Die Schriftstellerin Judith Hermann wird mit dem Braunschweiger Wilhelm-Raabe-Preis ausgezeichnet. Die Jury betonte vor allem Hermanns gekonnte Wechsel im Schreiben. Die Auszeichnung ist mit 30.000 Euro dotiert und wird von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk gestiftet.
Die Schriftstellerin Judith Hermann erhält den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2023 für ihr Werk "Wir hätten uns alles gesagt". Verliehen wird der von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk gestiftete Preis am 5. November im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters.
Mit dem Buch "Wir hätten uns alles gesagt" werde ein Buch ausgezeichnet, das auf faszinierende Weise Einblicke ins Schreiben der Autorin gebe, hieß es von Seiten der Jury. Die Autorin gebe in dem Werk scheinbar Intimstes Preis, lasse das Erzählte jedoch immer wieder ins Imaginäre kippen. So entstehe ein atmosphärisch dichter Schwebezustand, ein beständiger Wechsel zwischen Realität und Fiktion, zwischen Zeigen und Verbergen.
"Dieses Gespinst aus Verweisen, Motiven und Allusionen ist nicht nur mit ihrer eigenen Familiengeschichte und deren Versehrungen verbunden, es eröffnet auch einen Raum für die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts." heißt es weiter. "Nicht zufällig lässt Judith Hermann ihr poetologisches Verfahren des Verschiebens und Übertragens ihren vermeintlich langjährigen Psychoanalytiker erklären: „Was für eine unermüdliche Detailarbeit, alles so geschickt zu verfremden, zu entstellen, dass am Ende nichts mehr richtig ist, aber alles wahr.“ Judith Hermann hat in ‚Wir hätten uns alles gesagt‘ weit mehr als Poetikvorlesungen geschrieben. Es sind Erzählungen über das Schweigen und Verschweigen-Müssen, über die Annäherung an das Unsagbare, das den Urgrund ihres Schreibens ausmacht – wenn nicht von Literatur und Kunst überhaupt. ‚Wir hätten uns alles gesagt‘ ist ein Buch, das beeindruckt durch die Vulnerabilität, die es offenbart, und das zugleich von großer Kraft ist: Denn das Vermögen von Judith Hermann besteht darin, das Nicht-Sagbare und die existenzielle Verunsicherung aufscheinen zu lassen, und ihnen im Erzählen eine sprachliche Form zu verleihen, die voller Anmut und von geradezu metaphysischem Trost ist."
Die Jury
Die Jury setzte sich in diesem Jahr wie folgt zusammen: Prof. Dr. h. c. Gerd Biegel (Präsident der Internationalen Raabe-Gesellschaft e.V.), Thomas Geiger( Literarisches Colloquium Berlin), Dr. Dominique Haensell (Literaturwissenschaftlerin und Autorin), Samuel Hamen (freier Literaturkritiker), Prof. Dr. Anja Hesse (Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig), David Hugendick (Die ZEIT und ZEIT ONLINE), Dr. Michael Schmitt (3sat), Prof. Dr. Julia Schöll (Institut für Germanistik, TU Braunschweig) und Dr. Wiebke Porombka (Deutschlandfunk).
Wilhelm-Raabe- Literaturpreis
Mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis werden jährlich ein in deutscher Sprache verfasstes Werk ausgezeichnet. Exemplarisch soll damit aber das publizierte literarische Schaffen bis zum Zeitpunkt der Preisverleihung gewürdigt werden. Ein neues Buch muss im Kalenderjahr der Vergabe erschienen sein. Preisträger waren bisher unter anderem Heinz Strunk, Judith Schalansky und zuletzt Jan Faktor.
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