücher erzählen nicht die Geschichte des Jahres – aber sie zeigen, welche Bücher gekauft wurden. Teils, um sie selbst zu lesen. Teils, um sie zu verschenken.

Auffällig ist die anhaltende Krimilust im deutschsprachigen Raum – gleich zwei Titel von Sebastian Fitzek finden sich unter den meistverkauften, dazu regionale Spannung von Rita Falk. Und unübersehbar: die Diskussion um Caroline Wahls neues Buch Die Assistentin und die Verfilmung ihres Debüts 22 Bahnen, die Wirkung zeigte – literarisch wie medial.

Zum Glück schaffte es auch ein Comic ganz nach vorn: Asterix in Lusitanien widersetzt sich dem Einheitston, liefert Humor mit Haltung – und beweist, dass visuelles Erzählen längst kein Nischenprodukt mehr ist. Auch die Romantasy-Welle hält an: Onyx Storm verkauft sich prächtig, geliebt und gelesen von einem Publikum, das Eskapismus nicht als Flucht, sondern als Spielraum versteht.

Die Top Ten des Jahres 2025 zeigen vor allem eines: dass Lesen bleibt. Und dass Lesen oft bedeutet, sich in etwas hineinzubegeben. Wenn das tröstet, bildet, die Fantasie anregt – umso besser.

Quelle: Verkaufszahlen laut Jahresauswertung 2025 von Media Control im Auftrag des Börsenblatts, veröffentlicht am 2. Januar 2026. Berücksichtigt wurden alle Warengruppen und Formate im deutschen Buchhandel (DACH-Raum).



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