Am Anfang war das Schwein. Dick, rosa, unbewegt. Waldemar sitzt auf einem Loch in einem morschen Boot, während Johnny Mauser das Ruder hält und Franz von Hahn das Segel stellt. Das Ziel: der Dorfteich. Die Mittel: ausreichend. Diese Szene – konkret, unaufgeregt – ist der Kern einer Poetik, die Helme Heine ein Leben lang verfolgte. Sie zeigt, wie etwas funktioniert, ohne es zu erklären.
Nun ist der Mann gestorben, der solche Szenen erfand. Einer, der Bücher schrieb, in denen das Erzählen nicht pädagogisch aufgeladen, sondern handwerklich organisiert war. Tiere als Bewegungseinheiten, Farben als Strukturträger, Blödsinn als Methode. Wer das als Kind las, verstand: Hier wird nicht erklärt, hier wird gehandelt. Wer es später noch einmal las, merkte: Da fehlt nichts.
Geschichten aus Linien
Helme Heine wurde 1941 in Berlin geboren. Er studierte Betriebswirtschaft und Kunst, reiste durch Europa und Asien und blieb schließlich zwölf Jahre in Südafrika. Er arbeitete dort als Bühnenbildner, Schauspieler, Regisseur, gründete ein Kabarett, gab eine Zeitung heraus. Die Bühne war das erste Format, das Bild das zweite.
1976 erschien sein erstes Kinderbuch: Das Elefanteneinmaleins. Es folgten viele. Na warte, sagte Schwarte, Freunde, Mullewapp, Hans und Henriette, Die Abenteurer, Johnny Mausers Tagebuch, Kleine Freunde, Tabaluga. Über 70 Titel, übersetzt in 35 Sprachen, 25 Millionen Mal verkauft.
Die Bücher handeln nicht von Themen, sondern von Abläufen. In Die Abenteurer beginnt alles mit Langeweile. Niemand hat Zeit. Die drei Freunde fahren los. Sie retten eine Gänseprinzessin, finden eine Flaschenpost, reisen bis ans Rote Meer – und sind rechtzeitig zum Abendessen zurück. Ob alles stimmt, bleibt offen. Aber sie waren unterwegs. Und das zählt.
1990 zog Heine weiter – Irland, dann Neuseeland. Dort schrieb, zeichnete, baute er. Hörspiele, Skulpturen, Bühnenprojekte. Mit Peter Maffay: Tabaluga. Für die Weltausstellung: Theaterarbeit. Inmitten dieser Vielfalt blieb er dem einen treu: Geschichten, die sich aus Handlung ergeben. Keine Symbole. Keine Konzepte. Nur drei Tiere, die loslaufen.
Und einer sitzt auf dem Loch
Helme Heine ist tot. Die Tiere bleiben.
Johnny Mauser steht am Ruder. Franz von Hahn stellt das Segel. Der dicke Waldemar sitzt auf dem Loch. So überqueren sie den Teich. Und das genügt.
Diese Bücher fragen nicht, was richtig ist. Sie zeigen, was getan wird. Einer lenkt, einer hält Kurs, einer stopft das Loch. Mehr braucht es nicht. Die Geschichten erklären nichts, aber alles hängt davon ab, dass einer handelt, und die anderen mitgehen.
Kinder verstehen das. Ohne Umweg. Und wer es später wieder liest, weiß: Mehr braucht es auch dann nicht.
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