Der Schriftsteller Wladimir Kaminer hatte sich in den vergangenen Tagen immer wieder zum Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine geäußert. In einem am Samstag auf Facebook abgesetzten Post schaut er nun wehmütig auf eine Zeit zurück, in der nicht Bundeswehrgeneräle und Atomraketenexperten, sondern Virologen die Talkshow-Plätze besetzten.
Es ist eine wortwörtlich verrückte Zeit, in der wir leben. Innerhalb weniger Tage hat sich der Aufmerksamkeitsfokus weltweit dermaßen verschoben, dass das Coronavirus, welches in den vergangenen zwei Jahren beinahe alle Diskurse und Debatten mitbestimmt hatte, kaum noch jemanden zu tangieren scheint. Wo eben noch die mehr oder minder schleichende Bedrohung eines neuartigen Virus und der Streit um die Impfpflicht war, herrscht heute ein Krieg. Ein rasanter, ein brutaler Wechsel, auf den auch Schriftsteller Wladimir Kaminer in einem am Samstag abgesetzten Post aufmerksam machte, als er schrieb: "Wie gern würde ich die Zeit zurückdrehen, damit alles wieder so wäre wie früher" Gemeint ist eine Zeit, in der nicht "Bundeswehrgeneräle und Atomraketenexperten, sondern Virologen" in den Talkshows saßen.
In Bezug auf die Berichterstattung äußerste sich Kaminer kritisch. Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine würden die Nachrichten immer skurriler. Gerüchte würden hochgekocht, kontraproduktive Boykott-Aktionen beworben. Über den medialen Umgang mit dem Krieg hatte sich der Autor bereits früher schon geäußert, wie auch zu der Tatsache, dass russische Bürgerinnen und Bürger ausgeschlossen und diffamiert werden.
"Alle fassen mit an"
In seiner Heimatstadt könne er allerdings positive Beobachtungen machen: "Hier in Berlin helfen die Menschen aller Nationalitäten, die vom Krieg Geflüchteten einzuquartieren, humanitäre Güter zu sammeln und zu transportieren. Deutsche, Russen, Ukrainer, alle fassen mit an und werden nicht nach ihrem Pass gefragt."
Noch einmal verwies der Bestsellerautor ("Russendisko) darauf, dass es sich bei diesem Krieg um eine "Schlacht der Freiheit gegen die Knechtschaft" handle, in der die Ukrainer auch für die Russen, für unser aller Freiheit kämpften. "Wir müssen alles tun, um sie zu unterstützen, Geflohene und Verletzte versorgen, mit Putins Regime keine Geschäfte machen, und ihr werdet sehen, dass die Russen sich gar nicht so sehr von den anderen Völkern unterscheiden. Für die Freiheit allein stehen sie nicht vom Sofa auf, für die Wurst gehen sie durch die Decke."
Hier bestellen
Topnews
H. G. Wells zum 160. Geburtstag: Mit der Zeitmaschine zurück zu ihrem Erfinder
Unser Geburtstagskind im August: Mary Shelley
Unser Geburtstagskind im Juli: Franz Kafka und die Kunst, sich nicht zurechtzufinden
Unser Geburtstagskind im Juni: Thomas Mann und die brüchige Ordnung der Welt
Unser Geburtstagskind im Mai: Novalis - Die Blaue Blume und die Wiederverzauberung der Welt
Unser Geburtstagskind im April: Samuel Beckett
Unser Geburtstagskind im März: Heinrich Mann
Unser Geburtstagskind für den Wintermonat Februar: Gertrude Stein
Ein Geburtstagskind im Januar: Edgar Allan Poe – Dichter der Struktur und des Schreckens
Geburtstagskind im Dezember – Emily Dickinson
Ein Geburtstagskind im November: Astrid Lindgren
Geburtstagskind im Oktober: Benno Pludra zum 100. Geburtstag
Das Geburtstagskind im September: Roald Dahl – Der Kinderschreck mit Engelszunge
Ein Geburtstagskind im August: Johann Wolfgang von Goethe
Hans Fallada – Chronist der kleinen Leute und der inneren Kämpfe
Ein Geburtstagskind im Juni: Bertha von Suttner – Die Unbequeme mit der Feder
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher
Ein Geburtstagskind im April: Stefan Heym
Ein Geburtstagskind im März: Christa Wolf
Moralische Erpressung? Alexander Kluge zur Lieferung schwerer Waffen
Schriftstellerin Juli Zeh verteidigt offenen Brief an Olaf Scholz
Schriftsteller Wladimir Kaminer zum Ukraine-Russland-Konflikt
Natascha Wodins offener Brief: Wenn der Mensch hinter dem Plural verschwindet
Michail Schischkin fordert eine klare Haltung zu russischer Literatur
Der Krieg in der Ukraine zerreißt mir das Herz
"KATAPULT"-Chef Benjamin Fredrich tritt zurück
"titel, thesen, temperamente": Schwerpunkt auf Kriegsliteratur
"Hannah-Arendt-Preis" für den ukrainischen Schriftsteller Serhij Schadan
Wer ist Wolodymyr Selenskyj? Biografische Bücher über den ukrainischen Präsidenten
"Siegt der Fernseher, oder siegt der Kühlschrank?"
Wer ist hier eigentlich Inkompetent?
Intellektuelle fordern: "Waffenstillstand jetzt!"
Peter Sloterdijk zum Ukraine-Krieg: "Man hört kaum noch Gegenstimmen"
Russischer Schriftsteller Dmitry Glukhovsky zur nationalen Fahndung ausgeschrieben
Aktuelles
Red von Louise Kennedy: Manche Menschen kann man lieben, ohne sie retten zu können
Keeping 13 von Chloe Walsh: Liebe ist leicht versprochen – Sicherheit nicht
Laura Freudenthaler erhält den Christine-Lavant-Preis 2026
Theo in Golden von Allen Levi: Was geschieht, wenn jemand wirklich zuhört?
Die Hexe
Death’s Daughter von S. A. Barnes: Wenn der Tod seine Nachfolge regeln will
Michal Neruda über I. Lettres, die Neruda Archives und die Menschen hinter historischen Briefen
Eine brillante Karriere: Miles Franklin, Netflix und die Kunst, nicht zu heiraten
Ein ganz normales Wunder von Woody Brown: Wer nicht spricht, hat trotzdem etwas zu sagen
Shida Bazyar erhält den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2026 für „Die Lücken“
Zauber des Neuen von Ellin Carsta: Wenn ein verlorener Traum Platz für einen neuen macht
Katzenspuren
Tanz ins Leben von Ellin Carsta: Eine Familie zwischen Aufbruch und Abschied
Binding 13 von Chloe Walsh: Wenn Unsichtbarkeit zur Überlebensstrategie wird