„Das Wagnis der Freiheit“ heißt die neue Schiller-Monografie des Germanisten Prof. Dr. Ulrich Kittstein, in der auch Mannheim und das Nationaltheater eine Rolle spielen.
In seinem Buch widerlegt Kittstein das Klischee von Schiller als verträumtem Idealisten und zeigt, dass er eng mit den Geschehnissen seiner Zeit verbunden war. „Schiller stand mitten im Leben, auch wenn er das Leben hauptsächlich durch Bücher und Lektüre erfahren hat“, so der Literaturwissenschaftler. In seiner neuen Monografie, die auch für Nicht-Experten gut verständlich ist, konzentriert sich Kittstein auf eingehende Analysen von Schillers Bühnenwerken und auf das Theaterleben im 18. Jahrhundert. Dabei führt er die Leser in die Welt des Mannheimer und des Weimarer Theaters.
„Schiller war ein bühnen- und praxisbezogener Autor“, so Kittstein. „Er hatte immer das Theater seiner Epoche und die Erwartungen des Publikums vor Augen“. Seine in Mannheim entstandenen Stücke schnitt er beispielsweise speziell auf die technischen Möglichkeiten und auf das Ensemble des Mannheimer Nationaltheaters zu, das damals zu den führenden und fortschrittlichsten Häusern in Deutschland gehörte. Während beispielsweise auf den großen Hofbühnen in Stuttgart und Ludwigsburg noch viele französische Stücke gespielt wurden, führte man in Mannheim bereits vorwiegend deutsche Originalwerke auf. Ein Beispiel dafür ist Schillers Drama „Die Räuber“, das 1782 am Nationaltheater seine Uraufführung feierte.
„Doch letztlich hat es ihm in der Kurpfalz dann nicht gefallen“, erklärt der Biograf. Schillers künstlerische Ansprüche waren hoch und seine Vorstellungen von der idealen Bühne konnten in Mannheim nicht verwirklicht werden. Nach einem Zerwürfnis mit dem Intendanten und den Schauspielern verließ er 1785 die Stadt und gelangte schließlich nach Jena und Weimar, wo er seine großen klassischen Stücke schrieb.
Freiheit als Wagnis
Das zentrale Motiv in Kittsteins Buch ist Schillers Verständnis von Freiheit. „Freiheit ist der Universalschlüssel für sein Werk“, sagt Kittstein. Dieses Thema beschäftigte den Dichter in verschiedenen Dimensionen: als politisches, moralisches und ästhetisches Problem. Dabei blieb sein Verhältnis zur Freiheit gespalten. Einerseits unterstützte er die bürgerlichen Emanzipationsbestrebungen seiner Epoche, andererseits hatte er beobachtet, wie die Freiheit nach der Französischen Revolution in Terror umschlug. „Für Schiller ist Freiheit daher immer ein Risiko, ein Wagnis“, so Kittstein.
Das traf auch auf das persönliche Dasein des Dichters zu: Weil er wegen der „Räuber“ in Konflikt mit der Zensur geriet, musste er 1782 vor der Unterdrückung des württembergischen Herzogs Karl Eugen aus Stuttgart fliehen. Seine vollständige Unabhängigkeit erlangte er erst in Weimar, als er mit dem Schreiben genügend Geld verdiente, um für sich und seine Familie zu sorgen. „Auch das gehört zum Zeithintergrund und ist nicht ohne Spuren in seinem Werk geblieben“, fasst sein Biograf zusammen.
Prof. Dr. Ulrich Kittstein ist seit 2009 außerplanmäßiger Professor am Lehrstuhl für Neuere Germanistik I an der Universität Mannheim. Zu seinen Werken gehören unter anderen Monografien über Eduard Mörike, Gottfried Keller und Bertolt Brecht.
Das Buch „Das Wagnis der Freizeit. Schillers Dramen in ihrer Epoche“ ist im Verlag Wbg Academic bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft – seit Kurzem im Herder Verlag – erschienen.
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